Ohne jede Erfahrung rein in die Politik? Das kann nicht gutgehen

Wer fotografiert, sollte sich vorher kundig machen und üben, üben üben. Dann gelingen noch viel bessere Fotos vom Kennedypark als hier. Auch wer sich in der Politik für seine Mitmenschen engagiert, sollte dies nicht gänzlich uninformiert und unerfahren machen.

Mit Freude wird in diesen Tagen in den Medien vermerkt, dass Frankreichs neuer Staatschef Emmanuel Macron viele Politik-Neulinge in die Nationalversammlung bringen wird. Alles, Leute, die noch nie ein politisches Amt innehatten, und die den Politikbetrieb nicht von innen kennen. 

 
Wenn das mal gutgeht . . . zweifle ich. Und frage mich: „Woher kommt eigentlich der Eindruck, dass ausgerechnet die Politik ein Arbeitsfeld ist, das man ohne lange Ausbildung und praktisches Üben einfach so kann?“
 
Für alles braucht man eine mehrjährige Ausbildung: Um jemand die Haare gut zu schneiden, um ein Abwasserrohr zu verlegen und richtig anzuschließen oder eine schöne Webseite zu bauen . . . immer würde man diese Aufgaben am liebsten jemand übertragen, der das schon zwei, drei Jahre theoretisch und praktisch geübt hat. 
 
Von heute auf morgen, ohne lange Lernphase, Politiker zu werden, das ist wie von heute auf morgen Chirurg zu werden oder Lehrer oder Ingenieur. Warum denken viele, es könnte bei Politikern klappen, was bei Arzt, Lehrer und Ingenieur garantiert in die Hose geht? 
 
Politik in einem Stadtrat, im NRW-Landtag, im Bundestag „das kann doch jeder“. Tja, bei den Piraten ist das gründlich schief gegangen. Sie hatten keine Ahnung vom Politikbetrieb und sind auf der ganzen Linie gescheitert. (Nicht in Aachen, wo sie nach einer jahrelangen Lernphase jetzt erstmals als Fraktion arbeiten.)
 
NRW-Piraten hatten keine Ahnung von Teamarbeit auf dem politischen Feld, wie man sich Mehrheiten, die auch halten, zusammensucht. Wie man Kompromisse schließt und wie man mit der Presse umgeht. Ja, sie wussten nicht mal und wissen es bis heute nicht, was das Interesse der Presse ist. Das konnte ich sehr gut beobachten. 
 
Bei den Piraten ist noch interessant, dass sie selbst in fünf Jahren nicht fähig waren, das alles zu lernen. Bis zum Schluss nicht. Das könnte bei Macrons Truppe anders sein, möglicherweise lernen diese Leute schneller. Es ist zu hoffen.
 
Und noch etwas unterscheidet die französischen Newcomer (hoffentlich) von den Piraten: Wenn man etwas nicht kann und nicht weiß, muss man sich unverzüglich professionelle Hilfe holen. Das ist teuer, aber eine Spitzenkraft ist 1000 mal effektiver als vier oder fünf studentische 450-Euro-Kräfte, die ebenfalls keine 20 Jahre Erfahrung haben im Politikgeschäft, noch nicht mal fünf Jahre. 
 
Macron wird von seinen „Politik-Neulingen“ keine Unterstützung erfahren, das sehe ich kommen. Die Presse wird ihre persönlichen Lebensumstände ausleuchten, mit verheerenden Ergebnissen. Die Herrschaften werden übertrieben idealistisch handeln, intern streiten und über diese Streite in der Öffentlichkeit quatschen. Sie werden sich selbst eitel überschätzen und lächerlich wirken. Und sie werden Dinge sagen und tun, über die man nur lachen kann. Wetten? 
 
Neulinge in der Politik werden grotesk überschätzt. Die Wähler haben die etablierten, professionellen Politiker, deren  Unehrenhaftigkeit und Verlogenheit so satt, dass sie jeden wählen, der mit angeblich „unvorbelasteten“, „neuen“, „frischen“ Kandidaten ankommt. Die aber leider null Ahnung vom Fach haben, das kann nicht gutgehen. Politik ist eine hochspezialisierte Sache. 
 
Oder sie wählen gleich einen kompletten Idioten, weil der erst  mal alles kaputt haut, und danach kann man ja dann mal sehen, was sich machen lässt. Das fällt doch jedem auf, dass sich derzeit die Vollidioten übergroßer Beliebtheit erfreuen: Donald Trump, Alexander Gauland, Marine Le Pen, Boris Johnson, Nigel Farage . . . um nur die zu nennen, die gestern wieder im TV zitiert wurden. Und denen läuft das Volk nur hinterher, weil es sich von den etablierten Demokraten a la Schulz und Maas betrogen fühlt. 
 
Macron wird „Frankreichs Kennedy“ genannt. Das Präsidentenlager kann am kommenden Sonntag mehr als 400 der 577 Abgeordnetenmandate erobern. Davon mehr als die Hälfte der Abgeordneten: komplett unerfahren. 
 
Das gibt eine Enttäuschung und ein Reinfall! Oh mein Gott. 

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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