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Kinder, mal nicht lieb und süß

heike Tödt

Ein Bild aus der Ausstellung „Böse Kinder“ von Heike Tödt. Die Ausstellung in den Aachen-Arkaden ist sehenswert. Ich finde aber, die Kinder sind eher wild als böse. Das ist jedoch Ansichtssache.

Im "Kunstwechsel" in Aachen zu sehen: die Kinder der Heike Tödt.

Im „Kunstwechsel“ in Aachen zu sehen: die Kinder der Heike Tödt. Der „Kunstwechsel“ macht seinem Namen alle Ehre und ist von der Wilhelmstraße ins Einkaufszentrum Aachen-Arkaden gewechselt.

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Die Produzentengalerie „Kunstwechsel“ ist (nicht ganz freiwillig) von der Wilhelmstraße in die Aachen-Arkaden gezogen. Und zieht demnächst sogar weiter ins Stadtbad am Blücherplatz und in die Kirche St. Elisabeth an der Jülicher Straße. Vorerst hat aber Wolfgang Becker am vergangenen Freitag eine Doppel-Ausstellung in den Arkaden eröffnet, die man sich gut anschauen kann.

„Böse Kinder“ gibt es zu sehen. Dazu – so weitläufig ist die Räumlichkeit – zeigen „100 Künstler – 100 Kacheln“. Mir geht es jetzt mal nur um die Kinder-Bilder von Heike Tödt, obwohl die Kacheln auch sehenswert sind.

Gezeigt werden schöne, heftig farbige, relativ große Bilder von sehr jungen Menschen, die – wie sie nun mal sind – alles mal ausprobieren wollen, auch natürlich Schmerz und Grausamkeit. Insekten die Beine ausreißen, Puppen den Kopf auf den Rücken drehen, Bälle mit einem Nagel traktieren, Geschwistern die Lockenpracht stutzen und überhaupt Geschwister . . . meine persönlich brutalste Tat war, dass ich meine kleine Schwester gepackt und in eine winzige Speisekammer eingeschlossen habe und danach im Spiel für eine Weile vergessen habe, dass sie da noch drin ist.

Ähnliches hat wohl jede/r verbrochen und als Erwachsene/r dann vielfach Abbitte geleistet. Die Malerin Heike Tödt (geboren 1964 in Jülich) malt, wie Wolfgang Becker bei der Eröffnung der Ausstellung sagte, aus eigenem Erleben. Es verwundert insofern nicht, dass es hauptsächlich um Mädchen geht.

Heike Tödt bildet Phantasie-Kinder ab (ziemlich distanzlos, mit kaum räumlicher Perspektive), die anscheinend gerade ohne Aufsicht sind. Sie springen einen an und haben, noch nicht an Regeln und Normen angepasst und eingezwängt, Spaß, hier an ihrer Brutalität. Sie bedrohen sich lachend mit Pistolen, schneiden Zöpfe ab, beißen Kaninchen und Eichhörnchen, würgen Schlangen, schlucken Vögel und Fische, verbrennen sich die Hand über einem Feuer und schleudern ihren Hund durch die Luft.

Ich muss aber sagen, dass ich die dargestellten Kinder (bzw. das, was sie tun) nicht richtig böse finde. Ein Mädchen bedroht ein anderes mit einer Pistole, beide lachen. Die Älteren sind so 13, 14  Jahre alt, offenbar Teenager und wie bei diesen Menschen, die noch nicht ausgewachsen sind, üblich stimmen die Proportionen ihrer Körper hinten und vorne und oben und unten noch nicht. Sie sehen monströs aus. Die Bilder zeigen: Es ist eben alles im Wachstum begriffen und so ein Körper wächst ja durchaus nicht gleichmäßig. Die Beine sind schon lang aber sehr dünn, und das Gesicht ist noch kindlich. Oder sie sind noch klein, nur die Füße passen schon in Schuhgröße 40. (In der Wachstumsphase fotografiert zu werden, das ist ihnen typischerweise gar nicht recht.)

Paul Cézanne hat so einen Jungen in der Wachstumsphase gemalt. Die Arme sind schon die eines Erwachsenen, das Gesicht noch kleinkindhaft, alles ist im Werden, noch nicht fertig. „Der Knabe mit der roten Weste“. An dieses Bild erinnern mich die Bilder von Heike Tödt.

Kinderbildnisse haben mich immer interessiert. Meistens findet man kleine Kinder dargestellt. Kinder von Königen, das Jesuskind, Kinder von wohlhabenden Kaufmannsfamilien, Kinder im Bergwerk, Kinder von Paula Modesohn-Becker gemalt oder von Picasso „Das Mädchen mit der Taube“. Auch arme Kinder (ein Beispiel: Otto Dix, Streichholzhändler II), Kinder im Krieg (fotografiert) oder gemalt im übervollen Spielzimmer, quasi erstickt in Spielzeug.

100 Künstler - 100 Kacheln

Plakat zur Ausstellung.

Die Künstlerin hat in der Region schon vielfach ausgestellt, eine Aufzählung spare ich mir. Über ihre Bilder hat Wolfgang Becker einen viel besseren Text geschrieben als ich. Den findet ihr hier: http://wbecker.kulturserver.de

Die Ausstellung ist noch bis Samstag, 6. August, in den Aachen-Arkaden (schräg gegenüber vom Bahnhof Rothe Erde) zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags  von 13 bis 19 Uhr.

Zweimal Kunst in Aachen

Bei den Vorbereitungen zu "Carte Blanche VII" beobachtet: Karl von Monschau und seine Helfer. Die Ausstellung wird am kommenden Freitag eröffnet.

Bei den Vorbereitungen zu „Carte Blanche VII“ beobachtet: Karl von Monschau und seine Helfer. Die Ausstellung wird am kommenden Freitag eröffnet.

Darauf dürfen sich Kunstfreunde freuen: Am Freitag, 18. März, wird um 19.30 Uhr in Aachen Folge VII der Serie „Carte Blanche“ eröffnet. Kurator Karl von Monschau ist von der Kirche als Ausstellungsort in die Räume Wilhelmstraße 26 (direkt neben dem Suermondt-Ludwig-Museum) gewechselt. Der Kirche, also dem Pfarrgemeinderat war die Kunst anscheinend nicht mehr recht, aber das weiß ich nicht, kann nur spekulieren.

Unter dem Titel „Carte Blanche“ gibt es jedes Jahr genau eine Ausstellung zu sehen. Karl von Monschau hat dieses Jahr alles unter das Motto „Paarweise“ gestellt. Entsprechend stellen Paare aus. Am vergangenen Freitag wurden schon die ersten schweren Teile in die Räume geschleppt.

Zu sehen sind Arbeiten von:

Bernd Radtke / Christoff Guttermann,
Brele Scholz / Paul Hubweber,
Dorothée Momm / Dietmar Momm,
Gerlinde Zantis / Michael Dohle,
Harald Klein / Franz Kochseder,
Johanna Buchholz / Joachim Peter Buchholz,
Kathrin Philipp-Jeiter / Karl-Heinz Jeiter,
Kiki Bragard / Matthes Straetmans,
Monika Petschnigg / Michael Petschnigg,
Renate Müller-Drehsen / Gundolf Bruchhaus,
Robert Gallinowski / Weig Reinland,
Susi Sous / Albert Sous,
Vera Sous/ Roland Mertens.

In der Wilhelmstraße 26 in Aachen zeichnet üblicherweise Professor Wolfgang Becker, Ex-Museumschef vom Ludwig Forum, verantwortlich. Das ist auch bei der „Carte Blanche VII“ so, Karl von Monschau ist lediglich Gastkurator. Bis Sonntag, 17. April, werden die Arbeiten zu sehen sein. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, immer von 15 bis 18 Uhr.

s. auch hier: http://www.compartiment.de/ausstellungen/aktuelle-ausstellungen/index.html

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Zugleich rate ich, die Ausstellung im „Raum für Kunst“ in der Elisengalerie zu besuchen. Das ist nur noch bis kommenden Samstag, 19. März, möglich. Zu sehen sind ganz wahnsinnig interessante schwarz/weiß Fotos von Loredana Nemes. Die Fotokünstlerin, Jahrgang 1972, stammt aus Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien, lebt jetzt in Berlin, zuvor viele Jahre in Aachen. Sie wird am morgigen Freitag in ihrer Ausstellung anzutreffen sein.

Im schön gestalteten Heft zur Ausstellung steht: „Zwischen sozialer Travestie, einfühlsamer Ausdrucksstudie und der Begegnung mit dem ‚Anderen‘, dem anderen Geschlecht und einer anderen Kultur, bewegen sich die Arbeiten von Loredana Nemes . . .“. Gezeigt werden hauptsächlich Portraits junger Menschen, analog und nicht digital aufgenommen.

„Raum für Kunst“ der Sparkasse Aachen, Elisengalerie, Friedrich-Wilhelm-Platz. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Samstag von 12 bis 17 Uhr. Leiterin: Helga Scholl. Mehr hier.

Blick in die aktuelle Ausstellung im “Raum für Kunst” der Sparkasse Aachen.

Blick in die aktuelle Ausstellung im “Raum für Kunst” der Sparkasse Aachen.

