Ruinen-Fotos im Straßenbahn-Depot in der Talstraße

Das ehemalige Straßenbahn-Depot ist jetzt ein Stadtteil- und Kulturzentrum in Aachen Nord. Dort ist noch viel Platz für mehr Kultur.

Sebastian Schwarz aus Stolberg fotografiert „Lost Places“, und so lautet auch der Titel seiner Fotoausstellung im neuen Atelierhaus Aachen, besser bekannt als altes Straßenbahn-Depot in der Talstraße. Kreuz und quer durch Europa reist der 1991 geborene Grafikdesigner, um Gebäude zu finden, die einmal wichtig waren – teils als Wohnhäuser, Villen, teils als Kasernen, Krankenhäuser, Kinos oder Industrieanlagen.

Jetzt aber werden die Bauten seit Jahren und Jahrzehnten nicht genutzt, niemand interessiert sich für sie, sie verfallen.

Der Charme des Vergänglichen springt einen aus jedem Foto an, Verfall hat seinen Reiz. All die Überreste menschlichen Wirkens zu sehen, und zu denken: „vorbei, vorbei, es war einmal . . .“, das hat aber auch eine melancholische Seite. Einst waren es  Prachtbauten, und in Europa kann man es sich leisten, sie einfach verfallen zu lassen. Wir machen uns noch nicht mal die Mühe, sie abzureißen, sondern bauen einfach irgendwo anders neu. Was für ein Überfluss an allem, was für eine Verschwendung.

Ich erinnere mich an Zeiten, als nur das Schöne, das Besondere fotografiert wurde. Weihnachten, ein Geburtstag, eine Hochzeit, ein anderes Fest oder Neubauten, schöne Kirchen, Rathäuser und das neue Auto – das waren Gelegenheiten, bei denen der Fotoapparat rausgeholt und Aufnahmen gemacht wurden.

Alltägliches und Belangloses wird heute vorzugsweise abgelichtet. Und Kaputtes, Verkommenes, Verfallenes zu fotografieren, das ist im Rahmen der noch relativ jungen Gattung der Ruinenfotografie üblich geworden.

Die Foto-Dokumentationen von Sebastian Schwarz strahlen allerdings eine befremdliche Schönheit aus, sie haben etwas Ästhetisches. Die abgelichteten Räume behalten noch im Untergang ihre Würde.

Zu sehen sind die faszinierenden Aufnahmen dieser aus der Zeit gefallenen Orte noch bis 13. August. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 10 bis 14 hr, samstags und sonntags von 12 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei. Sebastian Schwarz’ Blog findet ihr hier: http://sebblack-blog.tumblr.com

Sebastian Schwarz (Mitte) in seiner Ausstellung im Gespräch mit einem Besucher. „Lost Places“ ist noch bis zum 13. August zu sehen.

Wer Gelegenheit hat, das Atelierhaus (aka Straßenbahn-Depot) selbst zu besichtigen, sollte das tun. Dort gibt es im Untergeschoss Werkstätten, im 1. Obergeschoss ist Platz für Ateliers und Ausstellungen, im 3. Obergeschoss sollen auch noch Ateliers sein.

Rustikales Inneres: Dem Gebäude sieht man seine ursprüngliche Funktion noch deutlich an.

Platz satt für alle kulturellen Veranstaltungen, die man sich nur denken kann.

Musiktipp:  Irie Révoltés

https://www.youtube.com/watch?v=IUzVY_V4_RY

aber vor allem  „Bilderbuch“, echte Schweizer DaDa-Kunst, https://www.youtube.com/watch?v=pV-GGCrRcu0

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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