Monschau

Open-air Ausstellung 1970 in Monschau. Die Arbeit von Peter Brüning zerfiel, als sie von der Hauswand genommen wurde.

Open-air Ausstellung 1970 in Monschau. Die Arbeit von Peter Brüning zerfiel, als sie von der Hauswand genommen wurde.

Übrig geblieben ist zum Beispiel diese Arbeit. Schwarz-weiß-rot.

Übrig geblieben ist zum Beispiel diese Arbeit. Schwarz-weiß-rot.

 

Burg

Die Burg in Monschau

 

Kapellchen

Das Kapellchen in Nähe der Burg

 

Haus

Gebäude in der Nähe der Burg

 

Haus

Haus unterhalb der Burg


 

Aufgang zur Burg

Eingang zur Burg


 

Schule

Die alte Schule Monschau


 

Treppe

„Monschau ist steinreich“, schreibt die Bürgermeisterin, Frau Ritter. Es gibt dort in der Tat sehr schöne und sehr viele Mauern.


Monschau, ein Portrait

Von Kaspar Vallot

Monschau – Städtchen an der Rur ohne „h“, des Flusses, der im Hohen Venn entspringt, unterwegs Deutschlands zweitgrößte Talsperre, die Rurtalsperre Schwammenauel mit 205.000 Kubikmeter Fassungsvermögen füllt, um 135 Kilometer weiter bei Roermond in die Maas zu münden.

In einer Doppelschleife der Rur hat sich das Städtchen Monschau buchstäblich eingenistet: mit einer Burgruine, die an die Feudalherrschaft des hohen Mittelalters erinnert, mit einem Stadtbild, das mit seinen engen Straßen und Gassen, seinen Winkeln und Fachwerkhäusern, aber auch mit seinen stattlichen Bürgerhäusern die typischen Konturen des 17. Jahrhunderts erhalten hat. In den Sommermonaten ist es ein Magnet für den Fremdenverkehr, zu Zeiten des alljährlichen Weihnachtsmarktes mit Gästen aus Deutschland, aber auch aus den nahen Niederlanden und Belgien derart überschwemmt, dass in jüngster Zeit überlegt werden musste, den Zustrom zu sperren. Ein Städtchen, das mehrfach im Jahr die Kulisse für Kultur- und Spielfilme, aber auch für Krimis hergibt. Schließlich ein Denkmal einer glanzvollen Epoche der rheinischen Wirtschaftsgeschichte, wie ein Wunder den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges entgangen, in dem die Dörfer rings um Monschau in Schutt und Asche versanken.

Monschau hat eine vielhundertjährige Geschichte, allerdings nicht mit dem Namen „Monschau“. Über Jahrhunderte hieß das Städtchen „Montjoie“. Und das spricht man „Moschoa“, was alles andere als deutsch klingt.

Das fand auch Kaiser Wilhelm II., der im Jahre 1918 sein letztes Großes Hauptquartier im belgischen Kurort Spa aufgeschlagen hatte und dort erfahren musste, dass sich der Kronprinz und Offiziere des Generalstabs gerne ins nahe Städtchen Montjoie begaben, um im dortigen Hotel de la Tour bei der Schönen Helene einen guten Mosel-Riesling zu genießen.

Den Abstecher nahm die Majestät noch hin. Aber die Herren begaben sich ja nach „Moschoa“ und damit in „welsches“ Gebiet, zu „Welschen“, gegen die man doch Krieg führte. Zwar informierte der Kronprinz seinen kaiserlichen Vater, dass dieses „Moschoa“ ein deutsches Städtchen sein, aber der Kaiser ließ nicht mit sich reden. Er verfügte: Ab sofort heißt dieses Städtchen Monschau.

So sehr sich der Rat später bemühte, sich wieder Montjoie nennen zu dürfen. Was der Kaiser angeordnet hatte, war nicht rückgängig zu machen. Es blieb bei „Monschau“.

Das sind belegte Fakten. Der Forschung, die ausgraben wollte, wie denn das Städtchen zu dem Namen „Montjoie“ gekommen sei, blieben Fakten versagt, und wo Fakten fehlen, kann die Legende helfen. So auch im Fall „Montjoie“. Eine dieser Legenden ging so. Die auf der Burg in der Eifel residierenden Ritter machten sich in der Zeit der Kreuzzüge auf, um das Heilige Land den Händen der Ungläubigen zu entreißen.