 

 

Tim Berresheim im Forum

Berrresheim Aachen

Tim Berresheim stellt zur Zeit im Ludwig Forum in Aachen aus

Im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen stellt Julia Zeh die Zusammenarbeit mit der RWTH zu der aktuellen Ausstellung „Tim Berresheim“ vor. Das teilte jetzt der Veranstalter, der Zweckverband Region Aachen mit. Tim Berresheim (geb. 1975 in Heinsberg) ist einer der wichtigsten Protagonisten der zeitgenössischen, computergenerierten Kunst. Er lebt und arbeitet in Aachen als Künstler, Musiker, Label- und Projektraumbetreiber.

Am Donnerstag ab 18.30 Uhr haben Besucher die Gelegenheit zu einem Rundgang durch die Ausstellung „Tim Berresheim 2003-2015“, bei der man in die digitale Welt des Künstlers mittels seiner eigens entwickelten Ausstellungs-App Einblick nehmen kann.

In lockerer Runde wird neben Wein, Wasser oder Limonade die Möglichkeit zur aktiven Vernetzung geboten. Es wird informiert über Fördermöglichkeiten im Rahmen der Regionalen Kulturpolitik des Landes NRW.

Termin: Donnerstag, 3. Dezember, 19 bis 21 Uhr.

18.30 Uhr Rundgang durch die Ausstellung “ Tim Berresheim 2003-2015″

Ludwig Forum für Internationale Kunst

Jülicher Straße 97-109, 52070 Aachen

www.ludwigforum.de

Um Anmeldung wird gebeten (jourfixe@regionaachen.de), spontaner Besuch ist aber auch immer herzlich willkommen!

 

 

 

Wieder gute Kunst in Monschau

Die Ausstellung „The Photographers“ ist sehenswert

kuk Monschau

Eingang des Kunst- und Kulturzentrums (KuK) der Städteregion Aachen in Monschau. Dort brennt Leiterin Nina Mika-Helfmeier seit Jahren ein Feuerwerk sehenswerter Ausstellungen ab.

Wem es mitten in Aachen zu warm ist, der sollte sich vielleicht ins kühle Monschau begeben. Gestern war es in Aachen 23 Grad, da kam Monschau mit Ach und Krach auf schlanke 19 Grad. Ist das nicht wunderbar?

Auf jeden Fall wunderbar ist die aktuelle Ausstellung im KuK, dem Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion, Austraße 9. Noch bis zum 13. September gibt es  auf drei Etagen „The Photographers“ zu sehen. Gezeigt werden über 100 Werke namhafter Fotografen. Zum Beispiel Modeaufnahmen aus den Jahren 1942 bis 1946 von Hermann Landshoff (1905 – 1986).

Vor dem Jahr 1930 hatte man Mode immer nur in Zeichnungen dargestellt, erst ab 1930 kam die Fotografie zum Zuge. Fotografiert wurde ausschließlich innen, es gab nur statische Studioaufnahmen. Dann probierte Landshoff etwas Neues. Er ging mit den Mädchen ins Freie, sie durften sich – für die damalige Zeit ungewöhnlich – fast schon wild bewegen. Die neue Freiheit für die Frau kündigte sich an. Damals war diese Darstellung von Frauen sicher eine Sensation, ein fundamentales Umdenken setzte ein. Das Neue existiert ja zunächst immer nur im Kopf, in der Phantasie, dann in Bildern und Texten und zum Schluss wird es – möglicherweise – Realität.

KuK monschau

Das Urheberrecht, das dringend eine zeitgemäße Fassung bekommen sollte, verbietet es, in der Ausstellung zu fotografieren und die Bilder dann weltweit sichtbar ins Netz zu stellen. Das ist schade. Ebenfalls schade: Dass in Deutschland wohl die wenigsten Politiker bisher verstanden haben, wie reformbedürftig das Urheberrecht ist. Sie kapieren das ganze „Neuland“ einfach nicht.

„Durch seine innovativen Bildideen wurde Landshoff zum wegweisenden Modefotografen seiner Zeit“, steht im Begleittext zur Ausstellung. Klar, dass er für namhafte Zeitschriften wie die französische „Vogue“ und „Harper’s Bazar“ fotografierte. Deutschland hatte er aus politischen Gründen 1933 in Richtung Frankreich und später in Richtung USA verlassen. Dass man seine Fotos einmal in Monschau zu sehen bekommt, hätte ich mir nie träumen lassen.

In Monschau ist aber auch ein Teil der Fotoserie „Germany“ von Martin Parr (*1952), die stark dokumentarischen Charakter hat, zu sehen. Parr zeigt die Deutschen von ihrer hässlichen Seite. Es sind Momentaufnahmen des täglichen Lebens (z. B. im Schrebergarten), ungeschönte Alltagskulturen, geschmackliche Entgleisungen, Klischees.

Dieser Fotograf nimmt eine Wertung vor. Die dargestellten Menschen – es sind alles sogenannte kleine Leute – werden im unguten Sinne vorgeführt, beispielsweise als Touristen. Das soll „Gesellschaftskritik“ sein. In Wirklichkeit werden Menschen, die schlicht nie die Gelegenheit bekommen haben, sich zu gutsituierten Bildungsbürgern zu entwickeln, von Martin Parr lächerlich gemacht.

Ich habe mit solchen Fotos meine Schwierigkeiten, eigentlich verachte ich solche Fotografen. August Sander hat auch Hinz und Kunz dargestellt, aber in seinen Fotos haben die einfachen Leute – Arbeiter und Handwerker – Würde, sie sehen selbstbewusst und nicht lächerlich aus.

Und so geht man in Monschau durch die Räume und macht sich seine Gedanken. Auch der Belgier Stephan Vanfleteren (*1969) ist vertreten. Auch er fotografiert seine Landsleute, ist auf der Suche nach der Identität der Belgier, die ja erst seit 1830 eine Nation sind. Er zeigt die Welt der einfachen Leute auf dem Land, allerdings sind die zeitlos, melancholisch, manchmal seltsam entrückt oder skurril.

Es gibt viele schwarz-weiß Aufnahmen im KuK und sehr ausdrucksstarke, schöne Portraits von Schauspielern, Schriftstellern, Politikern und anderen Prominenten. Man könnte noch viele Zeilen schreiben. Es sind über 20 Fotografinnen und Fotografen vertreten. Aber fahrt einfach selbst hin, montags ist geschlossen, dienstags bis freitags ist von 14 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Etwa 40 Kunstinteressierte kommen täglich zu dieser Ausstellung, bei der vorherigen (Vivian Maier) sollen es 400 am Tag gewesen sein. Die kommende Ausstellung wird am 27. September um 12 Uhr eröffnet. Dann gibt es Foto- und Videokunst von Jürgen Klauke.

 




 

Der Stamm bestimmt die Skulptur

Arbeiten von Brele Scholz und Ralf Wierzbowski
Helden Kunstwechsel Aachen

Skulpturen von Brele Scholz, Bilder von Ralf Wierzbowski

„Helden“ sind noch bis zum 31. Mai im „Kunstwechsel“ zu sehen. Dort stellen Brele Scholz (Skulpturen) und Ralf Wierzbowski (Bilder) aus.

Holzbildhauerin Brele Scholz zeigt menschliche Körper, die sie aus Baumstämmen  ausschneidet. Dabei bestimmt der Stamm die Struktur des Kunstwerks, wie Dr. Wolfgang Becker bei der Vernissage erklärte. Und auch die Farben eines Holzstückes werden aufgegriffen. Sie zeichnen den neu entstandenen Körper. Die Figuren springen förmlich aus dem Holz heraus.

Becker erinnerte an die sonderbare Verbindung und Identifikation, die Menschen manchmal mit Bäumen erleben. Er sprach von der Nymphe Daphne aus der griechischen Mythologie. Daphne verwandelte sich auf der Flucht in einen Baum und entzog sich so ihrem Verfolger.

Die großen Bilder und die imposanten Skulpturen passen gut zueinander. Ralf  Wierzbowski Bilder haben mit Emotionen zu tun. Schwebende, atmosphärische Zustände in den Farben Schwarz und Weiß. Eindrucksvoll: ein blutroter Kopf auf schwarzem Grund, den ein weißer Verband (?) umhüllt  (s. ganz unten). Ein Astronaut schwebt kopfüber aus dem Bild hinaus.

Geöffnet ist am kommenden Freitag, Samstag und Sonntag, 8., 9. und 10. Mai, jeweils von 14 bis 18 Uhr. Am Sonntag, 10. Mai, um 19 Uhr gibt es Musik mit Paul Hubweber, DJ Sniff (Hongkong) und Paul Lytton. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. „Kunstwechsel“ ist zu finden in der Aachener Wilhelmstraße 26, neben dem Suermondt-Ludwig-Museum.

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Neulich im Bürgerforum:  Das Gremium, das jedes Jahr den Aachener Friedenspreis verleiht, möchte der Agnes-Miegel-Straße in Brand einen neuen Namen verpassen. Der Lebenslauf der Dichterin und Journalistin lässt sehr zu wünschen übrig, meinen die Friedensfreunde und das wohl zu Recht. War Miegel Nazidichterin oder Heimat-Poetin? Darüber streiten sich die Gelehrten. (Miegel ist neben allem auch ein Beispiel dafür, dass in der Wikipedia teils viel Quatsch zu lesen ist, bis hin zu Monster-Lebensläufen von Philosophen, wo deren Urlaubsreisen als Studienreisen dargestellt werden.)

