Darf Satire wirklich alles? Gibt es keine Grenzen?

„Satire darf alles“, höre ich jetzt ganz oft. Ja, mit den Mächtigen in der Politik darf sich Satire gern befassen. Und was ist, wenn sich Satire eine Minderheit in der Gesellschaft herauspickt und gerade die wieder und wieder an dem einen wunden Punkt zu treffen versucht, den diese Minderheit nun mal hat? Wenn sich Satire unterdrückte und entrechtete Menschen vorknöpft? Flüchtlinge. Oder Frauen zum Beispiel. Was würde mit einer Zeitschrift geschehen, die sich darauf spezialisiert hat, Frauen hässlich darzustellen und lächerlich zu machen?

Kann das nicht sein, dass sich da jemand festbeißt, wie ein Troll, und immer wieder ohne Sinn und Verstand in eine offene Wunde hackt, nur aus dem einen Grund: Bei den Opfern die zuverlässig, quasi automatisch einsetzende Wut und Empörung hervorzurufen? Muss sich dann die Minderheit an diese „Verletzungen“ gewöhnen? Vielleicht. Ich weiß es nicht.

Ich habe mir die Karikaturen in dem französischen Satiremagazin (vor dem grausamen Terroranschlag) gut angeschaut. Ich fand damals nicht eine einzige lustig oder intelligent. Das kann daran liegen, dass die Franzosen einen anderen Humor haben . . . Das Wesen einer  Karikatur ist es, dass man nach dem Anschauen etwas besser versteht als vorher. Das bessere Verstehen ist bei mir bei Mohammed-Karikaturen aus Frankreich noch nie erfolgt. Bin ich nicht normal?

Bei allem, was Zeitungen schreiben, ist auch immer viel Quatsch dabei. Manche Bilder sind einfach blöd, manche Karikaturen bescheuert. Und obwohl so viel Quatsch und Blödsinn gedruckt wird, bin ich doch dafür, dass all das veröffentlicht werden DARF. Ich würde nur nie sagen: „Dieser Quatsch, das bin ich.“ Never. Und was ich insbesondere nicht bin, das sind miese Darstellungen von etwas, das anderen heilig ist.

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In meiner Umgebung wird Karl der Große in einer Hinsicht geradezu verachtet. Warum? Weil er das angezündet hat, was den Sachsen das Allerheiligste war. Irminsul. Das war ein gigantischer, uralter Baum, der nach Ansicht eines ganzen Volkes den Himmel trug und so heilig war wie sonst gar nichts auf der Welt. Und gegen den Rat seiner Mitstreiter hat Karl den Baum abgefackelt. Die Menschen, denen er seinen Willen aufzwingen wollte, hat er zutiefst verletzt und fertig gemacht. Besonders perfide: Er wollte ihnen offenbar nicht nur seinen Willen aufzwingen, sondern sie auch geistig, quasi innerlich brechen und ihnen den Halt nehmen. Wenn  man Karl so sieht, kann man dann Spaß haben an der Herabwürdigung Mohammeds?

Oder ist Rücksichtnahme auf das, was anderen heilig ist, im Grunde schon ein Einknicken und eine Art Zensur oder Selbstzensur? Kapitulieren wir, wenn wir sagen. „Gut, dann bilden wir eben keine Mohammed-Karikaturen mehr ab.“? Oder sind wir nur einfach höflich und umgänglich im Sinne eines guten Zusammenlebens aller Menschen in Europa, wo man versucht, sich gegenseitig möglichst wenig auf die Füße zu treten? Wenn wir in dieser Hinsicht ein Bilderverbot akzeptieren, was wird dann als nächstes unter das Bilderverbot fallen? Moscheen? Frauen mit Schleier oder Kopftuch? Wird es auch die Forderung nach einem Verbot von Musik – zumindest an hohen muslimischen Feiertagen – geben?

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Es äußern sich derzeit viele über den Islam und was der Islam ist. Über den Islam muss allgemein mehr informiert und nachgedacht werden. Dabei möge man bedenken: Wer über den Islam redet, muss auch wissen, dass es in den islamischen Ländern ein Gefühl der Zurückgebliebenheit gegenüber „dem Westen“ gibt. Und dass die allermeisten radikalen Islamisten meinen, die Zurückgebliebenheit werde allein deshalb nicht überwunden, weil sich die Gläubigen zu weit von den Gesetzen des Koran entfernt haben. Und würde man die Worte des Koran nur wieder eins zu eins in die Wirklichkeit umsetzen, so würde sich auch die Überlegenheit des Islam zeigen.

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Ich bin ganz sicher für maximale Pressefreiheit und Meinungsfreiheit. Aber wenn tausende Menschen auf der ganzen Welt wehklagen und vor Schmerz aufheulen, dann hat man sich zwar in Europa die größtmögliche Freiheit genommen, aber zugleich auch beleidigt und verletzt. Ob es einem das wert ist, muss wohl  jede Redaktion für sich selbst entscheiden.



Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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