Ratspolitik: Es geht um Bauland und Wohnungsbau

Aachen Wohnungsbau

In Aachen wird gebaut, wie hier am Veltmannplatz. Doch es könnte noch mehr sein. Nicht nur in Aachen-Nord.

Diese Woche wird in Aachen an drei Tagen Politik gemacht, aber nur ein Ausschuss soll hier erwähnt werden: der Planungsausschuss, dessen ehrenamtlich arbeitende Mitglieder sich am Donnerstag, 6. Oktober, (17 Uhr, Lagerhausstraße, Saal 170) treffen. Die Sitzung ist öffentlich.

Zunächst soll in diesem Ausschuss kurz über das Projekt „Revitalisierung Aachen-Nord“ informiert werden. Es handelt sich um das Gebiet an der Jülicher Straße, wo sich auch das Ludwig Forum befindet.

Dort gibt es viele weitläufige Gewerbeflächen, nicht wenige sind Brachen, aus denen sich gut noch etwas machen ließe. Denn insgesamt ist das Viertel innenstadtnah, da könnte man Firmen aus dem IT-Bereich ansiedeln. Deshalb wurden die Kadawittfeldarchitektur GmbH (kwa) und das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen beauftragt, eine Standort-und Marktanalyse des Bereichs anzufertigen.

Was diese Analyse ergeben wird, lässt sich leicht vorhersehen. Dass nämlich Aachen wächst, das Gebiet zu schade ist, um dort Flächen brach liegen zu lassen, dass wertvolles Potential ungenutzt bleibt und dass teils auch Wohnungsbau möglich wäre. Klar ist, dass die moderne Industrie durchaus schick in Innenstadtnähe aussieht und Sinn macht.

Was auch noch nicht jeder weiß: Senioren wollen in die Stadt, Studenten desgleichen und Flüchtlinge holen ihre Familien nach. In der tiefen Eifel  und im Dürener Land werden dagegen ganze Dörfer leerfallen, so sehr zieht es die Menschen in die Städte, wo das Leben pulsiert. Aber das ist ein anderes Thema und steht im Aachener Planungsausschuss nicht zur Diskussion.

Die Stadtverwaltung schreibt in ihrer Vorlage, die den Politikern bei Entscheidungen Hilfestellung geben soll: „Gefordert sind Top-Arbeitsplätze, innenstadtnah, eng vernetzt mit der Wohnumgebung und einer guten Nahversorgung, einem hohen Maß an Aufenthaltsqualität und nachhaltiger Mobilität.“ Und diese Top-Arbeitsplätze ließen sich an der Jülicher Straße durchaus einrichten, zum Teil sogar in alten Bauten, die ja ihren Charme haben.

***

Im Planungsausschuss steht ein weiteres Thema auf der Tagesordnung: Die Aachener Wohnungsbau-Akteure haben sich zu einem Runden Tisch getroffen. Die Investoren haben der Verwaltung erklärt, was sie daran hindert, mehr Wohnungen für Menschen zu bauen. Und die Beamten haben ihrerseits erklärt, an welche Vorgaben sie sich zu halten haben und was trotzdem noch machbar ist. Ziel: Mehr Wohnungen bauen.

Aachen hat allein bis 2020 einen Neubaubedarf im Bereich der Mehrfamilienhäuser von etwa 2600 Wohneinheiten. Und, so steht es in der Vorlage: Einen besonderen Schwerpunkt sieht der Gutachter im Bereich des öffentlich geförderten/bezahlbaren Wohnungsbaus.“ Es ist so: Teure Wohnungen haben wir genug, preiswerter Wohnraum fehlt.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen könnten mal nicht so eng ausgelegt werden, sollen die Investoren gemeint haben. Außerdem: Der Baulandbeschluss sei zu kompliziert, kein Mensch würde verstehen, was gemeint ist. Mehr Geschosse und dichtere Bebauung möge die Verwaltung gestatten, so wurde angeregt. Auch die hohe Zahl von Stellplätzen sei ein Hinderungsgrund. Manchmal würden diese angelegt aber gar nicht gebraucht.

Die Verwaltung schlägt den Politikern vor, die kommenden Gesprächsrunden zu einem „Runden Tisch der Aachener Wohnungsmarktakteure“ zu erweitern. Neben den bisherigen Teilnehmern sollen auch Vertreter der Politik, des Mieterschutzvereins und Interessenvertreter der Hauseigentümer eingeladen werden.

***

Nur ganz kurz gehe ich auf den Punkt „Thermalwasserroute“, der ebenfalls auf der Tagesordnung steht, ein. Die Verwaltung meint, es ist dafür kein Geld da. Die Politiker von CDU und SPD meinen: Egal, wir machen das trotzdem.

100.000 Euro sollen für die „Thermalwasserroute“ aus der Stadtkasse kommen, der Landschaftsverband Rheinland (LVR) werde dann 65.000 Euro dazutun und eine Stiftung („Natur, Heimat, Kultur“) gibt 155.000 Euro. Die Aachener „Bürgerstiftung Lebensraum“ hat das Projekt erfunden, gibt aber angeblich nur 12.000 Euro. Alles in allem werden vorerst 330.000 Euro zusammengekratzt, anfangs sollte das Projekt sogar 900.000 Euro kosten.

Geplant ist eine Handy-App, ein Rundgang, bei dem virtuell die Thermal- und Bädergeschichte Aachens in der Innenstadt dargestellt wird. An den einzelnen Standtorten soll auch gebaut werden. Und es soll am Aachen-Fenster ein riesiger Wassertropfen mitsamt Geruchsdüse und Filmfenster hingestellt werden.

Wenn man sonst nichts hat, wofür man sein Geld für ausgeben kann, dann ist das sicher ein schickes Projekt. Wobei ich allerdings skeptisch bin, wenn wieder Sachen in der Innenstadt aufgestellt werden. Es steht schon genug Krempel herum, ein dicker Wassertropfen ist mMn vollkommen überflüssig.

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Ratspolitik: Es geht um Bauland und Wohnungsbau

  1. Pingback: Politik in Aachen: letzte Sitzungsetappe in diesem Jahr beginnt – Piratenpartei Aachen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s