In Aachen werden also gut ein Dutzend Haushalte bald eine neue Adresse bekommen. Wobei der alte Straßenname noch ein Jahr lang (rot durchgestrichen) neben dem neuen Namen zu sehen sein wird. Der Termin im Bürgerforum stand schon seit mehreren Wochen fest. Zu kurz für die  Verwaltung: Sie kam nicht auf die Idee, die Bewohner der Straße zur öffentlichen Sitzung des Bürgerforums einzuladen.

Ein Pirat im Ausschuss erinnerte an die massenhaften Straßen-, Schulen-, Hochschulen-Umbenennungen nach Gründung der ehemaligen DDR und an die ebenfalls massenhaften Umbenennungen danach, als es die DDR nicht mehr gab. Vorschlag: Man sollte vielleicht ganz darauf verzichten, Straßen nach Personen zu benennen. Je nach Stand der gerade üblichen Perspektive sind die Herrschaften ja immer Teufel oder Heilige.

Helden Kunstwechsel Aachen

Ralf Wierzbowski. Portrait 2014. Öl, Acryl auf Leinwand. 160 x 100 cm.





 

Die Städteregion zeigt Fotos von Ara Güler

"Ara Güler. Das Auge Istanbuls", so lautet der Titel einer sehenswerten Foto-Schau , die heute eröffnet wurde. Neben vielen Schwarz-Weiß-Fotos sind auch einige Farbfotos in Monschau zu sehen.

„Ara Güler. Das Auge Istanbuls“, so lautet der Titel einer sehenswerten Foto-Ausstellung , die heute eröffnet wurde. Neben vielen Schwarz/Weiß-Fotos sind auch einige Farbfotos in Monschau zu sehen.

Ara Güler, geboren 1928, fotografiert noch heute. Er inspiriert Hobbyfotografen, es ihm gleich zu tun. Mit seinen Fotos zeigt der Dokumentarfotograf das Istanbul der 50er, 60er und 70er Jahre.

Ara Güler, geboren 1928, fotografiert noch heute. Er inspiriert Menschen, die seine Bilder sehen. Mit seinen Fotos zeigt der Dokumentarfotograf insbesondere das Istanbul der 50er, 60er und 70er Jahre.

Gar nichts ist im heutigen Istanbul noch so erhalten geblieben, wie Ara Güler es fotografiert hat. Die modernen Zeiten haben ganze Viertel platt gemacht, und schöne, alte Häuser standen plötzlich in Flammen.

Fast nichts ist im heutigen Istanbul noch so erhalten geblieben, wie Ara Güler es fotografiert hat. Die modernen Zeiten haben ganze Viertel platt gemacht, und schöne, alte Häuser aus Holz standen plötzlich in Flammen.

Städteregionsrat Helmut Etschenberg wird von belgischen Journalisten zur Ausstellung befragt.

Städteregionsrat Helmut Etschenberg wird von einem belgischen Journalisten zur Ausstellung befragt.

Die Leiterin des KuK, Dr. Nina Mika-Helfmeier führt durch die Ausstellung. Sie spricht über die Bilder und die Melancholie, die sie ausstrahlen.

Die Leiterin des KuK, Dr. Nina Mika-Helfmeier, führt durch die Ausstellung. Sie spricht über die Bilder und die Melancholie, die sie ausstrahlen. Geöffnet: Die.-Fr. 14 bis 17 Uhr, Sa. So. 11 bis 17 Uhr. Montags geschlossen

 

 

 

Sensationelle Fotos in Monschau zu sehen

Wer die besten Pressefotos des Jahres 2014 noch sehen will, der muss quasi unverzüglich nach Monschau aufbrechen. Dort sind sie – bis einschließlich kommenden Sonntag, 15. Februar, ausgestellt.

"Movie" liegt in ganz Aachen aus und informiert in seiner aktuellen Ausgabe ebenfalls über die kommenden Ausstellungen des KuK in Monschau. Im Bild: Ein Foto von Vivian Maier, es ist ein Selbstportrait.

„Movie“ liegt in ganz Aachen aus und informiert in seiner aktuellen Ausgabe ebenfalls über die kommenden Ausstellungen des KuK in Monschau. Im Bild: Ein Foto von Vivian Maier, es ist ein Selbstportrait.

Es ist kaum zu glauben, was da seit Jahren in Monschaus Kunst- und Kulturzentrum (KuK) präsentiert wird. Auch 2015 macht die Leiterin Dr. Nina Mika-Helfmeier wieder Bilderschauen möglich, die sonst Millionen von Betrachtern nur in den Metropolen dieser Welt zu Gesicht bekommen. Die „World Press Photo 2014“- Ausstellung war bisher in Städten wie Berlin, Barcelona, Dublin, Montreal, New York, Sao Paulo und Tel Aviv zu sehen. Und jetzt nur noch wenige Tage in Monschau.

Danach geht es mit einem echten Hammer weiter. Zu einer Ausstellung mit Istanbul-Fotos von 1969 bis 2005 von Ara Güler wird eingeladen. Sonntag, 22. Februar, um 12 Uhr ist Eröffnung. Wie lange schon wünsche ich mir, einmal Originalfotos dieses genialen Fotografen sehen zu können? Ich weiß es nicht. Einmal wäre ich fast nach Berlin gefahren, nur wegen seiner Fotos. Ara Güler ist ein Jahrhundertfotograf, der berühmteste türkische Fotograf (mit armenischen Wurzeln), und so richtig kann ich es noch gar nicht glauben, dass ich seinen Bildern in Monschau (!) gegenüberstehen werde.

Für seine Werke wurde Güler (geb.: 1928) mehrfach ausgezeichnet: 1961 bezeichnete ihn das „Photography Annual“ als einen der sieben besten Fotografen weltweit, 1962 wurde er zum „Master der Leica“ gekürt, 1968 wurde er vom Museum of Modern Art, New York, zu den „Zehn Meistern der Farbfotografie“ gewählt. Güler arbeitet erfreulicherweise ohne Digitalfotoapparat und ohne ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop.

Was mich wundert, ist, dass noch nicht „Die Zeit“, die „Frankfurter Allgemeine“, die „Süddeutsche“ und ähnliche Qualitätsmedien auf diesen Ausstellungsort aufmerksam wurden. Oder habe ich da etwas übersehen? Das kann sein, ich bekomme auch nicht immer alles mit.

Auf jeden Fall: Nach Ara Güler wird doch tatsächlich eine Auswahl von Arbeiten der sagenhaften Fotokünstlerin Vivian Dorothea Maier gezeigt (19. April bis 31. Mai). Maier, 1926 in New York geboren, war eine Straßenfotografin, eine Ethnologin des Alltags. Sie hinterließ mehr als 100.000 Fotos und ermöglicht einen Blick wie durch ein Fenster in eine andere Zeit. Erst nach ihrem Tod wurde sie berühmt für ihren Blick auf die Menschen und die Städte. Um ihren Nachlass streiten sich jetzt zwei Neffen. Lest selbst, wie ihr Leben war und wie man ihre Fotos nach ihrem Tod gefunden hat. (Mehr über eine Ausstellung ihrer Fotos in Berlin: hier) Hier ihre Homepage: http://www.vivianmaier.com

Das KuK befindet sich in der Austraße 9 in einem über 100 Jahre alten Gebäude direkt an der Rur. Damit in der letzten Ausstellungswoche noch möglichst viele Menschen einen Einblick in die „Pressefotos des Jahres“ erhalten können, wird das KuK auch am Fettdonnerstag (12. Februar) und am darauffolgenden Freitag (13. Februar) zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet sein.

An den letzten beiden Tagen der Ausstellung (Samstag und Sonntag, 14. und 15. Februar) bietet das KuK außerdem erweiterte Öffnungszeiten jeweils von 11 bis 18 Uhr an.


 


 


 

Texte, Briefe, Fotos machen es möglich, die Projekte von Peter Lacroix besser zu verstehen. Der Aachener Künstler wollte die Kunst mit dem alltäglichen Leben verbinden.

Texte, Briefe, Fotos machen es möglich, die Projekte von Peter Lacroix besser zu verstehen. Der Aachener Künstler wollte die Kunst mit dem alltäglichen Leben verbinden.

Peter Lacroix und seine Kunst

Derzeit im Ludwig Forum in Aachen auf zwei Etagen zu sehen: Ein Ausstellung mit etwa 100 Werken des Aachener Künstlers Peter Lacroix (1924 – 2010). Titel: Pur.

Die Bilder gefallen mir alle sehr gut, sie hängen im Forum etwas dicht, werden aber insgesamt schön  präsentiert. Die Ausstellung ist sehenswert für alle, die formale Klarheit, rechnerische Strenge, geometrische Konstruktionen und Muster mögen. Die Bilder machten mich heute traurig, denn Peter Lacroix lebt nicht mehr. Er hat als Künstler so geradlinig und konsequent gearbeitet, wie man es sich nur wünschen kann. Ich sehe seine letzten Bilder und muss akzeptieren, dass es hier keine Fortsetzung mehr gibt. Das fällt schwer.

