Südlimburg (NL) zeigt uns Tourismus im digitalen Zeitalter

Mitte November tagte mal wieder – nach monatelanger Pause – der Tourismus- und Kulturausschuss der StädteRegion, zu der auch die Stadt Aachen gehört. (Nebenbei: Ich stimme in der StädteRegion in immer weniger Punkten mit der Gruppe Piraten-ufw überein, zu der ich gehöre.)

Tourismus und Kultur müssen mit Augenmaß finanziert werden. Da ist es gut, wenn man gelegentlich über den Tellerrand schaut, zum Beispiel zu den Niederländern, die ihren Tourismus und seine Förderung ganz neu aufgestellt haben und damit schon viele Auszeichnungen erhielten.

Der Tourismusverband von Südlimburg ist im digitalen Zeitalter angekommen. Informationen werden auf der Seite des Verbandes mit möglichst wenig Text (mit Links) präsentiert, allerdings mit vielen Fotos, Grafiken, Kurzvideos, Musik, Slogans in Tweetlänge. Man orientiert sich an Darstellungsformen, die die Menschen von Facebook kennen, von Twitter, Snapchat, YouTube, Spotify, Instagram, Periskope, WhatsApp und was es sonst noch alles für Plattformen gibt. Man gibt den Touristen Tipps, mit denen sie im Smartphone-Zeitalter etwas anfangen können, z. B. wo sie die schönsten Selfies machen können oder prima Videos für YouTube usw. usw. usw.

Und: Auch die Betreiber der touristischen Betriebe wurden durch Weiterbildungen auf Vordermann gebracht. Sie fertigen Videos, Blogs usw. an mit vielen Fotos. Sie haben verstanden, dass sie mit althergebrachter Tourismus-Werbung in Kürze untergehen würden.

Es war eine spannende Vorführung, die die Ausschussmitglieder einen Blick in das 21. Jahrhundert werfen lies. Der VVV Südlimburg möchte unter anderem mit der Eifel zusammenarbeiten (hahaha, bitterlach), um das touristische Angebot für die Region insgesamt noch attraktiver zu machen.

Doch daraus wird nichts, die Eifel ist – was das digitale Zeitalter betrifft – noch im 18. Jahrhundert steckengeblieben. Dies ganz im Gegensatz zur niederländischen Region Südlimburg. In der Eifel ist das Internet fast überall langsam bis sehr langsam, es gibt Funklöcher und Bereiche, wo gar keine Verbindung zum Internet zu bekommen ist. Und sieht man sich an, wie wenig in zukunftsträchtige Glasfaserkabel investiert wird, so ist sicher, dass diese Rückständigkeit der Eifel noch lange erhalten bleibt.

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Die Vertreter von CDU und SPD in diesem Ausschuss sind im Grunde außerordentlich konservativ gestrickt. So war auch klar, dass man vor dem neuen „Konzept zur Kulturförderung“ zurückschreckte, nicht darüber abstimmen wollte und auch keine positive Resonanz kam, außer von mir und von Georg Helg von der FDP.

Das Konzept/Strukturpapier hat Nina Mika Helfmeier vorgelegt, sie ist Leiterin der Stabsstelle für Kultur der StädteRegion und Organisatorin des Kulturfestivals des Kommunenverbundes. Im Rahmen des „Kulturfestival X“ können Menschen, die sich sonst derartig Hochkarätiges niemals leisten können, Lesungen und Konzerte von Spitzenstars in den Gemeinden der StädteRegion erleben. Außerdem führt Nina Mika-Helfmeier mit großem Erfolg das KuK in Monschau, eine kulturelle Einrichtung, die mit ihren Ausstellungen mehr Zustrom (mehr als 35.000 Menschen pro Jahr) verzeichnet als jedes Aachener Museum.

„Kommunale Kulturförderung ist Verfassungsauftrag. Die Städte haben die Aufgabe, individuell für die jeweilige Stadt ein Kulturprofil zu entwickeln, das der kulturellen Identität der Stadt entspricht, Traditionen aufnimmt und Zukunftsperspektiven aufnimmt.“ (Deutscher Städtetag)

Mit anderen Worten: Wer die kommunale Kulturförderung auf Null setzt, verstößt gegen die Verfassung.

Auf Bitten der Politiker hatte Nina Mika Helfmeier das Strukturpapier entworfen. Sie hat enorm wenig Geld zur Verfügung, will die Kulturförderung in die Breite der Region bringen und deshalb das „September Special“ in Aachen und die Monschau Klassik nicht mehr finanziell (mit jeweils 25.000 Euro) unterstützen. Die Chorbiennale soll statt 25.000 Euro nur noch 15.000 Euro aus der Städteregion bekommen.

Das Sparpotential (60.000 Euro) möchte sie verwenden für andere Projekte. Erhalten will sie auf jeden Fall das Engagement für das KuK und das Festival X.

Das muss alles vor dem Hintergrund gesehen werden, dass die Städteregion im Jahr 2015/16 genau 1,26 Milliarden Euro ausgegeben hat/haben wird. 1,26 Milliarden in zwei Jahren, und da soll sich die Kultur nicht mal im Mikro-Bereich drin wiederfinden dürfen?

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Im Ausschuss stand auch die Reparatur von Fahrradwegen an, die die Kommunen aus Geldmangel nicht mehr schaffen. Ich habe einer Ausgabe von 30.000 Euro zugestimmt. Aufgabe: Freihaltung des Lichtraumprofils und Mähen der Bankette, Unterhaltung der Wegebefestigung, Unterhaltung der Entwässerungseinrichtung.

Ich halte es für komplett bescheuert, einmal angelegte, wichtige und vielbefahrere Radwege nicht zu pflegen. Zumal die Summe dafür sich sehr in Grenzen hält.

Zur Aufmunterung: was von „Fraktus“: https://www.youtube.com/watch?v=nCG4SzThCl0&feature=youtu.be

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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