Als sie nach vielen Strapazen das Ziel ihres Kreuzzuges erreichten und von Bergeshöhe erstmals der Stadt Jerusalem ansichtig wurden, war ihre Freude darüber so groß, dass sie diese Anhöhe „Berg der Freude“ tauften. Und nach der Heimkehr gaben die Rittersleut ihrem Stammsitz in der Eifel den Namen Mont-Joie – Berg der Freude.

Soweit die Legende.

Belegt ist, dass die Burg Monschau die Urzelle des Städtchens ist, dessen Geschichte mit einem Walram von Limburg beginnt. Dokumente belegen, dass im Jahre 1198 ein „Walramus de Mont Joci“ in Monschau residierte. Die Frage, wann denn die Stadtrechte verliehen wurden, kann urkundlich nicht genau beantwortet werden. Genannt werden die Jahreszahlen 1352 und 1361. Zu so früher Zeit siedelten sich am Fuß der Burg Bauern, Handwerker, Gewerbetreibende an, die sich als „Bürger“ in den Schutz der Burg zurückziehen durften, wenn wieder ein Feind versuchte, sich diesen Ort einzuverleiben.

Mit dieser Absicht traten immer wieder Eroberer auf. Niederländische und belgische Potentate bemächtigten sich der „Perle der Eifel“. Das im Mittelalter sehr einflussreiche Haus Jülich zählte zu den Eroberern, und in der „Jülicher Fehde“ drangen die Truppen Kaiser Karl IV. im Jahre 1430 bis Monschau vor, ohne jedoch die Burg einnehmen zu können. Sogar die Franzosen sahen sich an Montjoie interessiert. 1794 besetzten sie das Städtchen. Monschau war mit einem Male französisch, musste aber die Sieger sehr enttäuschen, als diese Reparationen in Geld forderten. Alles, worauf man sich einigen konnte, war: Monschau hatte der Besatzung 200 Zentner Heu zu liefern.

Mit Städtchen wie mit Burg ging es in der Geschichte auf und ab.Die Monschauer Festungsanlagen verloren mehr und mehr an Bedeutung. Im 19. Jahrhundert kam die Burg sogar in Privatbesitz, und als verkündet wurde, jeder Hausbesitz sei zu versteueren und dass sich die Höhe der Haussteuer nach der Größe der Dachfläche richte, da ließ der Eigentümer kurzerhand die Burg abdecken. Sie war dach- und steuerfrei. Die Burg verfiel.

Bis sich Ende des 20. Jahrhunderts die Stadt entschloss, das „Schloss“ zu erwerben. Wo einst Ritter hausten, entstanden ein Spital, ferner eine Herberge für die Wanderjugend und sogar ein wildromantischer Ort für Festspiele.

Im Städtchen ging die Einwohnerzahl rauf und runter, je nach wirtschaftlicher Konjunktur. In guten Zeiten drängten sich bis zu 5000 Menschen in den engen Fachwerkhäusern. In jüngster Zeit wird nicht mal die Zahl von 2000 erreicht. Durch den Wiener Kongress kam das Monschauer Land zu Preußen und über die Preußen zu einem Baum, den die Bauern der Eifel „Prüßeboom“ nannten: die Fichte. Wer durch das Städtchen schlendert, wird die Fachwerkidylle bewundern. Aber: von außen schön, von innen eng und winzig. Dazwischen die stattlichen Villen der Tuchfabrikanten, die es in die Eifel zog, weil der Rurfluss ein fast kalkfreies Wasser lieferte, geradezu ideal für die Herstellung von Tuchen. Die Baugeschichte der heutigen Bürgerstadt beginnt anfangs des 17. Jahrhunderts, und zwar mit der Herstellung von Grobtuchen, mit denen bald nicht nur der Eigenbedarf zu decken war. Der Export blühte auf. Mit den Tuchfabrikanten kam Geld ins Städtchen. Es wurden jene repräsentativen Wohnhäuser gebaut, die noch heute das Bild der Stadt bereichern. Um 1650 entstand die alte Pfarrkirche mit einer im Fin de siècle Stil gehaltenen Kanzel, dem Taufstein aus dem Jahre 1650, einem Barockaltar aus dem Jahre 1763 und dem wertvollen silbervergoldeten Liberatus-Schrein.

