Was darf/muss das Stadttheater kosten?

Es sei hier gestattet, ein paar Worte zum Stadttheater anzumerken. Das Aachener Haus ist gut besucht, fast immer agieren die Künstler*innen vor vollen Sitzreihen. Über 40.000 Aachener sahen z. B. das Musical „West Side Story“ in Aachen. Aber so ein Stadttheater ist auch ungeheuer teuer.

Unmittelbarer Anlass, mir Gedenken zu machen, ist der Besuch der beiden Vertreter der Aachener Theaterwelt im Piratenbüro: Philipp Manuel Rothkopf und Hannes Schumacher.

Die beiden Schauspieler machen – wie zahllose andere Kollegen in anderen Städten – Politiker aller Parteien auf die missliche finanzielle Lage der Künstler aufmerksam. Und auf die Bedeutung und die Bedingungen lokaler Theaterarbeit.

„Hunger wie ’n Schauspieler haben“, das ist eine in Aachen bekannte, uralte

Philipp Manuel Rothkopf und Hannes Schumacher (v.l.) zu Gast im Piratenbüro.

Philipp Manuel Rothkopf und Hannes Schumacher (v.l.) zu Gast im Piratenbüro.

Redensart. Das kommt nicht von ungefähr. Dass Schauspieler mit gefährlich wenig Geld auskommen müssen, ist in Aachen nichts Neues. Und das sogar  in einer Zeit, wo das Stadttheater nicht weniger als 20 Millionen Euro im Jahr bekommt. 20 (zwanzig) Millionen Euro aus der Kasse der Stadt Aachen! So viel wie nie. Hallo?

(Liebe Leute, das ist ein Riesenhaufen Geld. Wenn da nicht jeder in dem Laden einigermaßen gerecht bezahlt wird, dann stimmt mit der ganzen Einrichtung was nicht. Man könnte verlangen, dass sie geschlossen wird.)

Das Theater und das Theaterspielen wurden Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung im alten Griechenland erfunden. Das Theater war beliebt und als Unterhaltungseinrichtung der Hit . . . bis der Film erfunden wurde und das Publikum in die Kinos rannte. Den nächsten Schlag erhielt das Theater, als das Fernsehen erfunden wurde, fortan versammelte sich die Menschheit zuhause vor der Glotze. Und jetzt? Jetzt gibt es das Internet und alle Welt befasst sich mit  YouTube-Videos. Allerdings sind jetzt auch erstmals aus Konsumenten von Bildern und Geschichten Produzenten geworden (das ist ein Quantensprung).

Na ja, ältere Leute gehen natürlich immer noch massenhaft ins Theater, aber nur, weil sie technisch nicht auf der Höhe der Zeit sind. Sie werden aussterben. Oder nicht?

Bisher hat man jedenfalls immer die neuen und die alten Darstellungsweisen beide genutzt. Das Kino hat das Theater nicht kaputt gemacht, es ist nur hinzugekommen. Das Fernsehen hat danach das Kino nicht kaputt gemacht, es ist auch nur hinzugekommen. Und so ist jetzt auch noch das Internet mit seinen Möglichkeiten dazugekommen. Wir können also davon ausgehen, dass das Theater (Schauspiel/Oper/Musical) nicht aus der Welt verschwindet. Nur, in welcher Form genau wird es finanzierbar sein?

Ich weiß keine Region auf der Welt, wo es so viele Theater und Museen gibt wie in Deutschland. Das schreit nach Zusammenschluss und Zusammenlegung. Warum müssen wir alles in Aachen haben? Warum können wir nicht mit dem Zug flott nach Köln fahren, um ein Schauspiel zu sehen oder nach Brüssel, um da eine Opernaufführung zu erleben? Müssen wir alles drei Straßen weiter, vor der Haustüre vorfinden? Und diejenigen, die nie nach Köln fahren würden, die gehen auch jetzt hier in Aachen nicht ins Theater.

So könnten sich die Städte die Arbeit teilen: In Köln geht man ins Schauspiel, in Aachen ins Musical und vielleicht in Bonn in die Oper. Oder umgekehrt, und jedes Haus hätte sich spezialisiert und könnte für sich wirtschaftlicher arbeiten.

Oder man schafft es, ein- und dieselbe Produktion durch die Städte wandern zu lassen. Dann müssten aber die Bühnen alle gleich sein, bzw. gleich gemacht werden. So, dass Auf- und Abbau ganz einfach und quasi automatisch vonstatten gehen.

Für mich ist das Theater die Möglichkeit, mich mit den Themen zu befassen, die mich ohnehin sehr interessieren, aber dies einmal auf eine ganze andere Weise zu tun: Nicht in Form einer Podiumsdiskussion oder indem ich still alleine einen Text lese. Zuletzt wurde mir so das Schicksal von US-Whistleblower*in Manning anders nahe gebracht. Aber wie es mit dem Theater weitergehen soll, das weiß ich – muss ich zugeben – auch nicht genau, bleibe aber dran.

http://www.aachener-zeitung.de/lokales/aachen/die-radikalisierung-bradley-mannings-feiert-in-der-kammer-premiere-1.1367529

http://www.klenkes.de/kultur/buehne/74837.buehnenkritik-die-radikalisierung-bradley-mannings.html

und: https://www.youtube.com/watch?v=UVPNxRaf7KE

zum Finanziellen hier die Anlage beachten http://ratsinfo.aachen.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=15909

*

Via Facebook hat Ph. M. Rothkopf zum Thema noch mitgeteilt: 

Hallo Margret. Bei Deinem Blog ist es mir wichtig zu bemerken, dass gerade in einer Zeit, in der durch neue Medien die Beschleunigung unendlich wird, die Entschleunigung durch das Theater unverzichtbar ist. Sie schärft den Blick und das Bewusstsein für das Wesentliche. Geduld, Liebe, Mitgefühl und Zeit, die man sich und anderen schenkt. Liebe Grüße, Philipp.

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Was darf/muss das Stadttheater kosten?

  1. Harald Wolff schreibt:

    Liebe Margret Vallot,
    ich würde mir von Aachener Politiker*innen mehr Selbstbewusstsein wünschen. Sie könnten ja auch die Frage stellen, warum nicht einfach alle Kölner und Brüsseler nach Aachen kommen, um dort Schauspiel und Oper zu sehen. Und alle übrigen Fragen finden Sie, gerade im Hinblick auf Aachen, hier beantwortet: http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=12994:erfahrungsraeume-der-demokratie&catid=101:debatte&Itemid=84
    Viele freundliche Grüße,
    Harald Wolff

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s