Karlspreis-Tag: Rundum ein Erlebnis

Und wieder ist Himmelfahrtstag, und wieder wird ein Mann mit dem Karlspreis ausgezeichnet: Für seine enormen Verdienste um die Einheit Europas, das gerade eine Friedenszeit erlebt, wie noch nie zuvor in seiner ansonsten 100 Prozent barbarischen Geschichte.

Interview am Vortag der Preisverleihung auf dem Katschhof für die Aktuelle Stunde: Timothy Garton Ash wird von Bettina Staubitz befragt. Der OB (r.)  schaut zu und freut sich.

Timothy Garton Ash (sein Buch, 2016: Redefreiheit. Prinzipien für eine vernetzte Weltist ein Wissenschaftler. Es wird 2017 mal kein EU-Abgeordneter oder ein EU-Bürokrat ausgezeichnet, der „nur“ seine Arbeit gemacht hat, so gut er eben konnte. Und es wird auch kein Promi ausgezeichnet wie der Papst, der den Preis bekommt, weil sich die Stadt Aachen damit selbst in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit katapultieren kann. Nein. Hurra, es ist ein Wissenschaftler, und sogar einer mit Neigung zum journalistischen Schreiben.

Der Preisträger steht in der Mitte auf der Katschhof-Bühne.

 

Wir haben ein fröhliches Fest erlebt, der Preisträger hatte Musik aus Great Britain mitgebracht. Es gab zwei tolle Reden: Die vom Oberbürgermeister war gut, und natürlich ganz besonders die Rede von Timothy Garton Ash hat mir gefallen (könnt ihr hier nachlesen).

Diese Leute haben wahrscheinlich gedacht, sie glauben es nicht, dass so einer den Karlspreis bekommt. Sie spazierten zum Markt, wo auch ziemlich viele Polizisten rumstanden.

Ja, ja. Ich weiß auch, dass im Grunde nur noch wir Deutsche die Europäische Gemeinschaft (EU) geil finden, sonst keiner. Aber mir will nicht in den Kopf, dass wir aus diesen quasi schäbigen Überresten von Einheit nicht doch noch was Gutes machen könnten. Klar, die Leute haben diese ganzen Krisen satt. Dauernd steht Griechenland kurz vor dem finalen Untergang. Wer möchte schon gern, dass BANKEN mit Steuergeld gerettet werden? Und das ganze Flüchtlings-Elend kann einen auch depressiv machen. So oder so: Früher war alles besser, und da hatten wir noch keinen Euro und keinen Maastrichter Vertrag. Bla bla, blubb blubber blubb.

Am schlimmsten: Milliarden verteilt Brüssel JEDES JAHR an Neumitglieder, die sich in Sachen Minderheitenschutz, Pressefreiheit, Schaffung von demokratischen Strukturen usw keinen Deut an die Regeln halten, die allein die Mitgliedschaft in der EU voraussetzen. Ungarn zum Beispiel. Nicht zu reden von der Türkei. Dabei brauchte man dort nur den Entzug der Finanzmittel anzudeuten und diese Regimes ändern ihren Kurs, weil die Subventionen aus Brüssel der einziger Grund sind, warum sie zur EU gehören möchten.

Ehrlich gesagt: Wozu soll es einen Club geben, dessen Mitglieder sich nicht an die Club-Regeln halten müssen? Wozu braucht man so etwas?

Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus konnte man wieder mittels Großleinwand mitverfolgen, was sich im Krönungssaal (da soll es heiß gewesen sein) abspielte.

Na ja, jedenfalls gibt es außer mir glücklicherweise noch ein paar andere Leute, die an die EU glauben. Die schwingen sich jetzt auf und gehen zu  Pulse-of-Europe-Treffen. – Bei der Preisverleihung heute überraschte die Musik: Manfred Leuchter spielte auf dem Akkordeon. Ihr kennt das, da hätte man noch lange zuhören können. Hier das Programm:

Bitte seht: „Die Karlshymne wird stehend in lateinischer Sprache . . . gesungen.“

Sonst gab es bei der Karlspreisverleihung viel Sehenswertes: Viele Polizisten, einige mit Maschinengewehren, viele an den Zugängen quergestellte Wagen, Malteser und Rotes Kreuz massiv vor Ort, und wer in die Nähe der Katschhof-Bühne wollte, wurde von oben bis unten abgetastet („Haben Sie ein Messer dabei?“). Alles in allem waren die Sicherheitsmaßnahmen aber noch erträglich. Es entstand ein Gefühl von Schutz, und das ist ja wohl auch der Sinn von den Maßnahmen.

Büchel-Auffahrt zum Markt.

Marktplatz, Auffahrt an Sinn vorbei in die Großkölnstraße.

Schräg gegenüber vom Eingang zur Dom-Schatzkammer.

Die sogenannte Karlshymne hat übrigens folgenden Wortlaut. Bitte auswendig lernen und täglich singen.

Viele große Namen suchte man auf der Gästeliste vergeblich. Die Herrschaften waren anderweitig beschäftigt (Kirchentag, Berlin usw.). Entsprechend reduziert war auch das Presse-Aufgebot. ARD und WDR waren aber natürlich gut vertreten.

Dieses Video entstand irgendwann im März oder April 2017:

 

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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