Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge V

Flüchtlinge sind fast täglich Thema in den Zeitungen. Nicht alle Städte können die Menschen angemessen unterbringen. Die Schulen sehen vor schwierigen Aufgaben. Da ist die Arbeit der Ehrenamtlichen mal wieder besonders wichtig.

Flüchtlinge sind fast täglich Thema in den Zeitungen. Nicht alle Städte können die Menschen angemessen unterbringen. Die Schulen stehen vor schwierigen Aufgaben. Da ist die Arbeit der Ehrenamtlichen besonders wichtig.

Der Sozialdienst SKM in Aachen hat – wie hier bereits berichtet – ein Patenprojekt für junge Flüchtlinge ins Leben gerufen. Viele Aachener machen mit und sind schon Paten geworden. Weitere wollen ebenfalls Paten werden und einem minderjährigen, alleinreisenden Flüchtling helfen, sich in Aachen zurecht zu finden. Auch ich kümmere mich um einen Flüchtling. Und ich nehme an den Workshops des SKM teil, weil man uns die Aufgabe nicht ohne fachlichen Beistand zumuten will.

„Fit für Vielfalt“ war jetzt das Motto eines interkulturellen Trainings, bei dem gut ein Dutzend Patinnen und Paten mitmachten. Von 11 bis 17 Uhr versuchte der Islamwissenschaftler und Ethnologe Markus Reissen uns klarzumachen, dass sich andere Menschen in anderen Ländern ganz anders verhalten, und dass sie unser Verhalten so komisch finden wie wir ihres. Konkret ging es um die Tatsache, dass es in manchen Ländern als Unverschämtheit gilt, Fremden bei der Begrüßung direkt knallhart in die Augen zu schauen.

Den Blickkontakt zu vermeiden, das ist ein Verhalten, das wir in Deutschland als unhöflich bezeichnen. Das aber unsere ausländischen Gesprächspartner wiederum für ausgesucht höflich halten. An diesem und anderen Beispielen wurde klar, wie Missverständnisse entstehen und wie flexibel man sein muss, wenn man mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zu tun hat.

Interkulturelle Missverständnisse und Konflikte waren das Thema. Auch wurde uns klargemacht, dass die Flüchtlinge uns womöglich für sehr mächtig halten, weil wir viele Leute kennen und immer wieder jemand finden, der eventuell helfen könnte bei Schwierigkeiten, die für die Flüchtlinge unüberwindbar scheinen, weil sie von den Erfahrungen in ihrer Heimat ausgehen.

Alles war sehr spannend und interessant. Mir wurde klar, wie wichtig anderen die Familie ist, in der alles gemeinsam nach bestimmten Mustern entschieden wird. Und wie bedeutend uns unser Individualismus ist. Wie direkt wir im Gespräch zur Sache kommen, klare Ansagen lieben und wie vorsichtig und um viele Ecken herum andere ihr Ziel erreichen. „Niemand soll sein Gesicht verlieren“, krass „nein“ sagen muss vermieden werden.

Dann dachte ich nochmals darüber nach, wie leicht wir „Autoritäten“ kritisieren: den Vermieter, den Lehrer, den Chef, den Oberbürgermeister, die Bundeskanzlerin. Niemand nimmt ein Blatt vor den Mund. Unvorstellbar unhöflich und kalt ist das für Menschen anderer Kulturen. Da ist man ein klares und eindeutiges „Nein“ nicht gewöhnt und zieht sich geschockt zurück.

So lernten wir und haben auch viel gelacht. In der Mittagspause haben wir darüber diskutiert, welche der Aachener Moscheen/Gebetsräume die Jugendlichen besuchen. Es wurde vor einer „Moschee“ (in der Ottostraße) gewarnt, und es zeigte sich, dass bei diesem Thema noch viel Informationsbedarf besteht.


(wird fortgesetzt mit Folge VI)

Folge IV der Serie findet ihr hier

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge V

  1. Pingback: Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge IV | Aachen. Kommentierte Infos.

  2. Pingback: Patenprojekt für junge Flüchtlinge, Folge VI | Aachen. Kommentierte Infos.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s