Lärm-Freunde prallen auf Kulturpolitiker

Seit gefühlt 100 Jahren laufen in Aachen Kulturausschuss-Sitzungen nach den immer gleichen Regeln ab. Vom altbewährten Schema wich man auch jüngst nicht ab, als sich die Gruppe „Macht mal Lärm“ auf Antrag der Grünen diesem Gremium vorstellen durfte. Das berechtigte Anliegen der Gruppe (zusammengefasst): Die Politik in Aachen möge doch die kulturellen Hervorbringungen und Äußerungen dieser Initiative genauso ernst nehmen wie die der „etablierten“ Kultur.

Als Beobachter hatte man das Gefühl, zwei fremde Welten prallen aufeinander. Es begann damit, dass der Sprecher von „Macht mal Lärm“ bei seiner Vorstellung einer anderen Initiative den Vortritt lassen wollte. Diese Gruppe stand aber gar nicht auf der Tagesordnung der Sitzung, durfte sich also nicht äußern. Da hätte man flexibel reagieren müssen.
Dann monierte die Sprecherin der SPD im Ausschuss, dass über sie und ihre Partei etwas Falsches verbreitet worden war und zeigte sich anhaltend beleidigt.

Dieses Foto soll den Text auflockern, mehr nicht. Es entstand in der Wilhelmstraße/Ecke Theaterstraße in Aachen.

Dieses Foto soll den Text auflockern, mehr nicht. Es entstand in der Wilhelmstraße/Ecke Theaterstraße in Aachen. Zum Anschauen: ruhig mal draufklicken.

Auch darüber, dass sie irgendwie „von hinten“ angesprochen wurde (sie hätte sich einfach umdrehen und dem Sprecher zuwenden müssen).

Und so ging es zunächst immer weiter aneinander vorbei.

Konkret wurden von „Macht mal Lärm“ 1. mehr Möglichkeiten für Graffiti-Künstler erbeten, 2. eine mittelgroße Bühne und 3. eine größere Toleranz von Seiten der Behörden gegenüber Musikern in Aachener Parks. Die Verwaltung versprach, mit der Initiative in Kontakt zu bleiben. Die jungen Leute  unterdessen teilten mit, sie bereiteten gerade ihre nächste Lärm-Demo vor. Aachen kann sich also wieder auf einen Umzug freuen, bei dem es in der Innenstadt ziemlich laut zugehen wird. Die üblichen Beschwerdeführer sitzen bestimmt schon in den Startlöchern.

Die Piraten hatten vor der Kommunalwahl vorgeschlagen, zur Unterstützung der Musik- und Party-Szene einen „Nachtbürgermeister“ zu installieren. Diesen Vorschlag hatte die örtliche SPD schnell gekapert und als ihren eigenen ausgegeben. Vor der Wahl.
Nach der Wahl wurde dazu plötzlich nichts mehr mitgeteilt. Die Frage stand seitdem im Raum, ob die SPD dazu noch etwas unternehmen würde, oder ob jetzt die Piraten wieder ihren Vorschlag übernehmen und für die Durchsetzung kämpfen dürfen??? Der Vertreter der Piraten im Ausschuss, Gunter von Hayn, fragte auch nach, was denn wohl aus der Idee geworden sei??? NICHTS, so die Antwort. Die Verwaltung habe die Sache geprüft und befunden: Einen „Nachtbürgermeister“ braucht Aachen nicht.

Im weiteren Verlauf der Sitzung stellte sich der neue Leiter der Abtei in Kornelimünster vor, der das versprach, was schon immer versucht aber noch nie gelungen ist, nämlich die Abtei ans Aachener Kulturleben anzubinden.

Dann lobten im Ausschuss alle zu Recht die Bemühungen von Stadt und Städteregion in Sachen kultureller Bildung für Kinder.

Die Dezernentin Schwier erklärte sodann, es gebe bezüglich der Neustrukturierung von Volkshochschule (VHS) und Stadtbücherei Gespräche und viele Ideen. Man werde sich demnächst in Bonn, wo eine derartige Umstrukturierung schon erfolgt sei, kundig machen.

Und, so Schwier, es werde eine kleine Kommission sich einmal mit der „Kunst“ befassen, die Aachens Plätze und Straßen schmückt: Püppchen (Körbergasse) und Pferdchen (Bahnhof), Stelzenkinder (Annastraße) und Vögelchen (Münsterplatz) und sonst noch haufenweise Kitsch und niedliches Zeug. Schon mal vorab: Die Besetzung der Kommission gibt keinen Grund zu der Hoffnung, dass sich daran mal etwas ändern wird.

*

Für alle, die es genau nehmen: Das Gremium, aus dem hier berichtet wurde, heißt korrekt „Betriebsausschuss Kultur“. Es setzt sich zusammen aus Ratspolitikern und -politikerinnen (hoher Frauenanteil, weil: Kultur), sachkundigen Bürgern und Vertretern der Stadtverwaltung. Es bereitet Entscheidungen vor, die der Rat der Stadt Aachen übernimmt. Um sachkundig zu sein, lässt sich das Gremium oft auch lediglich (über Aktivitäten und Initiativen) informieren. 

 

Über uebergangshymne

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Eine Antwort zu Lärm-Freunde prallen auf Kulturpolitiker

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