Kunst verkommt in der Notdurft-Ecke

 

Eines der wenigen Bilder von Klaus Paier , die es in Aachen noch gibt: "Der große Krieg".

Eines der wenigen Bilder von Wandmaler Klaus Paier, die es in Aachen noch gibt: „Der grosse Krieg“. Es ist über 30 Jahre alt und verkommt.

Genau vor der Terrasse vom Café Kittel in Aachen (Pontstraße/Augustinerbach) befindet sich ein Grundstück, das sieht aus wie Sau. 100 Meter vom Rathaus entfernt steht man vor einem matschigen Auto-Abstell-Platz, der so schmuddelig ist, dass manche denken, sie könnten da einfach in die Ecke pinkeln, und das tun die dann auch.

Das haben jedenfalls die Leute vom Café Kittel des öfteren beobachtet . . . „und Schlimmeres“, wie mir gesagt wurde. Sie möchten die Ecke an ihrer Terrasse lieber heute als morgen nett herrichten, müssen dazu das Einverständnis von RWTH/Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) und der Stadt Aachen einholen. Und das gestaltet sich schwierig.

Vor dem Wandbild ist Platz für zwei Autos. Der Platz wird vermietet, aber auf den Platz würden die Vermieter sogar verzichten, wenn die Ecke ansprechend gestaltet würde. (Foto aus Sommer 2014)

Vor dem Wandbild ist Platz für zwei Autos. Der Platz wird vermietet, aber auf den Platz würden die Vermieter sogar verzichten, wenn die Ecke ansprechend gestaltet würde. (Foto aus Sommer 2014)

Links befindet sich ein kolossales Wandbild von Klaus Paier, Titel: „Der grosse Krieg“. Das Bild steht unter Denkmalschutz. Es MUSS also erhalten werden, und das ist auch richtig so (dazu: s. update unten). Klaus Paier und Josef Stöhr waren vor über 30 Jahren in Aachen beide als Wandmaler aktiv und haben uns damals immer wieder mit aufrüttelnden und kunstvollen Arbeiten überrascht. Eine Stadt, die solche Bilder im öffentlichen Raum ihr Eigen nennt, sollte eigentlich stolz sein und diese Kunst sorgsam pflegen.

Das kleine Grundstück ist ständig nass, bei Regen steht es regelrecht unter Wasser. Es muss eine Drainage erhalten. Dann könnte man dort eine Station für Elektrofahrräder (statt der Autos) installieren (s. hier). Das stellen sich die Leute vom Café Kittel so vor und würden da auch gern auf den Parkplatz verzichten. Das Bild allerdings muss sich ein Restaurator vorknöpfen. Vor Jahren misshandelten Tabak-Werber die Kunst, sie wurden zu einer Strafe von 20.000 Mark verdonnert, wenn ich mich nicht irre. Spuren der Verschandelung sind noch jetzt zu sehen.

Eins von vielen zerstörten Bildern des Aachener Wandmalers. Die Reste befinden sich an einer Außenwand des Mörgens-Theaters.

Eins von vielen zerstörten Bildern des Aachener Wandmalers. Diese Reste findet ihr an einer Außenwand des Mörgens-Theaters.

Es gab mal gut drei Dutzend Wandbilder von Klaus Paier in Aachen, nur sehr wenige sind erhalten. „Der grosse Krieg“  gehört dazu. Andere, zum Beispiel „Der Tod ist eine weisse Wolke“ am Mörgens (Hubertus-/Ecke Mörgensstraße), wurden zerstört. Sehr bedauerlich. Viele Bilder könnt ihr sehen, wenn ihr hier klickt und weit nach unten scrollt.  Seht auch den Video-Clip an, es lohnt sich.

In den 80er Jahren wurden Bilder, die niemand bestellt und bezahlt hat und die inhaltlich provozieren, als unerträglich angesehen und von der Stadtverwaltung sofort entfernt. Leider applaudierten dazu damals auch noch Teile der örtlichen Presse. Die Bilder von Klaus Paier und seinem Freund Josef Stöhr spiegeln den Geist jener Zeit wieder und gehören zur Aachener Geschichte.

Update 08. April: Es erhebt sich Widerspruch von sachkundiger Seite, dass das Bild nicht unter Denkmalschutz steht. Die zuständige Dame bei der städtischen Denkmalpflege ist im Urlaub, und sonst kann dort spontan keiner Auskunft geben. Die Info wird nachgereicht.

Eine Nahaufnahme.

Eine Nahaufnahme. Foto aus Sommer 2014.


 

Hier noch eine schöne WordPress-Seite mit Fotos aus den 70er und frühen 80er Jahren, als die Paier-Bilder sozusagen gerade frisch gemalt waren. https://allopach.wordpress.com/2014/06/15/aachener-wandmaler-paierstohr-7879/

Lest selbst, was die Bezirksregierung in Köln in ihrem Amtsblatt vom 16. März 2015 (pdf) gleich am Anfang unter „Verordnungen,Verfügungen und Bekanntmachungen der Bezirksregierung Köln“  verkündet . . . (nämlich dass sie die Aachener Verwaltung angewiesen hat, das Bild unter Denkmalschutz zu stellen.) Das alles schreibt der Tano auf seiner Seite

„Ich habe die Stadt Aachen veranlasst, folgendes Objekt in die Denkmalliste einzutragen,´Objekt Baudenkmal Graffito „Der große Krieg“ von Klaus Paier (aus 1980). Auf der nordöstlichen Brandwand des Wohnhauses Augustinerbach 2a … usw. usf.“

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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