Politik muss entscheiden: Wie weiter mit der Antoniusstraße?

Blick auf die rückwärtige Antoniusstraße: Wann wird hier endlich eine städtische Atmosphäre entstehen? Und wann wird das Parkhaus, von dem aus das Foto gemacht wurde, endlich niedergelegt? Um diese Fragen geht es am Donnerstag im Planungsausschuss. Foto: Archiv

Die Herbstferien sind zu Ende, die Kommunalpolitik wird stressig, denn jetzt wollen bis zum Ende des Jahres alle noch etwas geregelt bekommen. Hier sollen zwei Arbeitsausschüsse Erwähnung finden: die Bezirksvertretung Aachen-Mitte und der Planungsausschuss.

Die Sitzung der Aachen-Mitte-Politiker (Mi., 08. 11., ab 17 Uhr, Haus Löwenstein) befasst sich unter anderem mit der „Erdgasfernleitung Zeelink“. Das ist eine Gasleitung, so breit wie eine Autobahn, die von der belgischen Küste aus über Aachen in die Republik hinein läuft und halb Deutschland mit Gas versorgen wird. Ein gigantisches Teil ist da geplant  – von dem Unternehmen „Open-Grid-Europe“.

Das Unternehmen wollte die Mega-Leitung südlich von Brand gleich durch mehrere traumhaft schöne Naturgebiete schlagen, woraufhin sich nahezu ganz Brand empörte und einen Widerstand aus dem Boden stampfte, der sich gewaschen hatte. Als die Behörde des Regierungspräsidenten sich dann auch noch anschickte, die Pläne des Unternehmens zu gestatten, stand in Brand erst recht alles zusammen und wehrte sich.

Die Sache ist lang und breit durch die Presse gegangen. Die Firma hat (gibt vor?) mitgeteilt, sie werde eine andere Strecke auswählen, nämlich diejenige, die die Brander vorgeschlagen haben: parallel zur Autobahn A 44.

Der ganze – quasi von außen aufgedrängte – Vorgang beschäftigt diverse Fachbereiche und Ämter der Stadtverwaltung, die sich mit den Brander Bürgern in einem Abwehrkampf  befindet, enorm. In verschiedenen Sitzungen müssen nun verschiedene Gremien Stellungnahmen abgeben. Wer sich für Einzelheiten interessiert, lese hier weiter.

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Nächster Punkt: grenzüberschreitender elektromobiler  ÖPNV (mit dem sogenannten CharlemagnEbus).

In einer Studie wurde untersucht, welche grenzüberschreitenden Buslinien im Dreiländereck kurzfristig auf elektromobilie Antriebe umgestellt werden können. Ergebnis: die Linie 44 zwischen Heerlen und Aachen ist für eine Umstellung auf Elektroantriebe geeignet. Die Linie 44 wird gemeinsam von der ASEAG und seit Dezember 2016 von dem niederländischen Konzessionär Arriva betrieben, und zwar zwischen Heerlen Station und Hauptbahnhof Aachen

Bei einem Halbstundentakt sind derzeit vier 12 Meter lange Dieselbusse im Einsatz. Das Verkehrsunternehmen Arriva hat sich der Provinz Limburg gegenüber vertraglich verpflichtet, bis 2026 den gesamten Busverkehr innerhalb Limburgs emissionsfrei zu betreiben. Arriva plant, auch auf der Linie 44 zukünftig Elektrobusse einzusetzen, deren Nachladekonzept sich jedoch von den ASEAG Elektrobussen unterscheidet. Während die ASEAG Elektrobusse mit relativ großen Energiespeichern ohne Nachladung im Betrieb einsetzt, die nur nachts im Depot nachgeladen werden müssen, sind für die Elektrobusse von Arriva an den Endhaltestellen innerhalb der Wendezeiten Ladevorgänge notwendig

So müssen nun höchstwahrscheinlich 300.000 Euro ausgegeben werden, um in Aachen eine zusätzliche Ladestation für Busse (in der Hackländerstraße) zu errichten. Fördermittel sind beantragt. 7 Parkplätze werden entfallen. Weitere Diskussion zu dem Thema verfolgt ihr bitte in der (öffentlichen) Sitzung.