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. April im Forum an der Jülicher Straße zu sehen. In der Aachener Innenstadt ist am Standesamt eine „Farbleiter“ von Lacroix zu sehen. 1972 war es (noch) nicht möglich, ein derart ungegenständliches Bild im öffentlichen Raum zu platzieren. In unseren Tagen allerdings wohl.

Ab 25. Oktober zeigt das Ludwig Forum Arbeiten von Tim Berresheim. Da freue ich mich schon drauf.

Blick auf eine Reihe typischer Arbeiten von Peter Lacroix.

Blick auf eine Reihe typischer Arbeiten von Peter Lacroix.

Von Menschen, die ihm etwas bedeuteten, schuf Lacroix Portraits, deren konkrete Formen er mit einem Zahlensystem ermittelte.

Von Menschen, die ihm etwas bedeuteten, schuf Lacroix Portraits, deren konkrete Formen er mit einem Zahlensystem ermittelte.






 

 

 

Küchenschaben aus Stahlblech von J. P. Buchholz. Gesehen in der Aachener Galerie S.

Küchenschaben aus Stahlblech von J. P. Buchholz. Gesehen in der Aachener Galerie S.

La Cucaracha. Ziemlich groß und in Metall

Diese Arbeit von Joachim Peter Buchholz verblüfft und erheitert. Es sind Küchenschaben in Gold, Rot und Rost. Die Stahlblech-Teile waren bis vorigen Sonntag in der Galerie S. in Aachen zu sehen (im Hof neben dem Domkeller). Der Küchenschabe wurde hier ein Denkmal gesetzt oder zumindest mal eine Ehrung zuteil. Diese Tiere werden auch Kakerlaken genannt und gelten als hässlich. Es sind Schädlinge, die – kaum dass man sie gesehen hat – totgetreten werden. Meistens jedenfalls.
Die Beine und die „Antennen“ an den Köpfen, das konnte man beim Nähertreten in der Galerie S. erkennen, sind aus Nägeln geschmiedet. Die Arbeit war Teil einer ansonsten wenig spektakulären Gruppenausstellung mit dem Titel „Soyez mystérieuses“.

Wer Küchenschaben in Gold präsentiert, der wählt auch genau 12 Stück aus. Denn die Zahl 12 ist ein Symbol für Vollkommenheit, es ist eine erhabene, heilige Zahl: Es gibt 12 Apostel, 12 Monate hat ein Jahr und 12 Stunden zeigt die Uhr. Es gibt die 12 Stämme Israels und 12 Stück sind ein Dutzend, 12 Geschworene entscheiden in den USA über Schuld und Unschuld, und die Flagge der EU zeigt 12 Sterne auf blauem Grund.






 

 

 

Mensch vor halbfertigem Aquis Plaza. Nach Besichtigung der Dennis-Stock-Ausstellung fotografiert.

Mensch vor halbfertigem Aquis Plaza. Nach Besichtigung der Dennis-Stock-Ausstellung fotografiert.

120 Fotos von Dennis Stock im Suermondt-Ludwig-Museum: Melancholie pur

Noch etwas unter dem Einfluss der 120 Fotos von Dennis Stock (1928-2010) habe ich dieses Foto gemacht. Trostlos, nicht wahr? Bilder von Dennis Stock sind noch bis zum 25. Januar im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen zu sehen. Titel der Ausstellung: „Time is on your side“

Stock ist einer der größten Foto-Künstler der Nachkriegszeit, einige seiner Fotos von James Dean sind Ikonen unserer Zeit. Immer sind da melancholische oder sogar regelrecht traurige Menschen fotografiert. Ob James Dean, Immigranten, die in den 50er Jahren aus Deutschland und Polen in die USA kamen, ob Hippies, Musiker oder die Stars aus dem Hollywood der 50er und 60er Jahre: Alle schauen so, als gäbe es „hinter 1000 Stäben keine Welt“.

Man könnte meinen, die 50er Jahre seien in Amerika die trostloseste Zeit ever gewesen. Stock hat auch oft das Absurde im Alltag fotografiert. Ein Indianer, perfekt ausstaffiert, mit einer kleinen Kamera in der Hand. Ein Stilbruch, der keine Freude bereitet, nicht lustig ist. Gar nicht. Die Musiker dagegen scheint ihre eigene Kunstfertigkeit nur anzustrengen. Freude gibt es in keinem Gesicht, nirgendwo. Höchstens mal ein scheues Lächeln.

Auf allen 120 Fotos, die in Aachen ausgestellt sind, sind Menschen dargestellt. Immer ist ihre Umgebung zu erkennen, die gehört zur Bildkomposition dazu. Die Dargestellten sind nicht isoliert, befinden sich in einem Zusammenhang. Der ist trostlos, menschenfeindlich, kalt, monoton – man möchte da nicht sein.

Nach der Führung bin ich auch gleich nach Hause gegangen, habe nur noch schnell das Aquis Plaza fotografiert. In der Ausstellung wollte ich auch fotografieren, wurde aber sofort von einem Aufpasser grob zurechtgewiesen, ich dürfe nicht fotografieren, „das müssen Sie löschen“. Ist ja gut, Mann, ist ja gut. Jede Aushilfsverkäuferin bei Lidl spricht einen freundlicher an als die Leute im Museum.

Also wenn ihr Lust habt auf suggestiv-traurige Schwarz/Weiß-Fotos: Das Suermondt-Ludwig-Museum ist dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr geöffnet, mittwochs von 12 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Es gibt zu der Ausstellung auch ein umfangreiches Begleitprogramm mit Musik, Filmen und einem Vortrag.

www.suermondt-ludwig-museum.de

Ein Beispiel





Ein Fahrradfahrer, eine Auto, ein Zuschauer. Wandbild von Klaus Paier.

Ein Fahrradfahrer, eine Auto, ein Zuschauer auf einem Wandbild von Klaus Paier. Alle in diesem Beitrag gezeigten Fotos von Wandbildern befinden sich im Ludwig Forum und wurden kurzerhand abfotografiert.

Klaus Paier im Ludwig Forum

Wie verabredet habe ich mich dieser Tage im Aachener Ludwig Forum eingefunden. Ich hatte mich mit der Bitte an die Forumsleitung gewandt, Fotos anschauen zu dürfen, die Wandbilder vom Aachener Wandmaler Klaus Paier zeigen. Als ich ankam, hatte eine freundliche Mitarbeiterin auch schon eine Kiste zur Hand, in der sich die Fotos befanden, jedes eingeschlagen in einen Papierbogen. Ich musste Handschuhe anziehen.

Die Fotos hat Professor Wolfgang Becker vor Jahren für das Haus gekauft. Es waren 38 Stück, wenn ich richtig gezählt habe. Zu meiner großen Überraschung zeigten nur 19 Stück Arbeiten von Klaus Paier. Die anderen 19 zeigten ganz eindeutig die Handschrift von Paiers Freund Josef.

Die Paier-Arbeiten kannte ich alle, die von seinem Freund Josef (Nachname entfallen) kannte ich größtenteils noch nicht und fand sie interessant. Abgebildet sind Strichmännchen. Oft fordern sie den Betrachter zu etwas auf. „Lauf schneller, die alte Zeit ist hinter uns her“ und „Supermarkt, klaut“ und „Nehmt verbotene Drogen“ und „Zerreißt Werbung“. Alles nur verständlich aus der damaligen Zeit heraus, wo man einfach pausenlos aufmüpfig sein musste, wollte

Eine Arbeit von Papiers Freund Josef. (Zum Anschauen auf das Bild klicken.)

Eine Arbeit von Paiers Freund Josef. (Zum Anschauen auf das Bild klicken.)

man überleben. Ziemlich dynamisch kommen dieses Strichmännchen daher. Und obwohl die Darstellungen so reduziert sind, kann man doch erkennen, in welcher Stimmung sich so ein dünnes Männlein gerade befindet.

Auf einigen Fotos – viele davon in Schwarz/Weiß – sieht man auch die Umgebung der Wandbilder. Man erkennt, in welchem städtebaulichen Zusammenhang die Wände standen, auf die die Bilder gemalt wurden. Ich hätte nicht gedacht, dass es in Aachen Ende der 70er Jahr noch so viele unverputzte, hässliche, nutzlose Brandmauern und verlassene Ecken gab. Sehr sehenswert. Vor lauter Hässlichkeit schon wieder markant und besonders.

Von Sachbeschädigung durch die Wandbilder kann keine Rede sei. Sie sind wohl eher aus inhaltlichen Gründen damals entfernt worden. Die Fotos im Forum sind im übrigen klein: 32 mal 22 Zentimeter schätze ich. Wer die Fotos gemacht hat, war aktuell nicht rauszubekommen, da werde ich aber noch mal nachfragen.

Ein Glück war, dass ich die Forumsleiterin traf, Dr. Brigitte Franzen. Sie scheint die Erstellung eines längst fälligen, ersten Bildbandes auch zu befürworten. 10.000 Euro müsste man für eine qualitätvolle Wiedergabe in Buchform schon aufbringen, so meinte sie. Ob der klammen Stadt Aachen der Erhalt der Paier-Wandbilder im Gedächtnis der Menschen so viel wert ist? Ob es Sponsoren gibt? Wer kann helfen?

