Was ist mit LuFo und Suermondt-Ludwig-Museum los?

IMG_5442Irgendwas stimmt nicht mit den beiden großen Aachener Museen. Ludwig Forum und Suermondt-Ludwig-Museum sind beide randvoll mit Kunst der allerfeinsten Art. Sie zeigen ihren jeweiligen Bestand und dazu Wechselausstellungen. Doch sie sind nur noch wenig im öffentlichen Leben der Stadt präsent.

Was da nicht stimmt, weiß eigentlich keiner so genau. Also, ich zumindest hatte noch nicht das Vergnügen, darüber aufgeklärt zu werden. Beide Häuser hatten mal einen sehr guten Ruf in Aachen, in der Region und darüber hinaus. Beide haben ausreichend Personal, ganz viel Platz für Kunst, prallvolle Archive, und sie sind auch von der Politik mit ausreichend Geld ausgestattet.

Aber beide Häuser sind nicht mehr das, worüber man spricht in Aachen. Sie sind für das Image der Stadt unerheblich geworden. Es ist ungerecht, aber beide sind irgendwie langweilig. Keine Kracher mehr, keine Aufregerthemen, keine Provokationen, keine Diskussionen, keine Wortgefechte über diese Häuser im Bildungsbürgertum. Keine umstrittenen Ausstellungen mehr, wo sich die empfindlichen und kniffeligen Fragen der Zeit stellen.

Das gab es alles einmal in beiden Häusern. Das vermissen wir jetzt.

Damit jeder weiß, wovon die Rede ist: Das Ludwig Forum mit seiner modernen Kunst (plus Wechselausstellungen) befindet sich im ehemaligen Aachener Arbeiterviertel an der Jülicher Straße in einer ehemaligen Fabrik. Das Umfeld ist eine einzige Katastrophe. Man muss sich fast überwinden, um dort hinzugehen. Ein Museum und die Gegend dort, das passt total kein bisschen zusammen. Ostviertel eben. Dort würde eine Bildungseinrichtung hinpassen, wo fleißig Kurse gegeben und Hauptschulabschlüsse nachgeholt werden können. http://www.ludwigforum.de

Das Suermondt-Ludwig-Museum ist in einer ehemaligen Industriellenvilla, in der Wilhelmstraße, prominent gelegen. Es ist ein Schatzhaus, die alte Kunst ist dort vertreten. Eigentlich, wie ich finde, sind Gebäude und Ausstellungsstücke alle sehr sehenswert. Auch die Wechselausstellungen sind von hoher Qualität. Es gab Zeiten, da ging ich dort mehrmals im Jahr hin, nur, um immer wieder dieselben eindrucksvollen Kunstwerke zu sehen. http://www.suermondt-ludwig-museum.de

Jetzt ist der Museumschef umstritten, außer der CDU wollen wohl alle Parteien im Rat seinen Vertrag nicht mehr verlängern. Kann aber sein, dass sich die CDU durchsetzt. Vor der Kommunalwahl (25. Mai) wird aber nichts mehr entschieden.

Man müsste hier Zahlen nennen: Wie viel Geld bekommen die Häuser aus der Stadtkasse? Wie viel Personal haben sie genau? Wie viele Besucher kommen abzüglich der zwangs-verpflichteten Schulklassen? Welche Ausstellungen gab es genau? Was machen die beiden Museums-Vereine? Wie viel Geld wurde in den letzten zehn Jahren in die Häuser investiert, jenseits des laufenden Betriebs? usw. usf.

Es gibt natürlich Vermutungen und Spekulationen, aber der „Niedergang“ ist relativ unerklärlich. Die verantwortlichen Politiker haben beschlossen, nach der Wahl eine Strukturkommission einzurichten. Um der Sache auf den Grund zu gehen und herauszufinden, wie die zwei Aachener Museen wieder ein durch und durch positives Image bekommen können. Tja.

Und wer wird in dieser Kommission sitzen? Ich hoffe wirklich, dass es Kunstkenner und Museumsexperten von auswärts sein werden. Nichts gegen die hiesigen, aber der Blick von außen bringt einen in so einer Situation weiter.

Über uebergangshymne

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Eine Antwort zu Was ist mit LuFo und Suermondt-Ludwig-Museum los?

  1. mv schreibt:

    Auf Facebook (ausgerechnet) habe ich es schon angedeutet, hier möchte ich es noch etwas ausführen: Das Ludwig Forum hat nicht nur die Aufgabe, Teile seines Bestandes zu zeigen. Es hat nicht nur die Aufgabe, in regelmäßigen Wechselausstellungen zeitgenössische und brandaktuelle Kunst zu präsentieren. Das Forum muss auch die Kunstszene von Stadt und Region Aachen pflegen.

    In Aachen braucht ein Museum oder Forum den Kontakt zur „Basis“, um akzeptiert zu werden und bestehen zu können. Die Basis, das sind die Kunstfreunde und -kenner, die Förderer und Sammler, die Künstler und Künstlerinnen der Region sowie ihre Freunde. Wobei unter Region mehr verstanden wird als der sogenannte Altkreis Aachen. Region meint hier auch Teile Belgiens und der Niederlande und geht sogar über Düren, Jülich und Heinsberg hinaus.

    Das Forum funktioniert nicht, wenn eine der genannten Gruppen vernachlässigt wird. Insbesondere wird es schwer, wenn die Kunstschaffenden nicht angebunden werden können. Sicher, ein privates Museum kann auf den Kontakt zur Basis verzichten, kann sich international einen guten Ruf erwerben und auf die Resonanz der Menschen in der Stadt pfeifen. Eine von der Stadt (also von der Allgemeinheit) finanzierte Einrichtung kann das nicht.

    Dabei bedeutet die Pflege der aktuellen Kunstszene, dass Künstler vorgestellt werden, die zum Haus passen. Im aktuellen Fall Ludwig Forum sind Künstler gemeint mit durchgehaltenem, erkennbarem Konzept, die sich schon eine gewisse Anerkennung erarbeitet haben und etwas vorlegen, das über die Arbeit von Autodidakten hinausgeht.

    Im Ludwig Forum ist wegen der Aufteilung der Räume in unten und oben, klimatisiert und nicht-klimatisiert usw. die Präsentation von zwei Ausstellungen gleichzeitig gut möglich. Das sollte nicht die Ausnahme sein, sondern die Regel.

    Die Pflege der örtlichen Kunstszene ist für sich allein schon absolut geboten. Als Nebeneffekt bewirkt sie eine hohe Identifikation mit dem Haus und seinem Programm. Gerade das Forum muss auch im übertragenen Sinne mehr in die Stadt hineingezogen werden. Denn die Randlage ist nicht nur buchstäblich gegeben, sie ist auch im Bewusstsein der Aachener vorhanden.

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