Ausschlaggebend für den Wohlstand, der für Jahrzehnte auch den zahlreichen Webern in Stadt und Land zugute kam, war die hohe Qualität der Feintuche im 18. Jahrhundert. Als Begründer der Monschauer Tuchfabrikation ist in diesem Zusammenhang der Fabrikant Johann Heinrich Scheibler zu nennen. Scheibler ließ im Jahre 1760 das Rote Haus erbauen, heute ein großartiges Denkmal aus der Glanzzeit Monschaus, ein dreigeschossiger Bau, der die Heiterkeit und die Harmonie des Rokoko ausstrahlt. Und es entstanden weitere Patrizierhäuser von Klasse, so das Haus Troisdorf im Louis-seize-Stil.

Im heutigen Monschau stehen 244 Häuser unter Denkmalschutz. Zeugen einer beachtlichen bodenständigen Kultur sind auch die zahlreichen, handgeschnitzten Haustüren aus den Jahren zwischen 1750 und 1790.

Die überaus erfolgreichenTuchfabrikantengehörteninMonschau dem evangelischen Bekenntnis an.DieevangelischeGemeindeMonschau erhielt 1787 die Erlaubnis zum Bau einer Kirche, die im Zentrum des Städtchens errichtet wurde. Das Balkenwerk des Turms dieser Kirche stammt aus Köln-Deutz. Dort war beim Eisgang eine Kirche zerstört worden.DieMonschauer Tuchfabrikanten erwarben den barocken Turm und weitere Bauteile dieses Gotteshauses und schafften alles in die Eifel, wo sich seitdem über einemrechteckigenSaalbaueinKuppelturmmitspätbarockem Helm und Wetter-Schwan erhebt.

Der Preußenkönig Friedrich II. stiftete für diese Kirche ein Altarkruzifix und einen gusseisernen Kerzenleuchter. Die Hauptkirche der katholischen Pfarrgemeinde Monschau, ursprünglich Kirche des örtlichen Minoritenklosters, wurde 1720 bis 1751 erbaut, und in jüngster Zeit nach Grundsätzen des Zweiten Vatikanums von Grund auf erneuert.

Die Blütezeit der Monschauer Tuchfabrikation erreichte ihren Höhepunkt im 18. Jahrhundert. An die Bildung von Zünften dachte niemand. Man unterschied in Monschau zwischen der “Groben“ und der „Feinen“ Gewandtschaft. Die Feinen lieferten Tuche für hohe und höchste Ansprüche, die Groben produzierten derbere Stoffe für die Arbeit und für die Uniformen. Der Handel mit beiden Qualitäten lief wie geschmiert. Johann Heinrich Scheibler, der Erbauer des Roten Hauses, verlegte sogar Teile seine Produktion in die polnische Stadt Lodz, wo seine unternehmerischen und sozialen Leistungen ihm den Titel „Vater von Lodz“ einbrachte.

In den Jahrhunderten nach der Blütezeit ging die Tuchfabrikation Zug um Zug zurück. Man stand im engen Tal der Rur gegen eine starke Konkurrenz auf verlorenem Posten. Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts läuft im Städtchen kein einziger Webstuhl mehr. Aber Dank des erhalten gebliebenen mittelalterlichen Stadtbildes ist ein neuer Industriezweig erstarkt, der von Jahr zu Jahr an Schwung gewinnt: der Tourismus.

Ein junger Kaufmann hat Erfolg

Von Kaspar Vallot

Mit Kaiser Wilhelm, den sangesfreudige, trinkfeste deutsche Männerrunden einst gerne zurückhaben wollten, hatten es die Monschauer in vergangener Zeit nicht allzu sehr. Immerhin hatte der Kaiser 1918, kurz vor „Toresschluss“, noch angeordnet: der „welsche“ Name „Montjoie“, wie das Städtchen über Jahrhunderte geheißen hatte, sei durch „Monschau“ zu ersetzen.