UPDATE: Der zweite Wandmaler und Freund von Klaus Paier heißt Josef Stöhr. Die Fotos, die sich im Ludwig Forum befinden, wurden gemacht von Paier und Stöhr. Das konnte ich am 27. November endlich in Erfahrung bringen.

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Und wieder gibt es eine neue Ausstellung in den Räumen von "Kunstwechsel".

Und wieder gibt es eine neue Ausstellung in den Räumen von „Kunstwechsel“.

Eigener Blick auf die Pflanzenwelt

Tja, wer so schöne Räume zur Verfügung hat, der kann auch oft zu Ausstellungen einladen. Gerade zu sehen im „Kunstwechsel – Raum für Künstler“ in Aachen (direkt neben dem Suermondt-Ludwig-Museum) war eine Ausstellung mit Bildern von Mohammed Ahmed, Alan Sonfist und Mahmud Telfah. Titel der Schau: „Pollen – Samen – Blätter“. Alle Drei befassen sich mit Natur.

Mahmud Telfah zeigt Fotos von Blättern in Schwarz/Weiß. „Die Brennweite ist so kurz, dass sie in einem Herbarium zu schweben scheinen“, schreibt der Kurator und Chef der Galerie, Professor Wolfgang Becker, über die abgebildeten Objekte. Der New Yorker Künstler Alan Sonfist (documenta 6) hat in Parks Blätter gesammelt und aufgeklebt. Wie er so nähern sich heutzutage viele Großstädter der Natur: vorsichtig und sehr distanziert, als sei sie etwas Fremdes, das man am besten ins Museum trägt.
Der Dritte im Bunde, Mohammed Ahmed, hat sich seine neue Heimat Aachen angeeignet, indem er hier Pollen, Samen, Nadeln und was sonst Bäume noch abwerfen mögen, sammelte und damit Bilder gestaltete. Die sind allerdings ein bisschen monoton, es gibt nur Kreise und Linien.

Zu sehen ist die Ausstellung in der Wilhelmstraße 26 noch bis zum Sonntag, 7. Dezember. Sie war anlässlich der Kunstroute vergangenes Wochenende schon offen, wird aber offiziell erst am Mittwoch, 1. Oktober, um 19 Uhr eröffnet.

Hier findet ihr einen Text von Wolfgang Becker zu der Schau und die Ankündigung zukünftiger Ausstellungen http://wbecker.heimat.de

Blick aus der Galerie hinaus auf die gegenüberliegende Straßenseite. Dort gibt es ein eindrucksvolles Wandbild.

Blick aus der Galerie hinaus auf die gegenüberliegende Straßenseite. Dort gibt es ein eindrucksvolles Wandbild.






 

Bilder von Irene Blume im "Raum für Kunst" in Aachen.

Bilder von Irene Blume im „Raum für Kunst“ in Aachen.

Neue Bilder von Irene Blume

Noch bis zum Samstag, 4. Oktober, wird im Raum für Kunst in Aachen, Elisengalerie, eine Ausstellung mit neuen Arbeiten von Irene Blume gezeigt. Bilder von Irene Blume werden nicht gerade oft in der Städteregion Aachen ausgestellt, wer interessiert ist, muss sich sputen.
Der Titel der Ausstellung lautet „Über die Entstehung der Arten“ So lautet auch der Titel eines berühmten Buches von Charles Darwin. Zu sehen sind – für den großen Raum – ungewöhnlich kleine Arbeiten. Im Katalog sind die Bilder quasi 1 zu 1 abgebildet, so klein sind sie. Man kann sie sich schöner in einem kleineren Raum vorstellen. Im Katalog spricht Peter Lodermeyer von „Kabinettbildformaten“, und man weiß gleich, was gemeint ist.
Es sollen abstrakte Formen sein, die in verschiedenen freundlichen Farben auf meist monochrom grauem oder braunem Hintergrund abgebildet sind. Mir hat die Ausstellung gefallen, es ist eine gewisse Fröhlichkeit erfahrbar. Aber ich sehe keine abstrakten Formen, sondern Kreise und Nieren. Was aber schöne, gerundete Formen sind, auf denen der Blick sich gern ausruht.
Die Bilder stehen ein wenig von der Wand ab, treten etwas von der Wand ab, und scheinen ein bisschen zu schweben. Sie werden „reihenweise“ präsentiert, so wie es bei der Entstehung der Arten ja zugegangen sein soll. Die Bilder hängen in langen horizontalen Reihen.
Die Kleinheit der Arbeiten ist für jemand, der an große Bilder gewöhnt ist, die stets beeindrucken und überwältigen, eine seltene Erfahrung. Damit muss man dann erst mal fertig werden.

http://www.ireneblume.de

http://www.aachen-termine.de/go/badaachentermine-details/33392-Irene-Blume-Ueber-die-Entstehung-der-Arten-Vernissage-.html

https://www.sparkasse-aachen.de/pages/sparkasse/gut_fuer_die_region/kunst_und_kultur/raum_fuer_kunst/index.php






 

Eine Arbeit von Günther Beckers im 1. Stock der Bischöflichen Akademie in Aachen. Thema: Carolus Magnus.

Eine Arbeit von Günther Beckers im 1. Stock der Bischöflichen Akademie in Aachen. Thema: Carolus Magnus.

Große Tafeln für große Themen

Ich habe mir – kurz vor der Sommerpause der Bischöflichen Akademie – dort noch eine Ausstellung angesehen:  „GROSS.Formate“ von Günther Beckers. Die Formate sind in der Tat so groß, dass das Fotografieren eine echte Herausforderung wurde.

Beckers entnimmt seine Themen der Geschichte. Sehr, sehr eindrucksvoll ist eine „Komposition“, die aus sechs Teilstücken besteht, wenn ich das richtig erkannt habe. Die Wände eines ganzen Flures sind bedeckt mit dieser Arbeit zum Thema „Nürnberger Prozesse“. Auch die Kapelle in dem Gebäude scheint zu einem Gesamtkunstwerk ausgestaltet zu sein. Große Tafeln bedecken die Wände.

2,80 x 8,50 Meter oder 2,90 x 5,80 Meter – das sind Formate, mit denen man bei Günther Beckers rechnen muss. In der Bischöflichen Akademie (Leonhardstraße) stellt er bereits zum zweiten Mal aus. Schön, dass es in Aachen diese Bildungseinrichtung gibt, das Angebot ist immer qualitätvoll. Auch jetzt wieder, wo die Kunst von Günther Beckers riesengroße Wandflächen bedeckt.
Wahrlich raumfüllende Formate. Dargestellt ist eine Interpretation des Nürnberger Prozesssaals, wie der Titel den Bildes nahelegt.

Dargestellt ist eine Interpretation des Nürnberger Prozesssaals, wie der Titel des Bildes nahelegt.

Günther Beckers füllt das Gebäude vollkommen. Jedenfalls alle Flure, den Vorraum der Kapelle und die Kapelle selbst. Oft erkennt man nur Farbstrecken, manchmal auch Gestalten. Im Eingang gibt es eine dreiteilige Arbeit,  die man aufklappen kann. Doch was ist da abgebildet? Rechts ein Stück Fleisch mit einem Knochen, in der Mitte eine männliche Figur mit Zepter und links eine Frauengestalt? Scheinbar assoziativ, auf jeden Fall aber rätselhaft sind die Titel gewählt. „P.I.E.T.A.-B.A.C.H. 2,00 X 2,40 Öl auf Leinwand 1996 Gesamtkunst-Raum: Komponist, G. B. Beckers Variation über B.A.C.H.“ steht da, und ich weiß nicht, was soll es bedeuten . . .

Die oft erdigen Farben gefallen, die Malweise erinnert an den berühmten Francis Bacon. Auf einer großen Arbeit erkennt jeder sofort den unsterblichen Carolus Magnus auf seinem Thron. Zum jetzt gefeierten Karlsjahr passt das genau. Und wie Karl dargestellt ist, das ist endlich mal, also wirklich endlich mal  eine dieser merkwürdigen historischen Figur angemessene Interpretation.

Zu sehen bis zum 19. September

Jetzt macht die Akademie gerade Urlaub. Ab Montag, 11. August, kann man sich die ganze Ausstellung in der Bischöflichen Akademie wieder täglich von  10 bis 18 Uhr anschauen, sonntags nur von 10 bis 14 Uhr.
Mehr von Günther Beckers: www.kuenstlermuseum-beckers-boell.eu
Blick auf ein dreiteiliges, ausklappbares Bild im Eingangsbereich.

Blick auf ein dreiteiliges, ausklappbares Bild im Eingangsbereich. Es gefällt übrigens auch das 50er-Jahre-Treppenhaus.

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Eine große Arbeit von Heinz Mack im Leopold Hoesch Museum in den Räumen der Hubertus Schoeller Stiftung.

Eine große Arbeit von Heinz Mack im Leopold Hoesch Museum in den Räumen der Hubertus Schoeller Stiftung.

Fahr mal nach Düren ins Museum

Das hat sich gelohnt: Bei einem Ausflug nach Düren war natürlich ein Besuch des Leopold Hoesch Museums fällig. Da rannte ich direkt in eine Installation von Heinz Mack „Der Garten im Garten“ (Foto: oben) hinein und staunte. Licht, Raum, Bewegung, Natur und Freiheit spielen in dieser Arbeit eine Rolle. Ich ließ alles auf mich wirken und freute mich, so etwas sehen zu dürfen. In Düren ist die Arbeit noch bis zum 24. August zu erleben. Atemberaubend. http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Mack

Dieser Text, viele Bilder und weitere Texte erinnern an die Zeit, als der 1. Weltkrieg begann.

