Ein Haus für Spieler, Kunst von Weltrang und Spitzengastronomie

Neues Kurhaus Aachen

Blick auf das Neue Kurhaus, das ab 2017 saniert werden soll. Reproduzierte Kunst von Weltrang, Spitzengastronomie und Spieler sollen dann einziehen.

Was wird aus dem Neuen Kurhaus an der Monheimsallee? Der neoklassizistische Bau ist denkmalgeschützt, gehört der Stadt Aachen und muss dringend saniert werden, was nach ersten Schätzungen gut 20 Millionen Euro kosten wird.

Lange fand sich niemand, der (nach der Sanierung) einmal dort einziehen und das Publikum unterhalten möchte. Jetzt hat die Kölner Eventagentur Explorado Interesse angemeldet, sie will „authentisch“ Künstler von Weltrang (zum Beispiel Michelangelo, Salvador Dalí, René Magritte usw) und ihre Werke vorstellen. Unter anderem ist an die Reproduktion der Sixtinischen Kapelle im Maßstab 1:5 gedacht. (Was sagen eigentlich örtliche und überörtliche Museumschefs zu diesem Ansinnen?)

Das hat jedenfalls die altehrwürdige FAZ schon zu einigem Spott animiert (lesenswert). Sie berichtete von einem „sixtinischen Casino“, das die Aachener mit viel Geld errichten wollen. Dabei muss das Gebäude ohnehin – also mit Kunst oder ohne – saniert werden.

Wahrscheinlich wird man bei der Sanierung am Ende mit 20 Millionen nicht auskommen, ich erinnere an die Oper in Köln. „Bislang sollte die Sanierung der Kölner Bühnen 288 Millionen Euro kosten. Oberbürgermeisterin Henriette Reker geht nun von einem Betrag von bis zu 460 Millionen Euro aus. Die Eröffnung rückt in weite Ferne“, schreibt der „Kölner Stadtanzeiger“.

Neues Kurhaus Aachen

Blick in den Lenné-Pavillon. Er wird abgerissen.

Das Aachener Neue Kurhaus soll wieder schön werden, das ist vom Stadtrat beschlossene Sache. Der Lenné-Pavillon (rechts vom Gebäude) wird abgerissen.

Der alte Mieter, das Spielcasino, will danach nur noch einen kleinen Teil des Gebäudes mieten. Und auch das nur, wenn in den Rest eine Attraktion einzieht, die zusätzlich quasi indirekt Menschen an die Spieltische zieht. Lange wurde gesucht, der ein oder andere Veranstalter (Theater/Varieté) interessierte sich und sprang später wieder ab. Jetzt will man außer dem Casino (links) ein Restaurant (in der Mitte) und die erwähnte Kunsthalle (rechts) installieren. Letztere wird angeblich 85.000 Besucher pro Jahr zählen.

Im Rat der Stadt haben dem alle Parteien zugestimmt, manche Ratsherren und – damen wohl einfach nur, weil man froh ist, dass überhaupt jemand in das monumentale Bauwerk, das doch eigentlich recht sehenswert ist, einzieht (und vor allem Miete zahlt). Mit dem Umbau kann aber wegen allerlei Ausschreibungen und Planungen erst 2017 begonnen werden. Fertig wird alles in etwa vier Jahren, frühestens.

In der Aachener Piratenpartei wurde kurz der Vorschlag diskutiert, das Neue Kurhaus einfach zu verkaufen. Irgendein Multimillionär werde sich schon

Neues Kurhaus Spielkasino

Schwer in die Jahre gekommen: das Neue Kurhaus (erbaut 1914 bis 1916) in Aachen. Alle Fotos: Archiv

finden – bei dem Überfluss an liquiden Mitteln, den diese Leute derzeit vor sich herschieben. Und wenn das Neue Kurhaus auch verkauft wäre, so stünde es doch immer noch an seinem Platz und könnte bewundert werden. Hinein  geht ja sowieso schon länger niemand mehr. Das Spielcasino hat viele „Kunden“ an das Internet verloren, verzeichnet schon lange zurückgehende Besucherzahlen.

Im Stadtrat stimmten am Ende aber auch die Piraten den oben skizzierten Plänen zu. Frühestens 2019 wird man sehen, wer an der Monheimsallee letztlich einzieht.

Über uebergangshymne

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Eine Antwort zu Ein Haus für Spieler, Kunst von Weltrang und Spitzengastronomie

  1. Die Fakten: Michelangelo – Der andere Blick.
    Transparenz in der AWC Ausstellung im Odysseum Köln: Michelangelo – Der andere Blick.
    Ingo Langner, der Ausstellungskurator, sagte am 15.6.16 in einem Interview bei Dom Radio: “… wir haben jetzt diese Bilder von der Decke geholt
    … ja ist ja eine Länge von ungefähr 9 Metern”,
    die Pressemitteilung der AWC Ausstellung im Odysseum vermerkt:
    “…In nahezu originalgetreuer Größe werden die Deckenfresken wortwörtlich auf die Erde geholt”.
    Die Fakten: die Fresken der Schöpfungsgeschichte in der Sixtinische Kapelle sind z.B. über eine Länge von 30 Meter gemalt worden.
    Beide Informationen stimmen nicht, weder die 9 Meter von Langner, noch weniger die AWC Presse Aussage nach der die Fresken in “nahezu originalgetreuer Größe” zu sehen sind.

    Die einzige Zahl die stimmt ist der Eintrittspreis: 16 Euro.

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