Auch der 18. Oktober 1911 war den alten Monschauern noch in Erinnerung.Damals weilte der Kaiser zu einem Kurzbesuch im Städtchen und kanzelte den Rat der Stadt gründlich ab, weil dieser es versäumt hatte, ihm den ersten Bürger von Montjoie etikettegemäß vorzustellen. Und dann war da noch das Jahr 1908. Von Denkmalpflegern hatte Majestät erfahren, dass es im Städtchen Montjoie eine „prachtvolle Treppe“  im so genannten „Roten Haus“ gebe, die als weithin konkurrenzloses Kunstwerken in das in Berlin im Bau befindliche Schloss Cäcilienhof passe.
Der Ausbau dieser Treppe hätte den Ruin, die Zerstörung des Bürgerhauses bedeutet, eines der schönsten Bauwerke Monschaus. In Monschau zog man die Notbremse. Es wurden 160.000 Reichsmark gesammelt. Das reichte, um das „Rote Haus“ mehreren Geldgebern zu übertragen, die den Kaiser leer ausgehen ließen.

Das Rote Haus interessierte 1969/70 die Künstler Winfred Gaul, Rune Mields, Günter Tollmann undRenate Weh.

Das Rote Haus faszinierte 1969/70 die Künstler Winfred Gaul, Rune Mields, Günter Tollmann und Renate Weh.

Dieses „Rote Haus“, seit Jahrhunderten eine Attraktion und einer der Schätze des Eifelstädtchens, kündete von der großen Tuchmacherzeit Monschaus. Erbaut hat es ein junger Tuchfabrikant, Johann Heinrich Scheibler mit Namen (1705 – 1765), Sohn einer Familie aus Vorberg im bergischen Land. Die Söhne dieser Familie hatten vornehmlich der evangelischen Kirche gedient. Immerhin 24 von ihnen waren Pastöre und Gelehrte. Johann Heinrich sollte diese Tradition fortsetzen. Tat er aber nicht.

Mit 14 verließ er die Lateinschule. Er wollte Kaufmann werden. Der 14-Jährige hatte „Fortüne“: das Glück  des Tüchtigen. In Monschau-Imgenbroich fand er bei einem Verwandten, Mathias Offermann mit Namen, eine Lehrstelle als Handlungslehrling. Dieser Offermann besaß mehrere Tuchfabriken in Monschau. Ihm widerfuhr, als sein Lehrling mit gerade 18 Jahren Geselle geworden war, ein schweres Schicksal.

Der Tod machte seine erst 25 Jahre alte Tochter zur Witwe. Wer sollte, so grübelte der besorgte Vater der jungen Witwe, später den Betrieb übernehmen? Es gab einen Ausweg, der alles andere als ein Ausweg sein sollte. Da war ja der junge Geselle Scheibler! Der hatte in der Lehre bewiesen, dass in ihm das Talent zu einem tüchtigen Tuchfabrikanten steckte. Das war die Lösung! Der 18-jährige Geselle sollte die 25-jährige Witwen heiraten. So kam es. Beide waren einverstanden. Mit 18 war Johann Heinrich Scheibler Ehemann und Nachfolger eines der führenden Tuchfabrikanten des Städtchens Montjoie.

Was sein Ausbilder und Lehrherr vermutet hatte, das bestätigte sich alsbald. Scheibler setzte in wenigen Jahren seine wichtigsten Ideen um. Vor allem tat er den entscheidenden Schritt von der „groben“ zur „feinen“ Wolle. Feintuche wurden sein Exportschlager.  Ab 1730 verarbeitete Scheibler spanische Marino-Wolle, und er stattete seine Fabriken so aus, dass die Tuche aus feinster Wolle in allen Farben geliefert werden konnten.

Scheibler erwarb mit seinen Tuchen Weltruhm. Er konkurrierte auf Märkten wie Leipzig und Frankfurt mit französischen und englischen Fabrikanten, und er eroberte Märkte in Russland, Polen und Spanien. Sogar im Orient waren seine bunten Tuche gefragt, vor allem von Haremsdamen, wie noch heute Unterlagen zu entnehmen ist.

Oben rechts im Röhren-Bild von Rune Mields: das Rote Haus.

Oben rechts im Röhren-Bild von Rune Mields: das Rote Haus.

Dank Scheibler erlebte die Monschauer Tuchindustrie in der Zeit zwischen 1750 und 1790 ihre Glanzzeit. Bei Scheibler sammelte sich ein Vermögen an. Das ließ in ihm den Wunsch wach werden, seinen Erfolgen, seinem Wohlstand, der weniger wohlhabenden Bevölkerung vor Augen zu führen. Davor scheuten schließlich auch weniger tüchtige Tuchfabrikanten nicht zurück.