***

Es folgt tags drauf der Planungsausschuss (Do., 09. 11., ab 17 Uhr, Saal 170, Verwaltungsgebäude Lagerhausstraße).

Dort steht die Bebauung eines ganzen innerstädtischen Bezirks zur Diskussion. Es geht um das Nikolausviertel, insbesondere um Antoniusstraße/Mefferdatisstraße. Der Rat (außer der FDP) will eigentlich einen erstklassigen Plan umsetzen, den sich ein hochkarätiges Architektenteam ausgedacht hat (mit neuen Gebäuden, kleinen Straßen und Plätzen in dem Viertel), und der Plan beinhaltet, dass der Puff in der Antoniusstraße noch rudimentär an Ort und Stelle verbleibt.

Aachens Oberbürgermeister (OB) und der Polizeipräsident sind kurz vor Toresschluss mit ihren Gegenstimmen um die Ecke gekommen. Sie wollen die Bordelle doch lieber an den Rand der Stadt verlegen. Mittlerweile sind auch die Ecken bekannt, wo Oberbürgermeister Marcel Philipp das horizontale Gewerbe hinhaben will. Er hat mehrere Grundstücke am Prager Ring  und am Berliner Ring im Auge, auch im Umfeld der Justizanstalt in der Soers kann er sich den Puff denken. Ferner im direkten Umfeld des neuen Polizeipräsidiums in Brand, an der Krefelder Straße, im Kreuzungsbereich Charlottenburger Allee/Berliner Ring und auf einer Fläche an der Straße Gut Wolf.

Also quasi überall da, wo es häßliche Gewerbegebiete gibt und nicht so ein schönes Gewerbegebiet wie an der Pascalstraße. In der Antoniusstraße könnte statt eines jetzt noch in den Plänen vorgesehenen Bordells auch einfach ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen, so deutete der OB an.

Bis die Sache entschieden ist, stagniert die Angelegenheit. Das marode Parkhaus am Büchel wird immer noch nicht abgerissen, und 150 Meter von Dom entfernt sieht es bis auf weiteres anhaltend aus wie Sau. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn dort nach 20 Jahren Planung mal was passiert wäre. Nein, alles wird wahrscheinlich noch mal 20 Jahre dauern. Hier nachlesen

Das weitere Schicksal des Burtscheider Viadukts steht außerdem noch auf der Tagesordnung. Wen das interessiert, liest hier: http://ratsinfo.aachen.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=17415

***

Messstation in Aachen.

Mal eine Frage: Braucht man eigentlich – um die von Pkw produzierten Umweltgifte und -gase (NOX) zu messen – eine so umfangreiche Apparatur, dass die nur in so einen Kasten (Foto) passt, wie hier zuletzt gesehen in der Wilhelmstraße? Oder können die Messinstrumente auch wesentlich kleiner sein, quasi handlich und deshalb variabel einsetzbar?

 

(Update 07. 11. : s. dazu Kommentar )

 

Über uebergangshymne

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Eine Antwort zu Politik muss entscheiden: Wie weiter mit der Antoniusstraße?

  1. Steffen schreibt:

    Zur Messstation:

    Es gibt für die Messung von Luftschadstoffen diverse Möglichkeiten. So können für die Messung von Stickstoffdioxid auch Messröhrchen aufgehängt werden, die später wieder eingesammelt und in einem Labor untersucht werden. Die Grünen hatten das z.B. im Wahlkampf gemacht. Der Sinn einer Messstation ist aber eigentlich, dass vor Ort kontinuierlich verschiedene Werte gemessen werden können. An der Wilhelmstraße ist das eine ganze Menge.

    Hier sind die verschiedenen beobachteten Werte einsehbar: https://www.lanuv.nrw.de/luqs/messorte/steckbrief.php?ort=VACW
    Hier sieht man, wie so eine Messstation von innen aussehen kann: http://www.matthias-gastel.de/wp-content/uploads/2017/03/Messstation-am-Neckartor-von-innen-2.jpg

    Zum Thema Feinstaub habe ich kürzlich gelesen, dass es bei hoher Luftfeuchtigkeit durch Tröpfchenbildung zu Messungenauigkeiten kommen kann und der Luft im Zuge von professionellen Messungen daher Feuchtigkeit entzogen wird. Eine entsprechende Verarbeitung braucht dann auch wieder mehr Platz.

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