Tivoli, Grundsteuer, Wochenmarkt und das neue Kurhaus

Heute wird im Stadtrat (17 Uhr, Rathaus) mitgeteilt, dass die Stadt den Tivoli gekauft hat, für einen Euro. Damit ist die Stadt, also wir alle in Aachen, Eigentümerin des Bauwerks an der Krefelder Straße, und wir müssen das Gebäude auch bezahlen, also die verbliebenen Stadionkredite (über 30 Millionen Euro). Bezahlt ist das Stadion nämlich noch längst nicht, nur ziemlich neu und schön. Außerdem muss jetzt die Stadt Aachen, also wir alle, die Unterhaltskosten für das Teil aufbringen. Soll sich auch um zwei Millionen Euro pro Jahr handeln. Geplant war das mal anders.

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Es wird heute auch im Stadtrat entschieden, dass die „Grundsteuer B“ erhöht wird (ab sofort). Das hat zur Folge, dass alle, die Häuser oder Wohnungen besitzen, an die Stadt mehr Steuern zahlen müssen als noch 2014. Und alle, die Miete zahlen, denen wird die Miete erhöht, denn die Grundsteuer B darf sofort auf die Miete umgelegt werden. Der Wohnraum ist knapp, die Mieten steigen schon sowieso, und da erhöht der Stadtrat auch noch  die Grundsteuer B. Unpassender geht’s nicht.

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Habt ihr mal gesehen, wie viel Werbung der Handel macht, um seine Produkte an den Mann und an die Frau zu bringen? Was zum Beispiel mit dem „Super Mittwoch“ so alles in die Haushalte geschaufelt wird? Pallen, Porta, Aldi, Lidl, Edeka, Saturn, Yesss und noch mehr. Nichts gegen Werbung, ich kann damit leben. Doch wer macht eigentlich für sich GAR KEINE Werbung? . . . . . .  Na?

Der Aachener Wochenmarkt natürlich. Der macht gar keine Werbung für sich und muss deshalb mit den Umsätzen wohl vollauf zufrieden sein, haben sich wahrscheinlich die Stadtväter und -mütter gedacht. Und deshalb erhöhen sie heute den Marktbeschickern mal flott die Standgebühr. Ein Beschluss, für den mir jedes Verständnis fehlt. Der Wochenmarkt ist eine Attraktion und neben den vielen Läden für Klamotten und Schuhen in der Innenstadt auch eine notwendige Ergänzung zur Lebensmittelversorgung von uns Innenstadtbewohnern.

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Es sind die TV-Krimis, die Ängste der Bürgerinnen und Bürger schüren. Das teilte dieser Tage ein bekannter Kriminologe (Professor Christian Pfeiffer) mit. Die Deutschen hätten übertrieben viel Angst vor Gewaltverbrechen, weil sie so viel davon im Fernsehen anschauen. Zufällig wurde an dem Tag auch vermeldet, dass zum Beispiel in Aachen die Zahl der Geschäftseinbrüche „dramatisch“ gestiegen ist. Nach Auskunft der Polizei in Aachen ist 2014 eine Zunahme von 40 Prozent zu verzeichnen. Ob das nicht auch Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen hat?

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Darauf kann man sich freuen: 275 neue Wohnungen werden neben dem Neubau „Guter Hirte“ gebaut. Aber erst in den Jahren 2016 bis 2019. Bauen wird das Büro pbs-architekten aus Aachen. Was ich von den Plänen gesehen habe, hat mir gefallen. Und auch mit der Umweltzone kann ich leben. Sie wird ja nichts kaputt machen und auch nichts besser machen. Grüne Plaketten haben sowieso schon die allermeisten. Insofern: Kann kommen.

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Zum Umbau Vogelsang, hier auch schon als Thema behandelt, hat jetzt der Geschäftsführer mitgeteilt: Dass der Umbau 5 Millionen teurer wird, sei noch lange nicht sicher. Es könnten auch drei zusätzliche Millionen ausreichen. Ich halte da die Berechnungen des Landschaftsverbands für realistischer. Die Sanierung des Neuen Kurhaus in der Monheimsallee wird übrigens angeblich auch „nur“ etwa 20 Millionen kosten. Davon geht man in der Stadtverwaltung aus . . . bis man sich die Mauern dieses alten Kastens einmal etwas mehr von innen betrachtet haben wird. Da wird es noch ein böses Erwachen geben, befürchte ich.

Die Tagesordnung der heutigen öffentlichen Sitzung des Rates der Stadt findet ihr hier.

Mehr über das neue Kurhaus gibt es hier.


 

Update (29.01.2015): Gegen das hier zum Tivoli Geschriebene erhebt sich Widerspruch.

Mit „neu und schön“ ist der Zustand des Stadions womöglich zu oberflächlich/unzureichend beschrieben. Immerhin sind Bauschäden vorhanden, über die demnächst noch vor Gericht gestritten wird. Diese Bauschäden scheinen das, was üblicherweise an Nacharbeiten bei Neubauten üblich ist, deutlich zu überschreiten (s. Link im Kommentar).

Der bisher immer gut informierte Ratsherr der Grünen, der Aachener Kommunalpolitiker Hermann Josef Pilgram, teilte via Facebook mit:

„Tut mir leid, das sagen zu müssen. Aber der Satz mit den „verbliebenen Stadionkrediten“ ist Quatsch. Der Kreditnehmer ist insolvent, die Stadt hat keine Kreditverbindlichkeiten mitgekauft. Den eigenen Kredit an die Alemannia hat sie bereits in der Vergangenheit abschreiben müssen, was schlimm genug war, aber jetzt kalter Kaffee ist.“

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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3 Antworten zu Tivoli, Grundsteuer, Wochenmarkt und das neue Kurhaus

  1. Peer van Daalen schreibt:

    Zum Thema Tivoli!
    In Aachen wird viel geplant und wenig Gescheites zustande gebracht …

    Und hierzu, „Bezahlt ist das Stadion nämlich noch längst nicht, nur ziemlich neu und schön.“
    Ziemlich neu? Und schön? Ähem …? Mit Verlaub, – was machen Sie eigentlich so als sachkundige Bürgerin der Stadt den ganzen Tag??????

    http://epaper.supersonntag.de/ausgaben/index.php?datum=20121128&ausgabe=ssx1&seite=3&artikelid=372440257&mainaction&anaviaction=seitenvorschau&aressort

    http://www.aachener-zeitung.de/lokales/aachen/tivoli-raetsel-um-baumaengel-vor-gericht-1.968619

    Nix für ungut und mit herzlichen Grüßen Peer van Daalen

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