Scheibler beschloss den Bau des Roten Hauses, rot wegen der roten Ziegel, mit denen das Gebäude im Zentrum Monschaus errichtet wurde, für 90.000 Taler und nicht zuletzt dank des Fleißes von bis zu 6000 Männern, Frauen und Kindern, die in den Tuchfabriken mit eher schmalen Löhnen abgespeist wurden.

Scheibler ließ für sein Rotes Haus die wertvollsten Möbel und Gerätschaften anschaffen. Nach seinen Vorstellungen entstand ein Doppelhaus, das aus zwei Gebäudeteilen bestand. Im Haus links, „Zum Helm“ genannt, befanden sich die Wohnräume, im Haus rechts „Zum Pelikan“, kam alles unter, was mit Fabrikation und Verwaltung zu tun hatte.

Der Aachener Kunsthistoriker Paul Schönen, Autor des Bildbandes „Das Rote Haus in Monschau“ (Verlag DuMont), ist überzeugt: „Der mächtige rote Ziegelbau muss den Zeitgenossen wie ein Palast erschienen sein.“ Andere Urteile lauten, das Doppelhaus steche „durch das strenge Maß seiner edlen Formen“ aus dem Stadtbild hervor; es stelle ein „Denkmal aus der großen Zeit der Monschauer und rheinischen Textilindustrie“ dar. Fachleute befinden, das Rote Haus sei ein „Denkmal von kunstgeschichtlicher Bedeutung“.
Nicht überliefert ist, wer dieses Denkmal, das heute ein Museum ist, gebaut hat. Ein Meister seines Fachs muss es gewesen sein. Er hat es bei seiner Planung nicht versäumt, die Wasser des fließenden Laufenbachs, der kalkfreies Wasser aus dem Hohen Venn nach Monschau brachte, das vor der Haustüre Scheiblers in die Rur mündet, für die Tuchfabrikation zu nutzen.

Dieses Wasser durchfloss die Färberei im Keller des Hauses und wurde in die Rur abgeleitet, allerdings in den Farben, die eigentlich nur die Marino-Tuche tragen sollten. Wie bunt diese Farben gewesen sind, verraten heute noch die Musterbücher, die im Roten Haus zu bewundern sind und auch den Fachmann staunen lassen: In Stoffqualität und Farben sind diese Tuche  so frisch und echt, dass man glauben müsste, sie seien erst dieser Tage angefertigt worden.Was immer im Roten Haus an wertvollen Möbeln und nicht weniger edlem Geschirr zu bewundern war und ist, alles wird übertroffen von dem, was den in Bewunderung versetzt, der das „Haus zum Helm“, das einstige Wohnhaus der Scheibler, das heutige Museum, betritt und in die Diele des Hauses gelangt. Ein prachtvoller Raum, der den von Scheibler angestrebten Gegensatz deutlich macht: den Gegensatz zwischen der schmucklosen, ja strengen Außenarchitektur und der reichen Innenausstattung, gewiss ein Stilmittel des Rokoko, aber auch die Absicht des Bauherrn betonend, dass sich die Zier im privaten Bereich entfalten solle.

Dazu der Kunsthistoriker Paul Schoenen: „Beim Eintritt in die weiträumige, hell durchlichtete Diele wird der Blick von der Wendeltreppe angezogen.“ In Diele und Treppenhaus mit ihrem Schnitzwerk sieht Schönen die eigentlichen Repräsentationsräume des Hauses. Sie vor allem erregen „Aufmerksamkeit und Bewunderung“. Kein Wunder, dass Kaiser Wilhelm den Cäcilienhof mit solchem Kunstwerk schmücken wollte; mit Meisterwerken des Rokoko, für deren bildreiche Schnitzwerke im Rheinland keine Vergleichsstücke zu finden sind. Heiterkeit und Harmonie des Rokoko vereinen sich in einmaliger Weise in der holzgeschnitzten Treppe des Wohnhauses „Zum Helm“.

