Nicht einfach: Den Umgang mit der Presse lernen wollen

Es gibt Menschen, die baden gern in dem Bewusstsein, dass keiner sie will, dass sie verachtet und nicht gemocht werden, dass sie ignoriert werden. Wie gesagt: Die baden in dem Bewusstsein, und die brauchen das.

Und dass sie das Gefühl, geradezu bekämpft zu werden, gern haben und brauchen, das merkt man, wenn man anfängt sie darauf hinzuweisen, dass eigentlich das Gegenteil der Fall ist. Dann werden sie jedes Mal laut und hören nicht auf, Beispiele zu nennen, die ihre Selbstsicht untermauern. Sie schreien geradezu, und das tun sie verständlicherweise, weil man ihr Selbstverständnis anzweifelt, in dem sie sich soooooo richtig  gemütlich eingerichtet haben. In dem man an ihrer Selbstbeurteilung zweifelt, zieht man ihnen ja auch den Boden unter den Füßen weg. Das ist immer für den, der das versucht gefährlich.

Plakativ sein: Griffige Formulierungen gbt es in Hülle und Fülle. Wer sie nicht nutzt, hat es in der Politik schwer. Nur: ohne geht es nicht.

Plakativ sein: Griffige Formulierungen gibt es in Hülle und Fülle. Wer sie nicht nutzt, hat es in der Politik schwer. Denn: ohne geht es nicht.

Es ist ein erstaunliches Phänomen, das ich erst in den letzten drei, vier Jahren kennengelernt habe. Die Piraten haben viel davon. Obwohl Heerscharen von Journalisten darauf warten, dass mal pfiffige Aktionen und kluge und griffige Sprüche von den Piraten kommen, bilden die Freibeuter sich ein, sie würden gezielt und absichtlich von der Presse ignoriert. Anstatt sich zu sagen: „Wir versuchen jetzt mal zu lernen, wie man mit der Presse umgeht“ suhlen sie sich in dem Gefühl, verachtet zu werden und brauchen folglich auch nichts zu lernen. Wie bequem.

Nur: Wer sich einst vorgenommen hatte, Missstände mal in aller Öffentlichkeit bekannt zu machen, sie einfach zu benennen (was ja wirklich mal an der Tagesordnung wäre), der wird mit dieser Opfer-Haltung natürlich keinen Punkt machen. Piraten nehmen gern eine Opfer-Haltung ein. Opfer einer fremdgesteuerten Presse sind sie besonders gern. Vom letzten kleinen Piraten ohne jeden Posten bis hin zum Fraktionschef im Landtag konnte ich dieses Phänomen schon beobachten. Wobei Joachim Paul zuletzt doch noch viel gelernt hat, wie sein jüngstes Interview zeigt. Lauter griffige Aussagen, die das, was Piraten wollen und was sie nicht wollen, perfekt zusammenfassen und ausdrücken. Bis hin zur Beschreibung eines Textes der Regierung als „ein Haufen Sprechblasen“. Die Geldausgabe als „Hütchenspiel“ beschreiben, wenn ganz tricky erklärt wird, aus welchem Ministerium jetzt der Breitbandausbau eigentlich finanziert werden soll: an dem Beispiel hat Professor Martin Haase beim 31c3 die Strategie erklärt.

Griffige, provokative Formulierungen werden äußerst dankbar von der Presse aufgenommen. Man muss sie nur bringen. Und wenn man das nicht kann, muss man das eben üben. Die ersten Male geht das garantiert schief. Aber dann wird man immer besser.

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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