In Aachen: Dezentrale Verteilung von Jodtabletten geplant

Auf 65 Seiten wird über allerlei Katastrophen und angemessenes verhalten informiert. Das Heft konnte man jüngst im Bürgerforum bekommen.

Auf 65 Seiten wird über allerlei Katastrophen und angemessenes Verhalten informiert. Das Heft konnte man jüngst im Bürgerforum bekommen.

Das war spannend: Die Diskussion im Bürgerforum zu der Frage, was in Aachen von seiten der Verwaltung unternommen werden kann/muss, um im Fall eines atomaren Unfalls (in den belgische Schrott-Reaktoren) wenigstens minimal gewappnet zu sein. Endlich war es mal gelungen, zuständige Leute aus dem NRW-Umweltministerium und der Bezirksregierung Köln nach Aachen zu holen. Aachens Feuerwehrchef und zwei Dezernenten waren ebenfalls zugegen. Auf den Zuschauerplätzen: leider nur 4 Personen.

Gefühlt seit ewigen Zeiten ist „Tihange“ ein Thema in Aachen. Nach 40 Jahren sollte der Risse-Reaktor eigentlich für immer abgeschaltet werden, das war fest verabredet. Doch es wechselten Männer aus der Chefetage von Electrabel in die Chefetage der Atomaufsichtsbehörde FANK. Nachdem der Pannenmeiler mehrere Monate tatsächlich abgeschaltet war, gab es plötzlich die Erlaubnis, ihn noch 10 Jahre lang weiter Strom produzieren zu lassen. Das hat seitdem für viel Unruhe in Aachen und der Region gesorgt.

Über die belgische Atomaufsichtsbehörde FANK: „Seit Januar 2013 leitet Jan Bens die Behörde. Er war zuvor (1978 bis 2007) bei dem Atomkraftwerkbetreiber Electrabel beschäftigt, leitete von 2004 bis 2008 die Atomanlage Doel und wurde anschließend Vizedirektor des Weltverbands der Kernkraftwerksbetreiber (WANO). Gleichwohl äußerte die belgische Innenministerin Joëlle Milquet 2013: „Wir haben es mit einer unabhängigen Aufsichtsbehörde zu tun, und wir haben keinerlei Möglichkeit, uns einzumischen.“

Was sollen wir konkret tun, wenn es in Tihange einen Unfall gibt und eine radioaktive Wolke mit dem üblichen Westwind auf dem Weg ins etwa 60 Kilometer entfernte Aachen ist? Diese Frage wurde bisher nie beantwortet, und das hat in Aachen viele Menschen sehr beunruhigt.

Im Bürgerforum hieß es, die Stadt habe ernsthaft vor,  Jodtabletten (bisher alle 309.000 im Klinikum deponiert) auf die Schulen und Kindergärten verteilen zu lassen und nicht nur da. In den Schulen und Kitas werde es Info-Veranstaltungen für das Personal geben. Inhalt: Was tun im Ernstfall? Auch Ärzte informieren zur

tihange_kl_20Zeit schon bei Vorträgen (z. B. gestern, 28. April, im Ev. Gemeindezentrum in Kornelimünster). Die weiteren Termine werden immer in eurer Tageszeitung im Lokalteil, rechte oder linke Spalte, mitgeteilt.

Man konnte den Eindruck haben, dass die Stadtverwaltung, die Politik, die Feuerwehr, das Aktionsbündnis und die Ärzte der Organisation IPPNW die Lage gleichermaßen kühl, aber ernst einschätzen und alles nur Mögliche zur Rettung der Bevölkerung in der Region tun wollen. Allein: Im Ernstfall 500.000 Menschen schnell aus der Region zu evakuieren, das sei „nicht durchführbar“. Das wurde ausdrücklich gesagt.

Bei so großen Katastrophen wisse man außerdem nicht, wie sich die Bevölkerung verhält, meinte Feuerwehrchef Dipl.-Ing. Jürgen Wolff. Und dann seien erfahrungsgemäß auch längst nicht alle Feuerwehrleute bereit, ihre eigenen Familien im Stich zu lassen und Dienst zu tun.
An kontaminierten Personen könne man maximal 50 Personen pro Stunde versorgen, mehr nicht.

Sucht nach solchen kleinen Meldungen und geht zu den Info-Veranstaltungen.

Sucht nach solchen kleinen Meldungen und geht zu den Info-Veranstaltungen.

Soweit ich herausgehört habe, sind Beschwerden und Klagen gegen das Wiederanfahren und Betreiben von Tihange und Doel im NRW-Umweltministerium und allen anderen Behörden hochwillkommen, um den Belgiern klarzumachen, wie ernst die Lage ist. Demos, Diskussionsveranstaltungen, das Aufhängen von Plakaten, Petitionen einreichen, Unterschriftenlisten zusammenstellen usw finde ich persönlich ebenfalls gut und notwendig. Je breiter die Palette der Missfallens-Äußerungen und Maßnahmen, desto besser.

Wer jetzt sagt (wie jüngst bei der WDR5-Veranstaltung in der Aula Carolina geschehen): Wir brauchen einen EU-weiten Ausstieg aus der Atomenergie, der hat zwar Recht, möchte aber das Problem eigentlich nur auf die lange Bank schieben. Denn bis der EU-weite Ausstieg verabredet ist, werden noch viele, viele Jahre vergehen. Wenn es überhaupt je möglich wird.

Die Sitzung fand übrigens zufällig genau 30 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl statt. Zu Beginn erhoben sich alle zu einem stillen Gedenken. Auf einem Tisch lagen Broschüren des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, darin gibt es auch einen kleinen Abschnitt (Seite 62) über radioaktive Stoffe. Da kann man nur sagen: Besser als nichts.

Ausführlicher Bericht: in der Aachener Zeitung

Für die Broschüre: www.bbk.bund.de

Was am 25. April 2016 in der Süddeutschen stand: http://www.sueddeutsche.de/politik/belgiens-atomaufsicht-wie-auf-dem-misthaufen-1.2965969

Alle Belgier erhalten Jodtabletten

Tja, nehmt Jod und vergesst Tihange.

 

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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