Durch drei Stockwerke schwingt sich diese wahrscheinlich von Lütticher Künstlern geschnitzte Treppe anmutig empor. Das im glatten Lauf sich windende Geländer der Treppe umschließt 21 Kartuschen, auf denen Putten die Tuchherstellung von der Wolle bis zum fertigen Tuch darstellen. In 45 Bildern beginnen die Darstellungen mit den Schafen auf der Weide. Sie setzen sich fort mit den zahlreichen Schritten der Tuchherstellung. Man sieht, wie die Wolle gefärbt, getrocknet und gekrempelt wurde und wie es am Webstuhl zuging.

Dargestellt werden in anderen Treppenabschnitten und Platten die Jahreszeiten, die Elemente und die Tageszeiten; insgesamt ist es eine Treppe als Kunstwerk, von dem ein Experte – gewiss ohne Ironie – einmal meinte, man könne angesichts der „Prachttreppe“, den Eindruck gewinnen, das Rote Haus sei wegen der Treppe gebaut worden.

Jedenfalls war und ist die Treppe das Glanzstück des Hauses.

Dieses Urteil kann nicht für die Treppe gelten, die auf der rechten Seite des Roten Hauses, im Hausteil „Zum Pelikan“, eingebaut wurde. Aber auch im „Pelikan“ führt eine freischwebende, holzgeschnitzte Treppe von Geschoss zu Geschoss bis hinauf zum Lager für Wolle und Gerätschaften. Zu bewundern sind auch an dieser Treppe vielfältige Schnitzarbeiten, die sich den unterschiedlichsten Motiven widmen.

So sieht man unter anderem auf 14 Bildflächen dieser Treppe Adam und Eva unter dem Baum der Erkenntnis, ferner in Reliefs Darstellungen der Arbeiten, die im Laufe des Jahres anfallen, und schließlich – quasi als Mahnung – ein Liebespaar, das beim Wein von Gevatter Hein überrascht wird. Der Krieg verschonte das Rote Haus nicht. Erhebliche Kriegsschäden machten umfangreiche Instandsetzungsarbeiten erforderlich. Die Kosten waren so erheblich, dass die Stadt Monschau, die Miteigentümerin des Hauses war, ihren Anteil für 30.000 DM verkaufen musste.

Staatliche Stellen erkannten, dass man dieses wertvolle Dokument einer großen Zeit der Monschauer und rheinischen Tuchindustrie erhalten müsse, auch als eine Attraktion des Tourismus. Eine „Rechnung“, die als aufgegangen bezeichnet werden kann, denn Tausende Besucher der Eifel und Monschaus sehen sich Jahr für Jahr im Roten Haus um, oft mit der Frage, was denn die Architektur unserer Zeit im Vergleich mit diesem Haus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zu bieten habe.

s. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Scheibler_(Monschau)

http://de.wikipedia.org/wiki/Rotes_Haus_(Monschau)

 

Wozu brauchen wir einen Nationalpark?

Von Kaspar Vallot

Schutz von Wald und Flur sollen die Naturparke sicherstellen. Seit zehn Jahren gibt es in Nordrhein-Westfalen aber auch einen Nationalpark. Da stellt sich doch die Frage, worin sie sich unterscheiden, die Naturparke und der Nationalpark, der in der Hauptsache in den früheren Landkreisen Monschau und Schleiden Zug um Zug angelegt wird.
Sie unterscheiden sich in wesentlichen Aufgaben. Der Naturpark wird so umschrieben: „Eine Landschaft von besonderer Schönheit und Anziehungskraft, die unbeschadet ihrer wirtschaftlichen Nutzung der Erholung der Bevölkerung dient und dazu mit entsprechenden Einrichtungen ausgestattet ist.“ Die Naturparke sind in erster Linie für den Menschen gedacht, der sich „in freier Natur, wo die menschliche Besiedlung zurücktritt vor den natürlichen Gegebenheiten von Wald und Flur, Wiese  und Wasser aufhalten will“.

Allerdings, wer in einem Park, einem Landschaftsgarten, Eigentum besitzt, muss einige Einschränkungen hinnehmen. Bauen darf er in dem geschützten Gebiet nichts, was die Natur verunstalten könnte. Aber: Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, Jagd und Fischerei sind weiterhin erlaubt.

Damit war man landauf, landab einverstanden. Ende der 60er Jahre ging es los. In Deutschland sollten 35 Naturparke angelegt werden. Verteilt über alle Bundesländer entstanden jedoch 54 Naturparke, in Nordrhein-Westfalen 13 an der Zahl in einer Gesamtgröße von 8400 Quadratkilometern, was 24 Prozent der Landesfläche  ausmacht.

