Alles Fassade, aber warum eigentlich nicht?

Fassaden, die eine vergangene Zeit konservieren, bleiben in der Alexanderstraße stehen.

Fassaden, die eine vergangene Zeit konservieren, bleiben in der Alexanderstraße stehen.

In der Alexanderstraße (Nähe Hansemannplatz) sind drei Gebäude vollständig entkernt worden. Ja, mehr noch, es ist jeweils nur die Fassade zur Straßenseite hin geblieben. Hinter der Fassade werden jetzt 36 moderne, kleine  Wohnungen gebaut. Ihre Bäder, Küchen, die Heizung und alles andere werden technisch auf dem neuesten Stand sein, während nach außen die  Baukultur einer längst vergangenen Epoche vorgeführt wird.

Ist das nicht gewissermaßen verlogen? Eine wissentliche Irreführung? Vorne so tun, als stamme das Haus aus der guten alten Zeit und tatsächlich ist es ein kalter Neubau? Lauter Boxen für isolierte Studenten, nicht geeignet für Familien. Ist das nicht unehrliches Bauen?

„Es ist das Verstecken der Wirklichkeit durch ein Bild dessen, was gewesen ist“, sagt der Architekt Volkwin Marg.

Das ist auch in der Kockerellstraße geschehen: Im unteren Teil der Straße sieht ein Gebäude aus wie ein Couven-Bau, in Wirklichkeit ist es aber eine Turnhalle. Die Turnhalle des Kaiser-Karls-Gymnasium – mit einer alten Fassade als Dekoration. Sieht aus wie aufgeklebt.

Tatsächlich denke ich aber, dass alte Fassaden unbedingt erhalten werden sollten. „Die Moderne und die Vergangenheit schmiegen sich aneinander“, lese ich bei Zeit-Online. Es ändert sich so viel in einer Stadt, da ist man froh,  wenn wenigstens die ein oder andere Fassade bleibt wie sie ist. Ein Heimatgefühl kann sich entwickeln. Man hat den Eindruck: Hier kenn‘ ich mich aus, hier kenn‘ ich jedes Haus.

elysee_hoch_24In der Alexanderstraße sollen die Wohnungen samt kleiner Tiefgarage im Herbst 2017 fertig sein. Und wenn alles gut geht, bleibt auch die Fassade vom Elysee-Kino gegenüber vom Theater (zumindest als Nachbau) erhalten. Entschieden ist aber noch nichts.

Dem Vernehmen nach gab es einen Gestaltungsvorschlag. Der wurde dem Architektenbeirat vorgelegt und von diesem dann zurückgewiesen. Jetzt muss neu überlegt werden, wie an dem prominenten Ort gebaut werden kann.

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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Eine Antwort zu Alles Fassade, aber warum eigentlich nicht?

  1. Peer van Daalen schreibt:

    „Vorne so tun, als stamme das Haus aus der guten alten Zeit und tatsächlich ist es ein kalter Neubau?“

    Mehr als ein Drittel der so genannten „historischen Altstadt“ besteht entweder aus solchen Fälschungen oder es handelt sich sogar um komplett translozierte Gebäudefassaden (innen Neubauten aus den 50´er/60´er Jahren – außen Fassaden-Resteverwertung aus Kriegsschäden bzw. ganzer Gebäude aus allen Bezirken Aachens).

    Ich denke, daß ist eine vertretbare Praxis, wenigstens halbwegs glaubwürdig eine historische Bebauung zu simulieren. Dann soll man das Kind aber auch so! beim Namen nennen.

    Wirklich! historische Bausubstanz findet man z.B. entlang des arg geschundenen Adalbertsteinwegs bzw. in den Innenstadtstraßen, in die sich die Touristen eher selten verirren.

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