Paten für junge Flüchtlinge gesucht, Folge 1

Minderjährige Flüchtlinge kommen zur Zeit in relativ großer Zahl in Aachen an. Man liest davon, man hört davon, man schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und kann nicht ruhig bleiben.

Fünf Jugendliche werden durchschnittlich täglich in Aachen aufgegriffen. Die bekommen eine Unterkunft (Heim oder Hotel), einen Vormund, sie können eventuell zur Schule gehen und müssen nicht verhungern. Es sind sehr selbstständige Jugendliche, fast alles Jungen. Sie sind durch Kriegserlebnisse traumatisiert, sind traurig und vermissen ihre Angehörigen.

Wird aus Mitteln des Europäischen Flüchtlingsfonds kofinanziert: Das Projekt "Aachener Hände".

Wird aus Mitteln des Europäischen Flüchtlingsfonds kofinanziert: Das Projekt „Aachener Hände“.

Als Minderjährige sind sie in Aachen in festen Strukturen aufgehoben. Doch wenn sie 18 Jahre alt und damit volljährig werden, sind sie gänzlich auf sich selbst gestellt. Diese Not hat man beim katholischen Sozialdienst (SKM) in der Heinrichsallee 56 gesehen und sich etwas überlegt. Die Sozialhelfer haben das bundesweit einzigartige Projekt „Aachener Hände“ ins Leben gerufen und nach langen Bemühungen und vielen Anträgen auch etwas Geld dafür von der Europäischen Union (EU) bekommen.

Die „Hände“, die den jungen Leuten gereicht werden, kommen von ehrenamtlichen Paten. Bei einem ersten Treffen mit Menschen, die sich vorstellen können, als Paten mit einem jungen Flüchtling einmal die Woche etwas zu unternehmen, ein Gespräch zu führen oder eine Behörde aufzusuchen, hatte man mit vielleicht fünf Interessenten gerechnet.

Was kam, war eine Flut von Menschen, fast alle schon ein wenig älter und mit Lebenserfahrung. Es kamen nicht 5, es kamen mindestens 80, der Zustrom hörte nicht auf, die Info-Veranstaltung musste in zwei Räumen stattfinden. Die veranstaltenden Damen vom SKM freuten sich sehr.

Es gibt in Aachen viele Menschen, die das Leid anderer rührt, die aktiv werden möchten und ihre Freizeit opfern. Man ist dabei über den SKM versichert, und was genau man zusammen mit dem jungen Flüchtling unternimmt, kann man mit diesem ganz allein entscheiden: Kino, Tierpark, Hangeweiher, Theater, Sport oder einfach eine Tasse Kaffee trinken gehen.

Zugeteilt werden den Paten nur junge Erwachsene, die schon eine Weile in Aachen sind und ausreichend Deutsch sprechen. Alle jungen Flüchtlinge sind sehr ehrgeizig und lernen die deutsche Sprache in rasender Eile. Viele sind gute und sehr gute Schüler. Doch oft wissen sie nicht, wie unsere Bürokratie funktioniert, und sehr oft wollen sie einfach mal mit einem Menschen sprechen oder nach langer Zeit noch mal erleben, wie es in einer Familie ist. Sie dürfen Aachen nicht verlassen, weswegen Paten, die beispielsweise in Vaals (Holland) oder Gemmenich (Belgien) wohnen nicht infrage kommen.

An dem Info-Abend wurden noch viele Fragen besprochen. Es gibt Weiterbildung und Treffen für die Paten, die Mitarbeiter vom SKM stehen als Anlaufstelle zur Verfügung. Es wird in mehreren Treffen geprüft, ob Flüchtling und Pate überhaupt zueinander passen und, und, und. Resümee: Alles weit weniger schwierig, als es auf den ersten Blick schien.

Mehr unter: www.aachener-haende.de

Zu Folge 2 geht es hier

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