Wozu bedarf es da, wo fast für jedermann ein Naturpark quasi vor der Haustüre liegt, nun noch der Nationalparke? Gibt es vielleicht doch erhebliche Unterschiede?
Es gibt sie. Schon die ersten Sätze einer Beschreibung dessen, was den einzigen Nationalpark Eifel des Landes NRW ausmacht, lassen den Unterschied klar erkennen. Es heißt dort: „Im Nationalpark Eifel verzichtet der Mensch auf die Nutzung von Holz, Früchten und anderen Nutzgütern.“ Dafür werden ihm diese Vergünstigungen in Aussicht gestellt: „Belohnt wird er mit den Festspielen der Natur an 365 Tagen im Jahr . . .“.

Der Unterschied zwischen Naturpark und Nationalpark lässt sich so beschreiben: Der Naturpark soll die Menschen anlocken, in ihm soll sich die Natur in besonders attraktiver Weise, geradezu verführerisch, darstellen. Der Nationalpark hingegen möchte seine Tore möglichst klein gestalten. Eine Tageszeitung beschrieb das, was für jeden Nationalpark die beste Lösung wäre, mit dem Satz: „Der Mensch soll draußen bleiben.“

Es wird also schon recht raumgreifend geschützt. Neben Naturpark und Nationalpark gibt es bereits einen deutsch-belgischen Naturpark, ferner dienen dem Naturschutz über Grenzen hinweg die Europäische Vereinigung Eifel-Ardennen, die Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Parlamentsgemeinschaft und die Europäische Arbeitskonferenz für Naturparke. Je zahlreicher diese Vereinigungen zum Schutz von Wald und Flur werden, desto sorgfältiger sollte sich also der Besucher solcher Einrichtungen überlegen, welche Art von Park er besuchen möchte. Denn das, was angestrebt wird und erlaubt oder verboten ist, das ist alles andere als einheitlich geregelt.

Was nun sind die Vorstellungen davon, wie sich ein Nationalpark entwickeln soll? Er soll, um die wortreichen Beschreibungen allgemeinverständlich zu formulieren, eine Waldfläche in der Eifel zu einem „Urwald der Eifel“ umgestalten.

In einer Region, deren Nord-Süd-Ausdehnung über 21 Kilometer von Nideggen bis zur belgischen Grenze und die West-Ausdehnung zwischen einem und elf Kilometer reicht, soll alles verschwinden, was nicht Urgewächs der Eifel ist. Es darf dort nichts angepflanzt oder gedüngt werden. Wie in einem Urwald soll es zugehen. Fällt ein Baum, dann fällt er und soll verrotten und so Nahrung bieten für alle möglichen Tierarten. Kein Waldbesitzer wird dort schlagreife Bäume fällen dürfen.

Was steht, das steht und darf wachsen, bis es umfällt und neuen Boden bildet. Selbst die Beerensammler dürfen ihre Körbchen im „Urwald“ nicht füllen. Niemand hat dort Hand anzulegen, nichts ist zu fällen, nichts ist aufzuforsten. Und wer doch einmal erleben möchte, wie sich der Eifel-Urwald en miniature entwickelt, der wird das nur in Begleitung besonders geschulter Ranger dürfen.

Nun wird so ein Urwald nicht über Nacht entstehen. Das dauert. Was heute dort steht und erst wenige Jahrzehnte alt ist, das nimmt sich nach allen Gesetzen der Natur mit dem Umfallen, Verdorren und Verfaulen Zeit. Wer heute lebt, wird sich also auch auf seine alten Tage in der Eifel noch nicht als durch einen Urwald streifend empfinden.

