Funken von Lebensfreude und Ausgelassenheit. McBride in Monschau.

Sehenswerte Ausstellung in Monschau im KuK: Will McBride. Titel: "Ein sensibler Realist".

Sehenswerte Ausstellung in Monschau im KuK: Will McBride. Titel: „Ein sensibler Realist“.

Es ist eigentlich überflüssig darauf hinzuweisen, aber in Monschau gibt es wieder eine Fotoausstellung, die ihr gesehen haben MÜSST. Sage und schreibe 120 schwarz/weiß Fotos von Will McBride hängen (gar nicht zu eng) auf zwei Etagen im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion (KuK), die haben mich wirklich begeistert.

Diese Fotos stellen uns u.a. eine kurze und bedeutungsvolle Zeitspanne bundesdeutschen Lebens (Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre) glasklar und scharf gezeichnet vor Augen. Dazu passt auch, wie Romy Schneider abgebildet ist: Mit ihren erst 25 (!) Jahren selbst dann noch traurig, wenn sie lächelt. Ganz und gar typisch Deutsch, würde ich sagen. Immer mit der Ansage im Blick: „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin!“ Deutsch sein bedeutete damals noch viel mehr als heute, traurig zu sein und nicht zu wissen warum.

Doch Will McBride, ein Amerikaner (geb. 1931) sah in den Ruinen von Berlin auch Funken von Lebensfreude und Ausgelassenheit. Ein Wahnsinns-Krieg, wie ihn die Welt noch nie zuvor erlebt hatte, war zu Ende gegangen und zugleich gibt es – junge Menschen – die lachen, tanzen, froh sind, vermutlich, weil sie überhaupt noch am leben sind.

Der junge US-Präsident Kennedy kommt nach Berlin, und man sieht ihn auf Fotos mit dem alten Adenauer, der – so scheint es – sein Urururopa sein könnte. Zwei fremde Welten begegnen sich. Krass. Ich finde, auf jedem Berlin-Foto von Will McBride ist noch der Odem der Untaten zu spüren, die die Deutschen gerade begangen haben.

mcbride_70Die Berlin-Bilder sind mit 50 Stück ein Schwerpunkt der Ausstellung. Außer Fotos, die in Berlin entstanden sind, gibt es noch beispielsweise solche aus Florenz, ebenfalls sehenswert. Und Bilder, die für die Zeitschrift „Twen“ gemacht wurden.  Schwer vorstellbar, dass so starke schwarz/weiß Fotos jemals in eine Jugendzeitschrift für Lifestyle-Themen aufgenommen wurden. Ich habe aber nie eine Ausgabe von „Twen“ persönlich gesehen.

Bei Wikipedia ist immerhin zu lesen: „Für das Frauenbild der Zeit wurden die Fotos des bei München lebenden Amerikaners Will McBride prägend. Er schuf keine Glamourbilder, seine Frauen sahen aus wie die Studentinnen im Hörsaal oder er inszenierte sie als Außenseiterinnen.“ Krass. McBride fotografierte auch seine hochschwangere Frau im Profil, und dieses wundervolle Foto, auf dem die Frau völlig bekleidet ist, soll damals als öffentliches Ärgernis gegolten und für Riesenaufregung gesorgt haben. Kaum zu glauben.

Will Mc Bride „gehört in die erste Reihe fotografierender Künstler“, steht im Prospekt zur Ausstellung. Wohl wahr. Sehr schön und konsequent, was die Städteregion uns im KuK wieder sehen lässt. Seit Jahren schon: Kein Kuddelmuddel von Stilen und Kunstformen, sondern ein Programm mit Linie. Es gibt übrigens auch einen schönen Katalog (29,90 Euro) zur Will McBride-Ausstellung.

Die Fotos sind noch bis zum 19. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: Di. bis Fr.: 14 bis 17 Uhr und Sa., So.: 11 bis 17 Uhr. Eintritt frei.

https://de.wikipedia.org/wiki/Twen_(Zeitschrift)

https://www.facebook.com/KuKMonschau/?fref=ts (Hier findet sich ein schöner Text von Gabor Baksay, unbedingt auch lesen.)

www.kuk-monschau.de

 

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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