„Das Erdbeben in Chile“

Ach wie haben mit immer die Texte von Heinrich von Kleist imponiert. Wie er den jungen Mann schildert, im Gefängnis, von seiner schwangeren Freundin getrennt, völlig verzweifelt und am Ende, weil er gerade erfahren hat, dass seine Freundin von bigotten Priestern zum Tode verurteilt worden ist.
Er will sich in der Gefängniszelle aufhängen, hat den Strick schon in der Hand. Da setzt ein Erdbeben ein, die Wände wackeln. Der Mann hält sich fest. Eben wollte er noch sterben, und nur einen Moment später hält er sich fest, weil er nicht mal umfallen möchte, nicht mal hinfallen.
Welche krasse Wendung des Schicksals. Und so kann es wirklich gehen im Leben. Innerhalb von Augenblicken ändert sich alles. Und was man zuvor wusste und wollte, ist schlagartig absolut bedeutungslos.
Wie dann bei Kleist die Geschichte weitergeht: Das Erdbeben lässt Häuser einstürzen, Menschen sterben oder werden verletzt. Niemand kümmert sich um die Verurteilten, sie rennen raus, suchen sich und finden einander. Und obwohl das Erdbeben eine Menge Leid geschaffen hat, setzt jetzt eine Hilfsbereitschaft ein, die man zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Jeder hilft jedem. Es zeigt sich, wie vollkommen gut Menschen sein können. So schildert es jedenfalls Kleist, und man kann sich sehr gut vorstellen, dass alles so gewesen ist.
Die Geschichte wogt hin und her, das Kind kommt zur Welt und die Eltern freuen sich unendlich. Doch dann kommen sie auf die schlechte Idee, Gott wegen ihrer Rettung zu danken und an einem Dank-Gottesdienst teilzunehmen. Bei dem Gottesdienst erzählt der Priester, das Erdbeben sei eine Strafe Gottes, insbesondere eine Strafe wegen der schändlichen Handlungen (das Kind wurde im Kloster gezeugt) des jungen Paares. Was dann passierte, erzähle ich hier nicht. Es steht in Kleists Geschichte „Das Erdbeben in Chile“.

Über uebergangshymne

Ich bin Journalistin und Bloggerin.
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