Bürger gegen Unterbringung in Containern

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Aachen. Im Rathaus wird um menschenwürdige Lösungen für ihre Unterbringungen gerungen. Bürgerinnen und Bürger bestehen darauf, bei den Planungen mitgenommen zu werden.

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Aachen. Im Rathaus wird um menschenwürdige Lösungen für ihre Unterbringungen gerungen. Bürgerinnen und Bürger bestehen darauf, an den Planungen beteiligt zu werden.

Das hatten sich die Bürger auch anders vorgestellt: Gestern (23. Juni) besuchten sie eine wichtige Sondersitzung zum Thema „Unterbringung von Flüchtlingen in Aachen“. Im Ratssaal mussten sie sich vom Fraktionsvorsitzenden der CDU, Harald Baal, Vorwürfe bezüglich ihres Sprachgebrauchs anhören. Baal stellte die Menschen, die für Flüchtlinge Häuser statt Container fordern, in die rechte Ecke. Es blieb einem fast das Herz stehen und Atemschwierigkeiten stellten sich ein, so ungeheuerlich waren die Vorwürfe.

Es ging um die Fragen: Wo sollen über 1000 Flüchtlinge, die noch kommen, wohnen? Werden Container aufgestellt, und was wird das kosten? Zunächst gab es von Seiten der Verwaltung unter anderem Fotos von Containern in Burtscheid, wo 20 Minderjährige, die allein nach Aachen gekommen sind, drin wohnen. Diese Vorzeige-Container sind wirklich eine hinnehmbare Unterkunft.

Aber es soll keiner glauben, dass die 50 Container, die demnächst auf dem Sportplatz Adenauerallee aufgestellt werden, und die anderen Container, die noch kommen, auch nur in etwa ähnlich sein werden zu dem, was in Burtscheid zu besichtigen ist. Da werden sich die Leute noch umschauen, wenn Ende des Jahres über 100 Erwachsene in 3-Etagen-Containerbauten leben. Es ist nicht fair den Menschen zu erklären, es würde alles so nett ausgestaltet wie für die Minderjährigen.

Die 2 Piraten Udo Pütz und Marc Teuku (Foto: s. unten) haben im Ausschuss versucht, sich für Unterbringung in

Kleiner Werbeblock.

Kleiner Werbeblock. Das Egmont befindet sich in der Pontstraße in der Nähe vom Markt.

leerstehenden Kasernen und Klöstern stark zu machen und sofort Leichtbauhäuser wie in Münster da zu errichten, wo laut Stadtverwaltung sowieso sofort gebaut werden kann. Die Piraten erhielten Applaus von den Zuschauern, von den übrigen Politikern wurden sie verbal niedergemacht.

Ein Ex-ProNRWler (rechte Splitterpartei) meinte, das Problem sei unlösbar und es würden immer mehr und mehr und mehr Flüchtlinge kommen. Was Quatsch ist. Es handelt sich um ein Problem, das lösbar ist, wie schon nach dem Krieg in Deutschland mehrere Millionen Flüchtlinge aufgenommen und integriert wurden. In Aachen, der Stadt von den beiden großen Hilfswerken Missio  und Misereor, wurden schon weit schlimmere Lagen bewältigt.

Schwierig, aber nicht hoffnungslos ist die Lage: Aachen mit seinen 56.000 Studierenden ist sozusagen ausgebucht. Die Stadt gehört zu den Kommunen, in denen ab Juli die Mietpreisbremse bis 2020 gilt. 975 Flüchtlinge sind bereits in Aachen. Bis Ende des Jahres könnten es insgesamt 2200 sein. Manche dürfen arbeiten, werden aber wohl keinen Arbeitsplatz finden.

Es ist eine Riesenherausforderung, und im Grunde möchten alle  – die Bürgerinnen und Bürger,  die Politiker, der Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung – akzeptable Lösungen. Heute, im Rat, wird weiter darum gerungen.

Meine Darstellung ist subjektiv. Bildet euch über die gestrige Sitzung eine eigene

Udo pütz (l.9 und Marc Teuku, Piratenpartei.