Dieser Text, viele Bilder und weitere Texte erinnern an die Zeit, als der 1. Weltkrieg begann.

Ich dachte schon, allein wegen dieser ersten Arbeit, die ganz für sich allein einen großen Raum füllen darf, habe sich die Fahrt gelohnt. Da kam ich in den Raum mit Werken der Sammlung Prinzhorn. Hans Prinzhorn sammelte kurz nach dem 1. Weltkrieg Bilder von Psychiatriepatienten. Er erhielt damals auch etliche Werke von elf Männern, die in Haus 5 (geschlossene Anstalt) in Düren lebten. Psychiatrie und Kunst haben sich in dieser Zeit rasant verändert. Aber wie die Kranken sich selbst erlebten, das wird heute nicht viel anders sein als damals. Zu sehen sind sehr eindrückliche Bilder und ein Text (s. links), der in seiner Intensität unter die Haut geht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Prinzhorn

Schon ging es die geschwungene Treppe hoch zu einer Ausstellung mit Bildern von Klaus Dauven, der durch das Abtragen von Patina „malt“. Alle diese großformatigen „Zeichnungen“ hatte ich erstaunlicherweise noch nie gesehen. Sie sind immer einen Besuch wert. Allein schon, weil Dauven ein Künstler ist, der viel von der hiesigen Region verkörpert. Allein schon diese leichte, verspielte Art, mit der Schwere und dem Dreck umzugehen . . . da findet man sich wieder. Es gibt (bis 24. August) im Museum auch ständig eine kleine Filmvorführung.

Das ist nur ein Blick in einen Kellerflur des Dürener Museums. Oben sieht es noch viel schöner aus.

Das ist nur ein Blick in einen Kellerflur des Dürener Museums. Oben sieht es noch viel schöner aus.

Danach war ich – im Haus war es angenehm kühl, die Wände und Verzierungen sehen immer aus wie frisch renoviert  – noch aufnahmefähig und schaute mir die große Ausstellung „anlässlich des 100. Geburtstages von Ernst Ohst“ (1914 – 2000) an. Ernst Ohst ist ein Dürener Maler. Der Sammlungsbestand des Künstlers im Dürener Museum umfasst 2000 Tuschzeichnungen, Aquarelle und Grafiken. Zur Ausstellung ist ein Bestandskatalog „Unsere Werte. Der Nachlass Ernst Ohst. Städte und Landschaften“ erschienen. Das Motto „Unserer Werte“ hat Museumschefin Dr. Renate Goldmann schon mehrfach gewählt: Immer, wenn sie auf etwas hinweisen will, was als Wert zu den Menschen im Dürener Land gehört und von diesen geschätzt werden sollte.

Es gab noch viel zu sehen. Ich kam nach zwei Stunden erfrischter raus aus dem Museum, als ich hineingegangen war. Geöffnet ist immer Die. bis So. von 10 bis 17 Uhr und Do. von 10 bis 19 Uhr. Montags ist geschlossen. Der Eintritt kostet 6 Euro.
Und wem es wider Erwarten im Leopold Hoesch Museum nicht gefällt, der kann ja zur Annakirmes spazieren. Von  Samstag, 26. Juli, bis zum 3. August boxt auf dem Annakirmesplatz der Papst im Kettenhemd. Oder so. 😉
Diese große Arbeit von Günter Jecker ist ebenfalls im Leopold Hoesch Museum zu sehen.

Diese wundervolle Arbeit von Günther Uecker ist ebenfalls im Leopold Hoesch Museum zu sehen.






 

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Kunst, die wir erhalten wollen

Gegenüber vom Kaiser-Karls-Gymnasium, mitten in Aachen, befindet sich eine Arbeit des Aachener Graffiti-Künstlers Klaus Paier. Dieses Bild hießt „Zwischen den Tagen . . .“ und zeigt einen Jungen beim Chillen auf einer Parkbank. Das Bild ist noch zu retten, aber nicht mehr lange. Es hat unter der Baustelle der RWTH gelitten, so sehr, dass die Mitarbeiter vom Aachener Denkmalamt es nach Begutachtung aufgegeben haben. Tenor: Zu kaputt, kann man nicht mehr retten. – Die Arbeit steht nicht unter Denkmalschutz. Das ist schade.

Bei einem Graffiti handelt es sich um ein Bild im öffentlichen Raum, das keinen kommerziellen Hintergrund hat. Im öffentlichen Raum gibt es viele Bilder, er ist hierzulande geradezu vollgestellt mit Bildern, mit Werbebildern. Es wird für eine Bausparkasse, für Damenoberbekleidung, Nudeln oder sonstwas geworben, immer mit Bildern.

„Wilde Bilder“ erschienen in Aachen ab 1978 in relativ großer Zahl. Die Kunstfreunde waren beeindruckt, die Stadtverwaltung ließ gleichwohl die Bilder immer wieder entfernen. Dr. Wolfgang Becker, damals noch Chef der „Neuen Galerie – Sammlung Ludwig“, hatte allerdings ihren Wert erkannt und veranstaltete 1984 eine große Ausstellung mit Fotos der Aachener Arbeiten.

Heute weiß längst jeder, dass Paiers Graffiti wichtig sind. Einige stehen unter Denkmalschutz. Aber das oben abgebildete Wandbild nicht.

Kann man es eventuell retten, indem man die ganze Wand abträgt und mitsamt Bild woanders aufstellt? Gibt es jemand, der dafür Geld ausgibt?

Hier ist zu erkennen, wie die Wand beschaffen ist, die wegen des Bildes abgetragen werden müsste. Nur Experten wissen, ob das machbar ist.

Hier ist zu erkennen, wie die Wand beschaffen ist, die wegen des Bildes abgetragen werden müsste. Nur Experten wissen, ob das machbar ist.

Das Ausmaß der Zerstörung ist auf diesem Foto zu erkennen. Und wie genau die Farbe aufgetragen wurde.

Das Ausmaß der Zerstörung ist auf diesem Foto zu erkennen. Und wie genau die Farbe aufgetragen wurde.

Auch hier mögen Betrachter sehen, wie schwer das Bild am unteren Rand beschädigt ist. Allerdings existiert ein gutes Foto vom Originalzustand, an dem sich Restauratoren orientieren könnten.

Auch hier mögen Betrachter sehen, wie schwer das Bild am unteren Rand beschädigt ist. Allerdings existiert ein gutes Foto vom Originalzustand, an dem sich Restauratoren orientieren könnten.

Hier erfährt man mehr: http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Paier_(Graffiti-Künstler) 

http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Paier_(Graffiti-Künstler)#mediaviewer/Datei:Ac_zwischen_den_Tagen.jpg






 

Eine Kirche, die ihre Tore weit für die Kunst geöffnet hat: St. Fronleichnam; Ecke Düppelstraße/Leipziger Straße in Aachen.

Eine Kirche, die ihre Tore weit für die Kunst geöffnet hat: St. Fronleichnam. Ecke Düppelstraße/Leipziger Straße in Aachen.

Sehenswerte Kunst im „Schutzraum“ Kirche

Karl von Monschau, Künstler und Kurator.

Karl von Monschau, Künstler und Kurator.

Der Künstler Karl von Monschau ist wieder in die Rolle eines Kurators geschlüpft und hat im Rahmen seiner Reihe „Carte Blanche“ mit großem Kunstsachverstand als  VI. Folge eine wunderbare Ausstellung zusammengestellt. Er hat die Präsentation unter den Titel „Schutzraum“ gestellt.

Für die Künstlerinnen und Künstler aus dem hiesigen Raum ist – der Gedanke liegt nahe – eine Kirche in der Leipziger Straße zum Schutzraum geworden. Von den örtlichen Museen als Akteure weitgehend ignoriert, präsentieren 28 ihre Arbeiten in der Kirche St. Fronleichnam. Professor Dr. Becker, einst Museumschef im Ludwig Forum, sprach zur Eröffnung auch darüber, wovor man heutzutage alles Schutzräume braucht. Dabei nannte er auch die NSA, die staatliche Überwachungsbehörde, die die Menschen bis in die

"Stuttgart Stammheim" von Andreas Magdanz

„Stuttgart Stammheim“ von Andreas Magdanz

privatesten Räume hinein aushorcht. Vor ihr würden in der virtuellen Welt Schutzräume gebraucht, gesucht und gebaut.

Obwohl es nun 28 Künstlerinnen und Künstler sind und ich schon dachte, da wird ja alles dich an dicht hängen, ist die Präsentation doch rundum gelungen. Man hat überhaupt nicht den Eindruck, dass alles gequetscht ist. Zur Eröffnung kamen schätzungsweise mehr als 200 Menschen. Und auch die konnte der Raum noch locker verkraften, ohne überfüllt zu wirken.

