Am Morgen nach der Wahl: Katerstimmung

Groß und voller Reize steht nach diesem Wahlergebnis vor mir die Möglichkeit, mich gänzlich aus der Politik zurückzuziehen, aus jeglicher Politik, und einfach unpolitisch zu werden. Aus, Ende, vorbei, macht doch euren Scheiß allein.

Montags geht’s dann nicht mehr zu Fraktionssitzungen, sondern zu den Konzerten im Domkeller, beispielsweise. Und an den Tagen, wo der „Arbeitskreis Kommunal“ stattfindet, könnte ich auch was Besseres machen. Warum nicht wieder jede Menge Ausstellungen besuchen und über Kunst schreiben, quasi ausschließlich über Kunst?

Privaten Mythologien von selbstverliebten Künstlern nachjagen? Toll! Nicht?

Die in langen Jahren mühsam hergerichtete, so schöne Republik den alten Männern aus Sachsen überlassen? Dem Gauland (76), der „Frau Merkel jagen“ will, so uncharmant ist ja noch nie einer dahergekommen. Unerhört. Ich höre mich allen Ernstes sagen, dass ich dem Gauland einen baldigen Herzinfarkt wünsche, und ich erschrecke mich über mich selbst.

Na ja, gerade alte Männer leben nicht ewig. Und neigen zu Rechthaberei und

Piraten bei der Präsentation der Wahlergebnisse im Aachener Rathaus, sehr nachdenklich: Marc Teuku, Udo Pütz, Matthias Achilles (v. l.)

Streit und müssen spätestens um 22.30 Uhr ins Bett. Warum widme ich nicht einfach den Nichten und ihrem Anhang mehr Aufmerksamkeit, alle unter 30 Jahre alt und weit weg von der AfD? Und beobachte deren zauberhaften Nachwuchs im Tierpark, ganz unpolitisch?

„Die Willy Brandt Statue sieht wirklich bescheuert aus . . . .  Jedes Mal erschrecke ich mich“, simst ein Freund (vom TV aus ins Rathaus) und ich muss lachen. „Männlein, wenn unsere Probleme von diesem Kaliber wären, wären wir weit genug . . . . „.  0,374 Prozent bundesweit für die Piratenpartei, da möchte man doch alles hinschmeißen und sich fortan von Politik fernhalten. 0,5 Prozent waren das Ziel.

Mich erschrecken hier in Aachen die knapp 20 Prozent AfD-Wähler vom Eisenbahnweg. Obwohl: Deren Interessen waren regierenden CDU- und SPD-Polit-Profis in den letzten Jahren von Herzen egal. Da muss man sich nicht wundern. Diese Leute wollen einfach mal sagen: „Hallo? Wir sind auch noch da. Und uns geht’s richtig schlecht.“

Was also tun? Sich über das Wahlergebnis ärgern und nachts nicht schlafen?

Oder an Michel Foucault denken: Wo Macht ist, da ist auch Gegenmacht. So folge ich vorerst mal der Twitter-Aktion „Ich bin #87Prozent“ Das motiviert.

 

Nicht unflott: Kabarettist Wilfried Schmickler nach der Wahl 

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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