Die Studierenden und drei Ehrungen

Starteten zum Rundgang durch das Frankenberger Viertel: eine große Gruppe mit Dr. Holger Dux. Foto: Henning Brinkmann

Starteten in der Zollernstraße zum Rundgang durch das Frankenberger Viertel: eine Gruppe mit Dr. Holger Dux.                  Fotos: Henning Brinkmann

Tolle Sache: In eisiger Kälte und bei Regen haben jetzt Aachener einen geführten Spaziergang durch das Frankenberger Viertel gestartet. Eingeladen hatte die Volkshochschule. Dr. Holger Dux hatte so viel zu berichten, dass man es vom Haus der Städteregion in der Zollernstraße nur bis zur Burg Frankenberg schaffte. Die Führung dauerte zwei Stunden, die sich aber gelohnt haben. Der Regen ließ später ganz nach.

Im Herbst soll es eine weitere Führung geben. Dieses Gebäude (s. Foto links) frankenberg_05wurde unter anderem ausführlich betrachtet. Es wurde von Eduard Linse entworfen, der auch die Villa Casalette entworfen hat, in der sich das Suermondt-Ludwig-Museum befindet. Das hier abgebildete Haus war Linses eigenes Wohn- und Atelierhaus in der Bismarckstraße 65.

Die geführte Gruppe war recht groß, doch der Referent konnte laut sprechen, so dass niemand etwas verpasste.

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Verhunzte Sprache: Die Hochschule ist eine kleine Stadt für sich – mit Heerscharen von Studenten und einer übersichtlichen Schar von Dozenten. Aber halt: Die jüngeren Mitglieder der Hochschul-Gemeinde soll man „Studierende“ nennen. Der akademische Nachwuchs heißt nicht mehr Student oder Studentin, es ist ein Studierender oder eine Studierende. Dabei glaubt man, ein Problem zu lösen, das nur bei oberflächlicher Betrachtung existiert. Das Wort „Studierende“ soll die Menschen geschlechtsneutral stellen, so will es die Landesregierung. Und das Studentenwerk soll sich ab Herbst auch in Aachen in „Studierendenwerk“ umbenennen. Die „Studentenwohnanlage“ wird dann wohl bald eine Studierendenwohnanlage. Lauter Wortungetüme.

Kaum jemand scheint noch zu wissen: Der Begriff der lateinischen „studentes“ umfasst Männer und Frauen gleichermaßen. Der Begriff vereint alle, die sich „um etwas bemühen“ und „streben, trachten, suchen“, um sich fortzubilden. Er ist schon geschlechtsneutral und braucht gar nicht ersetzt zu werden.

Als „Studierende“ wird die Menschengruppe allein nach dem Vollzug der Tätigkeit benannt, die sie auf unterster Ebene auszeichnet. Analog werden wohl bald die Wähler in die Wählenden umbenannt, die Bewohner in die Bewohnenden und so immer weiter.

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Kleine Sensation: In Euskirchen hat ein Mann mit türkischen Wurzeln das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Der dortige Landrat überreichte es. Hat man von derartigem jemals gehört? Ich nicht. Naci Sahin (gesprochen: Schein) hat sich jahrzehntelang für die Integration seiner türkischen Mitbürger und Mitbürgerinnen engagiert. Der Mann ist eine Institution in Euskirchen, als „türkischer Bürgermeister“ bekannt. Sahin kam 1972 nach Deutschland, 2005 erwarb er den deutschen Pass, er arbeitete von 1990 bis 2007 als Erzieher in einer Jugendeinrichtung, im Ausländerbeirat war er Vorsitzender.

Es ist wichtig, dass in den Gremien, auch in denen des LVR, ausländische Mitbürger mitarbeiten dürfen. Es ist wichtig, dass sie dazu dezidiert eingeladen werden. Auch Sahin war in Fachausschüssen tätig und konnte sein Wissen an die türkische Gemeinde weiterreichen.

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90 Jahre alt: Am kommenden Donnerstag gibt es im Weißen Saal des

Blick in den Weißen Saal, wo Empfänge stattfinden.

Blick in den Weißen Saal, wo Empfänge stattfinden.

Aachener Rathauses einen Empfang. Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) ehrt ab 13 Uhr Professor Dr. Waltraud Kruse (CDU), die 90 Jahre alt wird. Waltraud Kruse war in Aachen Bürgermeisterin und ist Ehrenringträgerin.

Heute, Montag, gibt es ebenfalls einen Empfang. Der Oberbürgermeister trifft die Ladies in Black. Um 16 Uhr stehen bei ihm die Volleyballerinnen auf der Matte.

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Mit einem Schweigemarsch haben in Moskau viele tausend Menschen des ermordeten Oppositionspolitikers Boris Nemzow gedacht. Viele hielten Transparente und Plakate mit dem Hinweis „Helden sterben nie“ hoch. Nemzow wurde am Freitag auf einer Moskwa-Brücke in Kreml-Nähe mit vier Schüssen getötet. Auch in Aachen auf dem Markt gab es am Wochenende einen stillen Protest (s. Foto unten).

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Selten erlebt man so etwas Unangemessenes wie im Fall Sebastian Edathy. Der Sozialdemokrat wurde für seine Aktivitäten im Internet mit einer 5000-Euro-Strafe belegt. Eine Farce. Die Summe ist ungeheuerlich, empörend, so niedrig. Ein Schlag ins Gesicht aller, die Opfer von Kinderpornografie wurden.

Und, welch‘ nie gesehene Frechheit, Edathy hat gleich nach dem Urteil großkotzig behauptet, ein Geständnis liege nicht vor. Dabei hatte er gerade erst vor dem Richter erklärt: Die Vorwürfe treffen zu. Ich habe mir auf dem Dienst-Laptop Kinderpornografie bestellt.

Wir haben es mit einem raffiniert angelegten Lügenstück zu tun, vor Gericht und im Untersuchungsausschuss des Bundestages, wo eine Parteifreundin von Edathy den Vorsitze innehat. Da bekommt der Angeklagte Zeit, „zufällig“ seinen Laptop zu verlieren, da wird anderen „zufällig“ das Handy geklaut. Wer glaubt an diese Zufälle?

Die Edathy-Affaire ist im Grunde eine SPD-Affaire. Höchste SPD-Ämter standen auf dem Spiel, deshalb musste getrickst und gelogen werden, wie es gerade passt. Und das von denjenigen Personen, die die Gesetze machen, nach denen wir uns alle zu richten haben. Warum soll man diese Leute noch wählen?

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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