Udo Pütz (l.) und Marc Teuku, für die Piratenpartei im Rat der Stadt Aachen aktiv.

Meinung und lest als Kontrast die Berichte in den 2 Aachener Tageszeitungen. Zum Beispiel im Café Egmont (Pontstraße)  gibt es beide Zeitungen. Heute wird das Thema in der Ratssitzung behandelt. Wenn ich wieder einen Sitzplatz bekomme, werde ich wieder aus der Sitzung twittern. Wie gestern unter @feuertinte

*

Hier bringe ich der Vollständigkeit halber das, was das Presseamt der Stadtverwaltung als Ergebnis der Sitzung offiziell mitgeteilt hat. Das sind natürlich nur die Ergebnisse und nichts zum Atmosphärischen:

 

„Nach intensiver Diskussion haben heute Abend (23. Juni 2015) der städtische Sozialausschuss, der Finanzausschuss sowie der Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss dem Rat der Stadt Aachen empfohlen, der Vorgehensweise der Verwaltung zur Deckung des Wohnbedarfs für Flüchtlinge zuzustimmen und die finanziellen Mittel für eine kurzfristige Unterbringung von Flüchtlingen in Containern deckungsfähig im Haushalt einzuplanen.   

Entsprechend sollen 90 mobile Wohneinheiten zum Ankauf ausgeschrieben werden. Davon werden zunächst 33 Container, die Platz für ungefähr 50 Menschen bieten, an der Laachgasse in Haaren aufgestellt. 57 Container, die 78 Menschen beherbergen können, sollen in einem zweiten Schritt nach dem Vorschlag der Verwaltung auf den hergerichteten Parkplatz Kronenberg/Gemmenicher Weg gestellt werden. Die Verwaltung schlägt weiter vor, 57 Wohncontainer anzumieten, die dann auf dem Sportplatz an der Adenauerallee stehen könnten. Darüber hinaus soll die Standortfrage außen vor bleiben und je nach aktueller Lage entschieden werden. 

In der Sondersitzung wurde erläutert, dass je 24 Wohncontainer und drei Allgemeincontainer einen Bebauungsriegel bilden. In jeden Riegel sind Wohnungen unterschiedlichster Größenordnungen geplant. An der Laachgasse in Haaren ist momentan ein dreigeschossiger Riegel geplant, am Kronenberg zwei dreigeschossige Riegel. Über die Anordnung der Container an der Adenauerallee  wird noch beraten. 

Sozialdezernent Dr. Manfred Sicking betonte noch einmal, dass das Aufstellen von Wohncontainern in Aachen ebenso wie die Herrichtung von Turnhallen eine reine Übergangslösung bis zur Bereitstellung von permanentem Wohnraum sei. „Die Schaffung von neuem Wohnraum zur Unterbringung von Flüchtlingen hat unsere absolute Priorität, braucht aber einen längeren Vorlauf. Zur Deckung dieses Bedarfs reichen aber die zur Verfügung stehenden Wohnungsbestände in der Stadt nicht aus“, so Sicking.

Bedingt durch die weltweite Flüchtlingssituation werden in den kommenden Monaten zahlreiche Flüchtlinge nach Deutschland und damit auch nach Aachen kommen. In Aachen sind aktuell rund 980 Flüchtlinge untergebracht. Unter anderem ausgehend von der Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und unter Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren – Aufnahme unerlaubt eingereister Menschen, Aufnahmen aus des Aufnahmeprogrammen des Bundes, Aufnahmen aus dem Resettlementverfahren sowie laufende gesetzliche Entwicklungen – rechnet die Stadt bis Ende des Jahres aber insgesamt mit bis zu 

2 200 unterzubringenden Flüchtlingen. Auch im kommenden Jahr 2016 erwartet die Verwaltung einen weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen. Sie kalkuliert einen Nettozuwachs von 50 Menschen pro Monat ein, so dass zum Jahresende 2016 durchaus 2 800 Flüchtlinge oder mehr in Aachen leben könnten.“

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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