Menschenhändler in der Mefferdatisstraße? Stadt versiegelt Haus

Das Horror-Haus. Hier sollen Frauen zur Prostitution gezwungen worden sein. Mitten in der Aachener Innenstadt.

Neulich bei der Bürgerversammlung in der Citykirche: Die Bauverwaltung stellt umfangreich die Neugestaltung des Nikolausviertels (Büchel mitsamt Antoniusstraße) vor. Als nach einer Stunde die zahlreich erschienen Bürgerinnen und Bürger auch mal was sagen dürfen, fragt eine Dame aus dem Publikum:  „Warum unternehmen Sie eigentlich nichts in dem Haus in der Mefferdatisstraße? Da gibt es Hinweise auf illegale Prostitution, da wohnen Frauen und Kinder, die verprügelt werden, da gehen immer andere Männer ein und aus, da ist oft Geschrei, alles ist total verdreckt, heruntergekommen, Ratten wurden auch schon gesehen.“

Die Frau schildert die Zustände, die der Behörde gemeldet und der Polizei längst bekannt seien. Die Herren von der Stadtverwaltung machen sich Notizen und versprechen: Das sei zwar jetzt nicht ihr Thema, aber man werde sich um die Sache kümmern.

Wenige Tage später (18. Juli) sind Polizei, Staatsanwaltschaft und Ordnungskräfte in der Mefferdatisstraße. Die Angaben der Nachbarin bestätigen sich in vollem Umfang. Die Medien berichten tags drauf von Hinweisen auf  Menschenhändler und Zwangsprostitution  in völlig verdreckten Räumen – 200 Meter vom Weltkulturerbe Aachener Dom entfernt. Das Haus wird geräumt und versiegelt.

Hier ist festzustellen: Erst nachdem in einer öffentlichen Diskussion über die Zukunft des Viertels eklatante Missstände öffentlich zur Sprache kamen, handelten die Behörden. In den Wochen davor passierte nichts, obwohl die Zustände – jedenfalls nach Auskunft der Nachbarn – bekannt waren. 

Die Mefferdatisstraße muss man sich im übrigen mal ansehen. Sieben Ladenlokale stehen leer, außer dem bekannten „Haus der Küche“ läuft hier gar nichts mehr. Dabei ist diese Straße zwischen „Lust for Life“ und Parkhaus Büchel in dem Bereich gelegen, der zum Einkaufen und Bummeln für Touristen ideal sein könnte.

Nebenbei: Prostitution wird man in Aachen nicht verbieten können. Was aber passieren kann, und das wäre wirklich das Allerschlimmste, dass die Prostitution in privaten Wohnungen – über die Stadt verstreut – stattfindet. Das kann keine Polizei kontrollieren, und eine Sozialarbeiterin und eine Beratungsstelle, wie es sie jetzt in der Antoniusstraße gibt, wäre wirkungslos. „In der Antoniusstraße helfen wir jeder Frau, die da nicht sein will“, sagte bei der Versammlung in der Citykirche eine Ratsdame der CDU. Deshalb sei es auch nicht sinnvoll, die Prostitution in ein Gewerbegebiet auszulagern.

Den Puff auslagern, das möchten in Aachen der Oberbürgermeister und der Polizeipräsident. Und es zeichnet sich ab, dass sie den Skandal um das Haus in der Mefferdatisstraße als Bestätigung für ihre Argumente benutzen werden.

Viel Leerstand gibt es in der Mefferdatisstraße. Dort lässt sich mit Handel offenbar kein auskömmliches Leben mehr organisieren.

Immer noch ein guter Grund (und vielleicht der einzige), in diese Straße einzubiegen: das Haus der Küche. Dort gibt es ungeheuer viele Geräte, die man in der Küche braucht. Das Geschäft ist in Aachen berühmt, man möchte es nicht missen.

Die untere Großkölnstraße. Absolut unerträglich, wie heruntergekommen sie seit vielen Jahren ist. Einen weiteren Verzug bei der Neugestaltung des Nikolausviertels kann sich Aachen nicht leisten.

 

 

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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