Beichtstuhl mit Innenleben

Beichtstuhl mit Innenleben

Viele Künstler haben sich eng an das Thema „Schutzraum“ gehalten. Zum Beispiel Fotograf Andreas Herrmann, der sich mit dem Schutzraum unter der Aachener Elisabethhalle befasst hat. Oder Renate Müller-Drehsen, die ein Objekt mit winzigen Räumchen für Kitschbildchen geschaffen hat. Zur Ausstellung gehört ferner eine Installation in einem Beichtstuhl, in dem es ja in Wirklichkeit gar keinen Schutz gibt vor dem alles-wissen-wollenden Geistlichen. „Sag mir deine geheimsten Gedanken und Taten“, hört man förmlich den Priester flüstern. Da gibt es kaum Schutz und kein Entkommen, wenn man sich einmal in so eine Situation begeben hat (Installation von Anita Brendgens).

Die Kirche gilt als architektonisch besonders bedeutend: St. Fronleichnam.

Die Kirche gilt als architektonisch besonders bedeutend: St. Fronleichnam.

Das Gefängnis in „Stuttgart Stammheim“ (Fotos von Andreas Magdanz) mag die Gesellschaft geschützt haben vor krass durchgeknallten Linksradikalen.

Wissen wollen, was sich im Innern abspielt, was sich hinter der Fassade verbirgt. Ist das legitim?

Wissen wollen, was sich im Innern abspielt, was sich hinter der Fassade verbirgt. Ist das legitim?

Gefängnisräume wurden von Magdanz fotografiert, die zwar Schutzräume gewesen sein mögen, aber eigentlich schon beim Ansehen nur als „Angsträume“ und „Alptraumräume“ durchgehen.

Unvorstellbares Elend gibt es in Manila im „Schutzraum auf der Müllkippe/unter der Brücke“, fotografiert von Klaus Herzog.

Außerdem sind mit teils sehr sehenswerten und inspirierenden Arbeiten dabei: Gerd Plitzner, Dieter Call, Detlef Kellermann, Erik Offermann, Brele Scholz, Ralf Wierzbowski, Birgit Warmuth, Ingrid Pirnay, Walter Verwoert, Theo Ramrath, Lisa Cieslik, Recep Vardar, Eugenie Bongs-Beer, Achim F. Willems, Karl von Monschau, Bernard Bieling, Gerlinde Zantis, Emil Sorge, Algirdas Milleris, Claudia Breuer, Monika Petschnigg, Bernd Radtke und Ulrich Fritz.

Das Gebäude ist  „ein Meilenstein des modernen Kirchenbaus“.

Noch zu sehen bis 22. Juli. Kontakt: pfarrbüro@st-josef-und-fronleichnam.de und karlvonmonschau@gmx.de

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Blick in die Ausstellung "6 aus Bukarest", derzeit zu sehen bei "Kunstwechsel" in der Wilhelmstraße.

Blick in die Ausstellung „6 aus Bukarest“, derzeit zu sehen bei „Kunstwechsel“ in der Wilhelmstraße.

Im „Kunstwechsel“ in Aachen stellen „6 aus Bukarest“ aus

Der Raum für Künstler („Kunstwechsel“) macht seinem Namen alle Ehre und präsentiert in diesem Jahr schon die dritte Ausstellung in Aachen – neben dem Suermondt-Ludwig-Museum in der Wilhelmstraße. Diesmal zeigen sechs Künstlerinnen und Künstler aus Bukarest ihre Arbeiten.

So viele Augen . . .

So viele Augen . . .

Für „Kunstwechsel“ zeichnet Professor Dr. Wolfgang Becker, ehemals Chef im Ludwig-Forum, verantwortlich. Mit der Hilfe eines in Aachen lebenden rumänischen Architekten wurden diesmal die Künstler ausgesucht und die Schau konzipiert, so wurde mitgeteilt. Auf 250 Quadratmetern ist allerhand zu sehen: Bilder, eine Installation, Skulpturen, die Menschen oder Teile von Menschen darstellen und ein Buch der Künstlerin Paula Ribariu. Alles passt zu allem, man könnte meinen, die ganze Schau sei als ein einziges Kunstwerk konzipiert worden.

Ribariu wurde im Jahr 2000 von der Sächsischen Akademie der Künste ausgezeichnet, 2013 erhielt sie den „Preis der Exzellenz“ beim Internationalen KunstSalon. Sie ist mit ihrem Buch, das zu einem Triptychon aufgeklappt werden kann, der Star der Gruppe.

Scharfkantiges Porzellan, Gras, Sackgewebe, irgendwo gefundene Holzstücke sind im Raum verteilt oder zu Objekten verarbeitet. An Harald Szeemanns „Individuelle Mythologien“ wird in einem Text, der in der Ausstellung ausliegt, erinnert. Und in der Tat: Die Arbeiten schaut man gerne an, doch sie künden von individuellen Welten, die sich den Betrachtern nicht erschließen und erklärt werden wollen. Alles mutet ein bisschen geheimnisvoll an.

Strukturen in hell und dunkel.

Strukturen in hell und dunkel.

Es gibt auch eine Reihe kleinerer Bilder. Es sind die Äußerungen einer offenbar lebensfrohen Person, die man gern kennenlernen möchte. Aber auch auf diesen farbenfrohen Bildern sind wieder Teile von privaten Welten und Sichtweisen dargestellt. Die lassen sich nicht in der Weise verstehen, wie wir immer das sofort verstehen wollen, was wir sehen.

Wer die Ausstellung besucht, tut das mit Gewinn. Geöffnet ist bis Sonntag, 20. Juli, immer donnerstags bis sonntags, jeweils von 14 bis 18 Uhr. Alle Arbeiten kann man kaufen. Die Namen der anderen Künstler: Olga Birman, Sorin Dumitrescu, Laurentin Mogosan, Cristina Russe, Margareta Udrescu.






Blick in den "Raum für Kunst", wo derzeit Arbeiten von Emil Sorge zu sehen sind.

Blick in den „Raum für Kunst“, wo derzeit (noch bis zum 7. Juni) Arbeiten des Künstlers Emil Sorge zu sehen sind.

Der Künstler Emil Sorge und seine Sicht auf die Welt

Die Arbeiten, die jetzt im „Raum für Kunst“ in Aachen zu sehen sind, wird man wohl kaum einfach „Bilder“ nennen können. Es sind bemalte Holztafeln, Holzreliefs könnte man sagen. Es sind auch durchlöcherte Platten zu sehen, Abdrücke oder Bildnisse, auf die die Bezeichnung Holzschnittmalereien passt.

Ausgestellt ist mitten in Aachen neue Kunst von Emil Sorge, der 1957 geboren ist, aus der Voreifel stammt und dort lebt und arbeitet. Sorge malt und druckt Strukturen, die einen an Architektur denken lassen. Auch Landschaften und Ansichten, die sich in pixelige Elementarteilchen auflösen, kommen einem in den Sinn.

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Wegweiser in der Elisengalerie

Um es kurz zu machen: Die Ausstellung ist wieder sehenswert. Wer in der Innenstadt unterwegs ist und Zeit hat, der sollte in der Elisengalerie (gegenüber vom Elisenbrunnen) den „Raum für Kunst“ aufsuchen. Die meisten der ausgestellten Werke sind wieder in einem wunderbar gestalteten Heft enthalten, das die Besucher kostenlos erhalten. So kann man auch zu Hause und nach Jahren noch gedanklich durch die Ausstellung spazieren. Und ich kann, da ich über ein ähnlich fein gestaltetes Heft mit Arbeiten von Emil Sorge aus 1988 verfüge, auch vergleichen. Damals hat Sorge in den Räumen des Neuen Aachener Kunstvereins ausgestellt. Schön zu sehen, wie er seine Kunst weiterentwickelt hat und dass er sich selbst treu geblieben ist.

Von „freier Formfindung“, „zeitgenössischer Archaik“ und „farbstrotzenden Most-overs“ schreibt der Kunsthistoriker Dirk Tölke im Heft. Außerdem von „ruppigem Flair“ und „torsicher Gesinnung“. Ich weiß nicht genau, was alles damit gemeint ist. Aber die Bilder von Emil Sorge sind sicher auch ohne derart fundierte Einordnung und Beschreibung schön anzusehen.

Die Zerstückelung/Verpixelung der sichtbaren Welt könnte das Thema von Emil Sorge sein. Ihren Titel „zwölf monde“ hat die Ausstellung von einem 12-teiligen Werk, schön präsentiert am Eingang des „Raum für Kunst“. Es sind 12 Ortsansichten erkennbar.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Juni 2014 zu sehen. Der „Raum für Kunst“ ist eine Einrichtung der Sparkasse Aachen. Kuratorin ist dort die Kunsthistorikerin und -kritikerin Helga Scholl.

Mehr Infos unter www.sparkasse-aachen.de/raum_fuer_kunst

http://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Sorge

Eine große Arbeit von Emil Sorge ist noch bis zum 30. Juni in der Citykirche St. Nikolaus in Aachen zu sehen.  Titel: Kaskade. Das Bild hängt zentral im Altarraum und hat die Maße 490 cm x 325 cm.






Lufo-Werbung

Lufo-Werbung

Kompliziert: Werbung für das LuFo in Aachen

Jetzt fällt es mir schwer, die passenden Worte zu finden. Und das ist bei einer Journalistin schlecht. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben in ein Gespräch mit der Chefin vom Aachener LuFo gekommen. Ein Kurz-Gespräch, das man besser einen Schlagabtausch nennt.

