Klare Kante von Anfang an

Das Parlament der Städteregion Aachen bei seiner ersten Sitzung nach der Kommunalwahl.

Das Parlament der Städteregion Aachen bei seiner ersten Sitzung nach der Kommunalwahl.

Bei der Kommunalwahl hat auch unsere schöne Städteregion, die von Kalterherberg (im Süden) über Aachen bis nach Baesweiler (im Norden) reicht, ihr neues Parlament gewählt. Gestern trafen sich die etwas über 70 Politiker und Politikerinnen zu ihrer ersten Sitzung. Und es ging gleich schön zur Sache.

Ich war zum allerersten Mal dabei. In dem Gremium, das in der Zollernstraße in Aachen residiert, bilden CDU und Grüne eine Koalition. Die beiden sagen hier in den nächsten sechs Jahren, wo es lang geht. Die SPD bildet mit einer vielköpfigen Fraktion (23 Sitze) die Opposition, zusammen mit 4 „Die Linke“-Politikern, mit 3 Leuten von der FDP und 3 von der Fraktion Piraten/UFW. Es ist auch noch ein Ultrarechter (REP) und einer von der „Alternative für Deutschland“ (AfD) dabei.

Alterspräsident Georg Helg führte unter anderem aus, dass ihm – nach all dem Scheußlichen, was die Nazizeit der Menschheit beschert habe – JEGLICHES Verständnis fehlt für Leute, die diesen Ideologien nahestehende Politiker heute noch wählen. Das und mehr sagte er eindeutig in Richtung des Politikers auf der ultrarechten Seite des Saales, der meldete sich später empört zu Wort und verlangte dafür eine Entschuldigung.

Der inzwischen wiedergewählte Chef der Versammlung, Helmut Etschenberg, meinte dazu postwendend: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Helg Ihnen dazu etwas sagt. WIR DENKEN NÄMLICH HIER ALLE SO WIE ER.“ Damit hatte der Erste im Städteregionstag seine Klatsche weg.
Es traf den Richtigen, wie alle meinten. Es gab für Etschenbergs Antwort nämlich zustimmenden, heftigen Applaus.

Helg hatte in seine Rede als Alterspräsident (der muss bei so etwas immer die Sitzung eröffnen) auch von seiner Europa-Begeisterung und von der Grenzregion und Aachen als Europa-Stadt gesprochen. Wir stehen zu Europa „und dazu brauchen wir keine Alternative“, rief er mit fester Stimmen in den Raum. Das sagte er sogar in einem etwa scharfen Ton, so dass ich schon dachte, huiii, hier gehts gleich zur Sache. Es gab viel Applaus für dieses Statement gegen die AfD.

Ich finde, wenn man gleich in seiner allerersten Sitzung den Rechten und „Europa-Skeptikern“ so klare Kante zeigt, das ist korrekt. Man hätte auch sagen können: Nun gut, fallen wir mal nicht mit der Tür ins Haus und machen auf die beiden nicht noch extra aufmerksam, sie haben ja noch nichts Schlimmes gemacht. Oder so.
Aber nein, der olle Helg (Jahrgang 1934) nimmt kein Blatt vor den Mund, Etschenberg ebenfalls nicht. Das war genau richtig.

Noch in anderer Hinsicht habe ich den Besuch beim Städteregions-Parlament nicht bereut. Als einziges wichtiges  Thema stand nämlich das niederländische Fraking auf der Tagesordnung. Da war offenbar schon etwas vorbereitet worden: Alle Fraktionen sprachen sich gegen diese unsichere Form der Energiegewinnung aus, und das will man den Niederländern jetzt auch schriftlich mitteilen.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass in unserer Region noch jede Stadt und jede Gemeinde so tut, als sei sie autonom. In Wirklichkeit ist man in der Zollernstraße (Städteregion) längst tonangebend.  Dem wird hier in Zukunft noch etwas mehr nachgegangen.

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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Eine Antwort zu Klare Kante von Anfang an

  1. mv schreibt:

    Helg nannte in seiner Rede die Vertreter extrem rechten Gedankenguts „Spinner, ich wähle hier ausdrücklich das Wort Spinner“. Hintergrund: Dies tat er in Anklang an ein Urteil, das den Bundespräsidenten betraf. http://www.sueddeutsche.de/politik/bundesverfassungsgericht-gauck-darf-npd-anhaenger-spinner-nennen-1.1993463

    Zur Erinnerung: Eine kleine Auswahl von Wahlplakaten der Partei „Die Republikaner“ (REP). Gib bei google bild ein: rep wahlplakate 2014

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