Die Planer denken in unseren Tagen in großen Zeiträumen. Zum Beispiel mit dieser Erläuterung:  Noch vor 150 Jahren waren die meisten Bereiche Mitteleuropas von Buchenwäldern geprägt, während die Buche heute nur noch 15 Prozent der deutschen Waldfläche bedeckt. So sei es eine der wichtigsten Aufgaben in der heutigen Zeit, „bodensaure Buchenwälder“ zu schützen. Das soll in der Eifel auf einer 10.778 Hektar großen Fläche geschehen. Davon werden dann eine Vielzahl anderer Pflanzen und vielerlei Tierarten profitieren. Im Laufe der Jahrzehnte könnten im Urwald Eifel wieder Eichen, Ahorn, Erlen und Weiden zu den natürlichen „Waldgesellschaften“ zählen. In den geschützten Eifelwäldern soll der Nadelwald nicht mehr 48 Prozent der Fläche bedecken. Fichte, Kiefer, Lärche und vor allem die Douglasie, die aus Amerika eingeschleppt worden sei und bodenständige Gewächse verdränge, wird energisch gestutzt, damit wachsen kann, was die Eifel ausmacht.

Von Schonungen und anderen Schutzmaßnahmen zum Beispiel gegen Wildverbiss ist nichts vorgesehen. Es werde vielmehr eine ungelenkte Waldgeneration heranwachsen. Aber nicht nur Bäume und Gewächse andere Art müssten bessere Bedingungen zum Leben und Überleben erhalten. Im Gebiet des Nationalparks Eifel sind über 1300 Käferarten nachgewiesen worden, ferner – wer immer so etwas zählen kann – 1600 gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Auch der Biber nagt wieder fleißig Bäume um, und in den Eifelbächen tummeln sich Forellen, Neunaugen und Elritze. Sogar Schwarzstörche wurden gesichtet, und der Bestand an Wildkatzen wurde auf 50 Tiere geschätzt.

In den Eifelwald gehört selbstverständlich auch Rot- und Rehwild. Aber nicht zu zahlreich. Sonst knabbern die Hirsche und Rehe in kalten Wintern die Baumrinden an, was zu großen Verbissschäden führt und die Bäume eher umfallen lässt, als es in dem Park sein müsste. Auch die Zahl der Wildschweine und Mufflons muss reguliert werden. Der Urwald wird also im Laufe der Jahrhunderte doch nicht ganz sich selbst überlassen bleiben.

Ehe zwischen Nideggen und der belgischen Grenze ein Urwald gewachsen ist, wird viel Zeit vergehen. In den ersten zehn Jahren des Nationalpark Eifel sind 110 Quadratkilometer unter Schutz gestellt worden. Bis zum Jahr 2034 sollen es 75 Prozent sein, und um den Urwald von morgen erleben zu wollen, wird man sich mit Einrichtungen begnügen müssen, die als Aussichtsemporen am Rand des Urwaldes plaziert sind. Oder man muss sich auf einen „Schöpfungspfad“, der als „Dem Leben auf der Spur“ deklariert wird, in Begleitung eines Rangers begeben.

Zwei Besichtigungspunkte werden auch in ferner Zukunft attraktiv sein. Da ist einmal die Burg Vogelsang, die ehemalige NS-Ordensburg, in der die Nazis ihren Nachwuchs ausbilden wollten, und zweitens das tote Dorf Wollseifen, tot deshalb, weil die 500 Wollseifener kurz nach Kriegsende gezwungen wurden, ihr Dorf zu räumen, weil es in den Truppenübungsplatz einbezogen werden sollte.

Die Planer können indes die Kritiker besänftigen, die um den Tourismus bangen. Am Rande des Nationalparks Eifel befinden sich Nationalpark-Tore, und dort wird fleißig registriert, wie es um den Besucherstrom steht. Seit Eröffnung des Nationalparks sind in den Toren 1,8 Millionen Besucher gezählt worden. Ob diese Zahl dramatisch ansteigen wird, muss abgewartet werden.

Eine Einrichtung, die nicht unbedingt in einem Urwald zu vermuten ist, dürfte zumindest Experten anlocken. Im Nationalpark Eifel soll es Deutschlands ersten Sternenpark geben. Über der Eifel ist der Himmel so frei von Staubwolken und künstlicher Bestrahlung, dass aus dem Park mehr vom Firmament zu sehen sein wird als aus einer Stadt. Wer also in späteren Jahren in den Park eilt, um Hirsche zu sehen, für diesen Wunsch aber keine Erfüllung findet, der kann seinen Blick dann aus dem Sternenpark gen Himmel richten, und dort, jedenfalls an Zahl, mehr entdecken, als er im Urwald je an Wild vor Augen oder gar Flinte bekommt.

Eine Antwort zu Monschau

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