Klaus Paier im Forum sehr brav inszeniert

In ein Wechselbad der Gefühle stürzte einen jetzt eine Veranstaltung im Ludwig Forum. „Optische Schreie“ mit Werken vom Aachener Wandmaler Klaus Paier ist eine Ausstellung (zu sehen bis 1. Oktober), deren Eröffnung viele enttäuscht verließen.

„Schön, dass es überhaupt noch mal etwas von Klaus Paier zu sehen gibt. Blöd, dass nichts von der Wut, Angst und der Leidenschaft rüberkommt, die Paier und seine Zeitgenossen damals gepackt hatte.“ Das denke ich über die Präsentation.

Und weiter: Die Ausstellung wird den Werken Paiers nicht gerecht, sie ist absolut brav und nett inszeniert, und das passt überhaupt nicht zu Paiers Bildern und zu denen von seinem Freund und Malerkollegen Josef Stöhr. Es ist eine kleine Ausstellung im vorderen Teil des Ludwig Forums auf nur einer Etage. Es werden auch nicht alle Fotos gezeigt, die das Forum besitzt. Und dann die Skizzen! Es sind nur wenige, kleine.

Wohl 200 Leute hatten sich im Forum eingefunden, um die Bilder zu sehen, die vor über 30 Jahren anonym an Aachener Wänden erschienen, und die uns damalige Zeitgenossen stark beeindruckten. Sie sind heute so aktuell wie in den 80er Jahren. Drei Reden gab es, die man lieber nicht gehört hätte. Insbesondere die des Vertreters der Stadtverwaltung war wie ein Schlag in die Magengrube. Wie harmlos er die seinerzeitige Zerstörung der Bilder von Klaus Paier darstellte! Es konnte einem schlecht werden.

Große Kunst wurde in Aachen systematisch weggeätzt. Wir haben es erlebt, es schmerzt noch heute.

Mich wundert, dass es immerhin noch ein wenig Beifall gab nach der Rede. Eine junge Mitarbeiterin des Forums und Forumschef Beitin selbst wussten wenig Erhellendes über Paier, seine Kunst und die Radikalität, mit der sie von offizieller Seite immer und immer wieder zerstört wurde, zu sagen. Dabei waren mindestens drei Personen anwesend, deren Wortbeiträge man gern gehört hätte: Dr. Wolfgang Becker, der als kluger Forumschef seinerzeit die Fotos kaufte, Regina Weinkauf, die alles fotografierte, was von den Wandmalern blieb und heute verrottet, und Heinrich Schauerte, ein kritischer, intelligenter und überaus kompetenter Beobachter der Aachener Kunstszene.

Paiers Kunst war nie nett und harmlos, und man muss sich schon viel Mühe geben, sie so nett und harmlos zu inszenieren, wie dies jetzt im Forum zu erleben ist. Warum hat Paier seine Bilder anonym veröffentlicht? Warum hat er sie nicht für ein Museum, eine Galerie, einen Kunstsammler gemalt und viel Geld dafür kassiert?

Zum Schluss sah ich, dass jemand in der Ausstellung Paier selbst zu Wort kommen ließ. Ein Text von ihm klebte plötzlich an der Wand: „Warum ich auf Betonwände male?“

Beide Aachener Wandmaler, Paier und Stöhr, malten auf Wände und mussten sich dafür vor Gericht verantworten. Doch was waren das für Wände, die da „beschmiert“ und „sachbeschädigt“ wurden? Der Richter befand, die Wände sind so verrottet, eine Sachbeschädigung liegt nicht vor.

Ganz schön was los bei der Eröffnung der Ausstellung „Optische Schreie“ im LuFo in Aachen.

Lest auch, was Hermann Josef Pilgram, für die Grünen im Rat der Stadt, auf Facebook geschrieben hat. https://www.facebook.com/hermannjosef.pilgram

 

 

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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4 Antworten zu Klaus Paier im Forum sehr brav inszeniert

  1. Peer van Daalen schreibt:

    Abgesehen davon, daß ich in Portugal war, – ich wäre zu diesem billigem Spektakel eh nicht hingegangen. Ich kann diese „offiziellen“ städtischen Gestalten einfach nicht ertragen. Dazu gehört auch der Pilgram. Oder gab es etwa ein paar leckere Häppchen-Teller? Das wäre gerade noch so ein Grund gewesen …

    Hätte ich allerdings gewußt, daß der Heinrich, die Regina Weinkauf und auch der Josef Stöhr anwesend gewesen waren, hätte ich vor der Tür gewartet. Hab den Heinrich und die Frau Weinkauf lange nicht mehr gesehen und den Stöhr noch nie.

    Einer hat da gefehlt und das wäre Onkel Kutte gewesen. Der hätte mit Sicherheit auch was Gescheites zu sagen gehabt.

    Wer Böcke hat mal hier rein zu schauen …

    Josef Stöhr & Klaus Paier | Zur Erinnerung

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  2. Pingback: „Ich will Kunst für alle“ – Gut zu wissen

  3. Regina Weinkauf schreibt:

    Auch ich war ziemlich enttäuscht. Schade, eine gute Chance durch Ignoranz seitens der Stadt vertan, einen Pionier der Street Art entsprechend zu würdigen. Der beste Redebeitrag war der von Josef Stöhr, der ungefragt das Wort ergriff. Von ihm hätte ich gerne noch mehr gehört, denn er war ja schließlich mit dabei. Was hätten wir alles für spannende und interessante Dinge hören können. Sicherlich wäre auch eine Fragemöglichkeit seitens des Publikum super gewesen. Der meiste Beifall für den Vertreter der Stadt war sicherlich von seinen vielfach erschienenen Kollegen aus der Stadtverwaltung, was er in seiner Rede vermerkte!
    Regina Weinkauf

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  4. Uschi Ronnenberg schreibt:

    Sehr treffend be- und geschrieben, liebe Margret! Ich war ja auch da und habe es sehr ähnlich empfunden…

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