Die Dame hatte in den örtlichen Zeitungen angekündigt, dass es vor dem Super C (Templergraben/Ecke Wüllnerstraße) in Aachen eine Werbe-Aktion geben würde für das Forum. Das Haus leidet etwas an Besucherschwund, Studierende wollte man auf die Einrichtung aufmerksam machen und sie zu einem Besuch ermuntern.

Die Aktion war in vollem Gange, als ich vor dem Super C eintraf. Da sah ich eine Reporterin mit Kamera und Stativ und frage schon fröhlich: „Werden wir denn heute Abend von hier was im Fernsehen sehen?“ – „Eigentlich ja, aber den Bericht habe ich jetzt für mich gecancelt, sie dreht sich immer von der Kamera weg und lässt sich nicht filmen“, sagte mir traurig die Filmerin. Mit „sie“ war die Museumschefin gemeint. Die Kamerafrau klagte mir noch ein bisschen ihr Leid und ging.

Wer nicht fragt, bleibt dumm. Ich also so zur Museumschefin, nachdem ich mich vorgestellt und höflich gefragt hatte, ob ich sie was fragen darf: „Sie haben sich jetzt beim Filmen immer weggedreht, warum machen Sie das?“

Ich hätte sie besser nicht angesprochen. Ich habe sie in einem schlechten Moment erwischt. Aber was sie sagte, lief darauf hinaus, dass sie nicht so, wie es gewünscht wurde, gefilmt werden möchte, sondern anders. Und das sagte sie in einem Tönchen, kann ich hier nur sagen, dass ich jetzt noch stramm stehe, während ich das schreibe. Es hörte sich arrogant an, kann aber – wenn ich jetzt drüber nachdenke – auch die pure Angst und Unsicherheit gewesen sein.

Hier muss die Frage erlaubt sein: Wer stellt solche Leute ein? Bitte, rein informativ möchte ich mal wissen: Wer stellt solche Leute ein?

Und noch was: Man kann, wenn man in den Medien vorkommen will, den Presseleuten vorschreiben, wie dies genau und im Einzelnen zu geschehen hat. Das kann man machen.
Man kann als Reporter darauf eingehen und weitgehend alles so machen, wie derjenige will, von dessen Aktion berichtet werden soll. Das kann man ebenfalls machen. Aber dann kommt man in die Redaktion, und die Kollegenschar sagt mit Recht: „Das können wir nicht bringen.“ „Das sieht nicht aus.“ „Das funktioniert so nicht.“ „Damit verwirren/langweilen/beleidigen wir unsere Leser/Zuschauer.“ usw. usw. usw.

Normalerweise wissen Leute, die in irgendeinem Bereich Profis sind, dass die Presseleute eben ihrerseits Ahnung davon haben, was in der Redaktion gewünscht und was abgelehnt wird.
Ich kann nur hoffen, dass ich die Museumschefin mal in einem besseren Moment antreffe und dann eine viel harmlosere Frage parat habe.






ei der Eröffnung in der Übergangsgalerie "Kunstwechsel": In der Aachener Wilhelmstraße stellen Bernd Radtke und Ralf Wierzbowski aus. Dem Vernissage-Publikum gefiel die Präsentation. Geöffnet nur mittwochs von 17.30 bis 20 Uhr.

Eröffnung in der Übergangsgalerie

Bei der Eröffnung in der Übergangsgalerie „Kunstwechsel“: In der Aachener Wilhelmstraße stellen Bernd Radtke und Ralf Wierzbowski aus. Dem Vernissage-Publikum gefiel die Präsentation. Geöffnet nur mittwochs von 17.30 bis 20 Uhr.



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Bernd Radtke und Ralf Wierzbowski stellen aus

„Gro?raum“ lautet der Titel einer Ausstellung, die heute um 19.30 Uhr in Aachen eröffnet wird.

Viel Platz für Kunst gibt es ja neuerdings in der Wilhelmstraße 26/Ecke Gottfriedstraße (s. Foto), quasi direkt neben dem Suermondt-Ludwig-Museum. Dort hat in den vergangenen Wochen Karl von Monschau ausgestellt.

Dem Vernehmen nach stellt der Eigentümer die Räume so lange zur Verfügung, bis sich ein zahlender Mieter findet. Für die Auswahl der Künstler zeichnet bis dahin Professor Dr. Wolfgang Becker, ehemaliger Chef des Ludwig Forums, verantwortlich.
Ab heute sind bei „Kunstwechsel“ Fotografie, Video und Malerei von Bernd Radtke und Ralf Wierzbowski zu sehen. Nichts wie hin.

http://www.wierzbowski.de

Beide Künstler sind mit eigenen Seiten im Internet präsent. Und die uebergangshymne wäre froh, wenn sie nach nächtelangem Ringkampf mit den WordPress-Werkzeugen auch mal eine annähernd so schöne Seite hinbekommen würde. Stattdessen: Fehler, die wir bitten zu entschuldigten. Wir mühen uns weiterhin.


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In Aachen: Neue Räume, wie geschaffen für die Kunst

Karl von Monschau freut sich. Seine Ausstellung in der Aachener Wilhelmstraße, direkt neben dem Suermondt-Ludwig-Museum war ein Erfolg. Der Künstler zeigte Arbeiten aus den letzten Jahren, unter anderem eine Serie, die von einem Fund aus dem antiken Pompeji inspiriert ist. Gemeint ist das berühmte Sator-Quadrat, das als magisches Quadrat horizontal und vertikal, vorwärts und rückwärts gelesen werden kann. Sehenswert.
K.v.M._5800In gewisser Weise wird hier etwas Vorgefundenes aufgegriffen, quasi kopiert und verarbeitet. Ein Vorgang, der mit den neuen, digitalen Medien sehr in die Diskussion geraten ist.

Wer die Ausstellung in Aachen verpasst hat, muss am 24. April nach Monschau fahren (Laufenstraße 6). Da stellt Karl von Monschau in der Galerie Beumers aus. Überhaupt scheint die kleine Stadt an der Rur sich als „Kunststadt“ etablieren zu wollen. Mit tollen Ausstellungen und klassischer Musik. Darauf müssen wir hier noch mal gesondert eingehen.

In Aachen in der Wilhelmstraße/Ecke Gottfriedstraße gab es auf den 250 Quadratmetern eine „Arbeits- und Ausstellungssituation“, das entspricht nicht gerade dem typischen Galerie-Konzept. Der Künstler war oft zwischen 17 und 18 Uhr präsent, arbeitete aber gleichzeitig in den Räumen und fertigte neue Bilder, die buchstäblich bis zum letzten Tag auch aufgehängt wurden. So sah die Ausstellung zum Ende  anders aus als zur Eröffnung, die Anfang März stattfand.

Mit Bernd Radtke und Ralf Wierzbowski geht es weiter. Die beiden eröffnen bei „Kunstwechsel“ am heutigen Freitag, 4. April, um 19.30 Uhr gleich die nächste Ausstellung. Fotografie, Video, Malerei werden bis 21. Mai gezeigt.

„Kunstwechsel“ haben sich, wie man hört, die Herren Gerd Sauren und Dr. Wolfgang Becker ausgedacht. Becker war einst Chef des Ludwig Forums, Sauren stellt die Räume so lange der Kunst zur Verfügung, bis ein zahlender Mieter gefunden wurde. Und das kann ja schon mal eine ganze Weile dauern.



 

Großer Meister, kleine Ausstellung

Da kann der in Aachen geborene, bedeutende Vertreter der abstrakten Kunst und des Informell in Deutschland aber froh sein: Seine Heimatstadt hat ihn, quasi in letzter Minute, ihren Bürgern doch noch in einer Ausstellung vorgestellt. Danke Suermondt-Ludwig-Museum. NOT

Karl Otto Götz ist einer der Großen der Stadt. Und es ist  absolut unverständlich, dass weder Suermondt-Ludwig-Museum, noch das Ludwig Forum an den 100. Geburtstag dieses namhaften Künstlers gedacht haben. Sie haben ihn schlicht vergessen. Fast. Warum leistet sich Aachen diese Museumsdirektoren und Kuratoren? Wenn die uns noch nicht mal mit dem vertraut machen, was an guter Kunst aus dieser Stadt hervorgegangen ist?

kogoetz_5808Das kann nun hier in diesem Hobby-Blog beklagt werden. Die Wirkung ist marginal, das wissen wir. Aber es ist doch ärgerlich, dass an K.O. Götz erst so spät gedacht wurde. Kein Wunder, dass der Mann zur Eröffnung der Aachener Bilderschau erst gar nicht angereist ist.

Bezeichnend: Außen am Museum gibt es einen Hinweis auf die Ausstellung, eine Art Flyer, mehr nicht. Ärgerlich, lächerlich. Oberbürgermeister Marcel Philipp hätte man museumsmäßig aufmerksamere Mitarbeiter gewünscht. Und uns allen anderen auch.

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Otto_Götz
http://de.wikipedia.org/wiki/Informelle_Kunst

2 Antworten zu Kunst Content

  1. Pingback: Ein anderes Bild (von der Wirklichkeit) | Aachen. Kommentierte Infos.

  2. Pingback: Aus der Rubrik: „Sparen am falschen Ende“ | Aachen. Kommentierte Infos.

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