Jan Böhmerwald. Hype ohne Ende

Jeden Donnerstag steht seit 3 Jahren Jan Böhmermanns „Neo Magazin (Royale)“ via Internet auf dem Programm. Und zum „Neo Magazin Royale“ gehörte auch immer „Der Hashtag der Woche“ und die dazugehörige Übertragung der Hashtag-Konferenz, die wir jeweils zu Beginn der Woche gesehen haben und danach „Das Urteil“ über die vorige Sendung. Alles gnadenlos amüsant und intelligent. Und das vom ZDF! Wahnsinn.

Es sind Beiträge von Jan Böhmermann, die wir ab sofort vergessen können. Der hatte zunächst mitgeteilt, dass eine Folge vom Neo Magazin ausfällt, dann dass er vier Wochen lang nichts im TV machen wird, und ich schätze, da wird nichts mehr draus.

Eine Gemeinheit, die wir im Grunde dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan verdanken. Erdogan triumphiert. Wir haben nichts mehr zu lachen, dafür lacht sich jetzt Erdogan ins Fäustchen. Und kassiert auch noch 6 Milliarden Euro.

Aber wie sollte es auch anders sein? Wenn wir wollen, dass deutlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen, dann sind wir auf Erdogan angewiesen. Und wer auf einen Diktator angewiesen ist, der muss öfter mal ein bisschen nett sein zum Diktator. Anders geht es nicht. So stehen wir vor der Alternative: Entweder Freiheit der Meinung und insbesondere der Kunst und der Satire, oder weitere Millionen Flüchtlinge kommen zu uns und wir müssen sie unterbringen und versorgen.

Da entscheidet sich Frau Merkel für Nett-Sein-Zum-Diktator und für ein abgeschottetes Deutschland, gegen die Flüchtlingsströme und vor allem gegen die Freiheit. „Ein bisschen Freiheit aufgeben“, mag sie sich denken, „das schaffen wir“. Es ist Jan Böhmermann hoch anzurechnen, dass er uns die Zwickmühle und das Verhalten von Merkel vor Augen führt.

Man kann die ganze Chose aber auch so sehen: Merkel hat eigentlich nur den Weg frei gemacht für die Stelle, wo das umstrittene Satire-Gedicht ohnehin nur hingehört: Justitia. Vor Gericht wird dann (hoffentlich) festgestellt, dass bei uns Satire das darf, was Böhmermann veranstaltet hat. Wobei der quasi-edukatorische Zusammenhang, in den Böhmermann sein Gedicht stellt, eine wichtige Rolle spielen wird.

So wird Böhmi freigesprochen und das Gedicht kann mit dem offiziellen Segen eines deutschen Gerichts neu veröffentlicht werden, was dann auch vielfach geschehen wird.

Zuletzt sei hier noch erwähnt, dass der ganze Fall, also die Dimensionen, die er angenommen hat, auch zeigt, wie in Zeiten des Internet explosionsartig sehr viel Aufmerksamkeit erzeugt werden kann. Gezeigt wird, dass man leicht eine doch eher harmlose Geschichte zum Kochen und Überkochen, zur Staatsaffaire und zum Dauerthema (das Wichtigeres überlagert) bringen kann. Danke Böhmi. Bitte verzichte darauf, uns auch noch vorzuführen, wie mittels Internet eine Massenhysterie entsteht, die dann niemand mehr im Griff hat.

Auch nicht schlecht:

Video-Kommentar von Oliver Kalkofe hier

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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